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Prognose zum Abwehr-Puzzle beim FC Bayern: Wer spielt, wenn alle fit sind?

Dominik Hager
Benjamin Pavard und Niklas Süle kämpfen um einen Stammplatz in der Bayern-Abwehr
Benjamin Pavard und Niklas Süle kämpfen um einen Stammplatz in der Bayern-Abwehr / KARIM JAAFAR/Getty Images
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Wie bereits in der Vorsaison steht die Bayern-Abwehr auch zum Saisonstart 2021/22 noch nicht sattelfest. Noch scheint Julian Nagelsmann auch noch ein wenig zu experimentieren, wie zuletzt gegen Köln zu sehen war. Allerdings werden die Karten nach der Rückkehr von Lucas Hernández und Benjamin Pavard, die voraussichtlich nach der Länderspielpause wieder bereit sind, ohnehin neu gemischt. Wir wagen eine Prognose, wie die Abwehr im weiteren Saisonverlauf aussehen könnte.


1. Rechtsverteidigung: Pavard noch in der Pole-Position

Pavard
CHRISTOF STACHE/Getty Images

Zum Bundesliga-Auftakt durfte der Vorbereitungs-Gewinner Josip Stanišić von Beginn an auflaufen. Insbesondere gegen Borussia Dortmund machte der 21-Jährige auch eine gute Figur. Beim 3:2-Sieg gegen die Kölner wackelte der Youngster nach seiner Einwechslung jedoch in Hälfte zwei. Auf Dauer fehlt Stanišić wohl die Qualität für die Startelf.

Tanguy Nianzou durfte sich gegen die Kölner in Hälfte eins auf der für ihn ungewohnten Position probieren. Defensiv erledigte er seine Aufgaben unauffällig aber ordentlich, während er im Spielaufbau noch nicht die idealen Lösungen fand. Den Vorwärtsgang stellte der Franzose überhaupt nicht an, was wohl jedoch auch der taktischen Anweisung von Julian Nagelsmann entsprach. Generell ist Nianzou aber eher ein Spieler der ins Zentrum gehört, wenngleich weitere Experimente auf rechts nicht ausgeschlossen werden können.

Eigentlich hätte man gegen Köln eher damit gerechnet, dass Niklas Süle den Rechtsverteidiger-Posten übernimmt und der junge Franzose nach innen rückt. Da dies nicht der Fall war, spricht nicht unbedingt viel dafür, dass Nagelsmann mit Süle als Rechtsverteidiger plant.

Allerdings könnten sich die Karten nach der Hernández-Rückkehr neu mischen. Der Ex-Hoffenheimer hat gegen Köln durchaus bewiesen, dass er fußballerisch so einiges zu bieten hat und auch den Vorwärtsgang einschalten kann. Das nötige Grundtempo bringt der Nationalspieler auch mit, wenngleich er gegen kleine und wenige Spieler natürlich verwundbar ist.

Demnach ist es noch immer die wahrscheinlichste Option, dass Benjamin Pavard nach seiner Verletzung auf die Rechtsverteidiger-Position zurückkehrt. Allerdings wird sich der Franzose nicht nochmal eine derart mäßige Saison wie im Vorjahr leisten können. Insbesondere Defensiv muss Pavard wieder zulegen, um seine offensiven Defizite ausgleichen zu können.

Keine Gefahr für den Weltmeister von 2018 geht wohl von dessen Landsmann Bouna Sarr aus. Der Neuzugang aus dem Jahr 2020 möchte zwar bei den Bayern bleiben, wird von Trainer Nagelsmann aber bislang auch eher links liegen gelassen.

Stammplatz-Prognose:

1. Benjamin Pavard: 65 Prozent
2. Niklas Süle: 30 Prozent
3. Josip Stanišić: 2 Prozent
4. Tanguy Nianzou: 1 Prozent
5. Bouna Sarr: 1 Prozent

2. Innenverteidigung: Upamecano auf dem Weg zum Abwehrchef

Dayot Upamecano
Alexander Hassenstein/Getty Images

Neuzugang Dayot Upamecano hat sich nach seinem ziemlich missglückten Auftakt-Spiel gefangen und vor allem im Supercup gegen den BVB eine starke Leistung gezeigt. Gegen Köln war der junge Franzose ebenfalls der körperlich präsenteste Abwehrspieler und leistete sich weniger Fehler als seine Nebenleute.

Am 22-Jährigen dürfte langfristig kein Weg vorbei führen, sollte seine Tendenz weiterhin nach oben gehen. Mit seiner Geschwindigkeit und Zweikampfstärke ist Upamecano eigentlich der perfekte Spieler für die sehr hoch stehende Bayern-Abwehr.

Derzeit scheint Niklas Süle neben Upamecano gesetzt zu sein. Der deutsche Nationalspieler konnte sich in der Vorbereitung schnell in Form bringen und wirkt fit und selbstbewusst. Allerdings offenbarte er gegen den 1. FC Köln Probleme im Stellungsspiel und hatte insbesondere am Anschlusstreffer seine Aktien.

Solche Fehler sollten dem Abwehr-Hünen eigentlich nicht passieren, wenn man bedenkt, dass Lucas Hernández in Kürze wieder mitmischen kann. Der Franzose wird zwar noch ein paar Wochen bis zur Topform benötigen, jedoch muss Süle genau in diesen Wochen liefern, um Nagelsmann wenige Chancen zu geben, ihn rauszunehmen.

Hernández hat natürlich auch den Vorteil, dass er ein 80-Millionen-Transfer war, wohingegen Süle den Klub jederzeit verlassen könnte und weniger Rückendeckung von der Führungsetage hat.

In der vergangenen Rückrunde hat der Abwehrspieler mit seiner aggressiven und effektiven Zweikampfführung zudem insbesondere gegen PSG aufhorchen lassen. Wenn Hernández seine Top-Form findet, dürfte es für Süle extrem schwer werden, seinen Platz zu verteidigen.

Nicht wirklich aussichtsreich ist die Ausgangsposition für Tanguy Nianzou. Der 19-Jährige hätte sich mit Sicherheit mehr erhofft, als einen 45-minütigen Auftritt als Rechtsverteidiger gegen Köln. In Dortmund und in Gladbach durfte der Youngster gar nicht ran, was angesichts der Verletzung von Hernández ein schlechtes Zeichen ist.

Nianzou wird sicherlich hier und da Einsätze bekommen, damit sein Talent nicht verkümmert, allerdings dürfte er, wenn alle fit sind, derzeit nur die Nummer vier in der Innenverteidigung sein.

Hinter Nianzou ist Chris Richards einzuordnen, der wohl keine so guten Karten bei Julian Nagelsmann hat und den Verein noch verlassen könnte.

Prognose:

1. Dayot Upamecano: 90 Prozent
2. Lucas Hernández: 60 Prozent
3. Niklas Süle: 35 Prozent
4. Tanguy Nianzou: 14 Prozent
5. Chris Richards: 1 Prozent

3. Linksverteidigung: Alphonso Davies die unumstrittene Nummer eins

Alphonso Davies
Alexander Hassenstein/Getty Images

Auf der Linksverteidiger-Position ist die Ausgangslage die leichteste. Alphonso Davies ist die klare Nummer eins und wird so ziemlich jedes Spiel machen, sollte er nicht gerade verletzt sein oder geschont werden. Unentbehrlich ist vor allem sein Offensivdrang, den sonst kein Bayern-Außenverteidiger auf eine ähnliche Weise mitbringt.

Als Backup für den Kanadier wurde eigentlich Omar Richards verpflichtet. Allerdings könnte sich der Transfer als einer der zuletzt vermehrt aufkommenden "Sinnlos-Aktionen" entpuppen. Jedenfalls wirkt es immer ein wenig abenteuerlich, wenn ein Zweitliga-Spieler, der immerhin auch schon 23 Jahre alt ist, plötzlich den FC Bayern verstärken soll.

Derzeit spielt Richards noch gar keine Rolle, da er in der Vorbereitung neben guten offensiven Ansätzen vor allem im Stellungsspiel Probleme offenbarte.
Demnach dürfte Josip Stanišić derzeit als Ersatz deutlich vor ihm stehen, der als beidfüßiger Spieler die linke und die rechte Seite abdecken kann.

Gegen Köln kam sogar Chris RIchards auf der Linksverteidger-Position zu Einsatzminuten, während Omar Richards erneut keine Spielzeit erhielt.

Die erste Ersatz-Option für Davies dürfte aber prinzipiell keiner der Genannten, sondern Lucas Hernández sein. Sollten Upamecano und Süle fit sein, ist der Qualitätsverlust am geringsten, wenn Hérnandez nach außen rückt und das Duo Upamecano/Süle die Innenverteidigung bildet.

Ganz ideal ist es allerdings nicht, wenn die Bayern auf der Links- und Rechtsverteidigerposition defensiv eingestellte Spieler aufbieten, wodurch Hernández im Normalfall auf links auch den Davies-Stammplatz nicht in Gefahr bringen kann.

Prognose:

1. Alphonso Davies: 90 Prozent
2. Lucas Hernández: 9 Prozent
3. Josip Stanišić: 0,5 Prozent
4. Chris Richards: 0,25 Prozent
5. Omar Richards 0,25 Prozent

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