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Bayern München

Der FC Bayern und die Systemfrage: Plant Nagelsmann mit Gnabry als Schienenspieler?

Dominik Hager
Wie einst in Hoffenheim: Zieht Nagelsmann Gnabry in die Fünferkette?
Wie einst in Hoffenheim: Zieht Nagelsmann Gnabry in die Fünferkette? / Julian Finney/Getty Images
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Bei der Europameisterschaft konnte Serge Gnabry in der ungewohnten Rolle als variable Sturmspitze nicht sonderlich überzeugen. Nun könnte der 25-Jährige auch im Verein zweckentfremdet werden. Grund hierfür ist der neue Bayern-Coach Julian Nagelsmann, der voraussichtlich mehrere Systeme in sein Repertoire aufnehmen möchte.


Es sollte keine große Überraschung sein, dass Julian Nagelsmann den Bayern taktisch einige neue Ideen einimpfen möchte. Am meisten diskutiert wird öffentlich derzeit über den Sinn oder Unsinn der Dreier-/Fünferkette. Der ehemalige Leipzig-Coach favorisierte das System in seiner Zeit bei Hoffenheim und bei RB Leipzig.

Der Münchner Kader und das Scheitern der DFB-Elf in genau diesem System heizt die Skepsis gegenüber der Formation allerdings an. Dennoch ist davon auszugehen, dass Julian Nagelsmann die Dreier-/Fünferkette zumindest als Alternativplan einführen wird.

Das einzige Problem dabei ist, dass im Münchner Kader kein starker, offensiv ausgerichteter Rechtsverteidiger steht. Eigentlich scheint ein Transfer unumgänglich, zumal Benjamin Pavard zu offensivschwach für die Rolle ist und Bouna Sarr noch nicht unter Beweis stellen konnte, dass er auf dem Niveau spielen kann. Allerdings verbietet der Münchner Sparkurs derzeit Transfers von Spielern, die dem Klub wirklich weiterhelfen könnten.

Wird Gnabry bei den Bayern zum Schienenspieler? "Nicht seine Parade-Position"

Julian Nagelsmann ist dafür bekannt, ein gutes Gedächtnis zu haben. Demnach erinnert er sich auch noch daran, dass er vor einigen Jahren Serge Gnabry in Hoffenheim teilweise als Schienenspieler aufgestellt hat. Der eigentliche Offensiv-Akteur machte seine Aufgabe damals sehr ordentlich. Ein Bewerbungsschreiben für weitere Einsätze auf dieser Position?

"Wenn er das jetzt im Urlaub mitkriegt, wird er vermutlich keinen Applaus klatschen. Das wäre nicht seine Parade-Position", gesteht Nagelsmann auf Nachfrage der BILD. Prinzipiell könnte sich der Trainer durchaus vorstellen, Gnabry punktuell als Schienenspieler aufzubieten.

"Es geht immer darum, zu überlegen: Wie spielen unsere Gegner? Von daher kann es eine Option sein, aber sicher nicht die Lösung für 34 Spieltage", erklärt der 33-Jährige.

Kingsley Coman, Corentin Tolisso, Leon Goretzka
Kingsley Coman und Corentin Tolisso wären weitere Optionen für Julian Nagelsmann / Alexander Hassenstein/Getty Images

Fraglich ist dann jedoch, ob es auf dieser Position überhaupt einen Kandidaten für 34 Spieltage gibt. Theoretisch könnte man noch über Kingsley Coman und Corentin Tolisso nachdenken. Ersterer hätte gegenüber Gnabry den Vorteil, dass er noch einen Ticken schneller ist und sich an der Außenlinie wohler fühlt. Zudem besitzt er nicht die Abschlussqualitäten von Gnabry, wodurch die Versetzung diesbezüglich weniger ins Gewicht fallen würde.

Allerdings sprechen zwei Dinge gegen Coman. Im Gegensatz zum deutschen Nationalspieler ist er defensiv eigentlich zu schwach für eine solche Rolle. Zudem würde dem Franzosen die Position wohl auch nicht sonderlich schmecken, was die Vertragsverhandlungen nur noch schwieriger machen dürften.

Tolisso wäre wiederum ein ganz anderer Spielertyp. Allerdings hat der Mittelfeldspieler schon gezeigt, dass er zumindest im rechten Halbfeld sehr passabel agieren kann. Nagelsmann hat bereits in Leipzig mit Adams, Laimer und Haidara bewiesen, dass er gerne zentrale Mittelfeldspieler nach außen zieht.

Viel mehr als ein interessantes Experiment wäre Tolisso aber wohl in dieser Rolle nicht. Demnach deutet alles in allem einiges darauf hin, dass die Dreier-/Fünferkette tatsächlich nur punktuell eingesetzt wird.

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