Bayern München

Erst Nagelsmann'sche Mini-Krise, jetzt Titelträger - einfach mal die Füße stillhalten

Yannik Möller
Julian Nagelsmann stemmt die erste Trophäe mit seiner Mannschaft
Julian Nagelsmann stemmt die erste Trophäe mit seiner Mannschaft / Lars Baron/Getty Images
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Vor dem Supercup wurde über den bis dato sieglosen Bayern-Trainer Julian Nagelsmann gesprochen. Jetzt wird vom ersten Titel nach nur zwei Pflichtspielen geredet. Vielleicht sollte man in der (ersten) Bewertung eines neuen Coaches einfach mal die Füße stillhalten.


Vor dem Supercup-Duell am Dienstagabend hatte man das Gefühl, Julian Nagelsmann müsse sich bereits für einen total verkorksten Saisonstart beim FC Bayern rechtfertigen. Hier und da wurde betont, dass er als neuer Trainer des deutschen Rekordmeisters noch sieglos sei. Nun stehe er vor diesem Spiel bereits etwas unter Druck, es könnte schon leicht ungemütlich werden.

Auch Markus Babbel, rund um das Spiel bei Sat.1 am Mikrofon, erklärte diese These. Dass dabei explizit die vier Vorbereitungsspiele gemeint sind und nicht nur der erste Spieltag in der Bundesliga, sorgte grundsätzlich schon für eine gewisse Fragwürdigkeit dieser Betrachtung.

Julian Nagelsmann
Julian Nagelsmann vor der vollen Bayern-Bank / Lars Baron/Getty Images

Bis zum letzten dieser vier Testspiele waren zu 90 Prozent Spieler dabei, deren Namen man im Saisonverlauf nicht einmal mehr hören wird. Dayot Upamecano war der einzige Spieler, der bereits in diesen Partien dabei war und nun als Stammspieler agieren wird. Josip Stanisic zwar auch, aber trotz seiner bislang sehr guten Leistungen wird er nicht mehr lange zur ersten Elf gehören.

Vom "Sieglos-Nagelsmann" zum ersten Titel nach zwei Pflichtspielen - und das alles in 90 Minuten

Die Bewertung dieser Testspiele wurde also im Voraus viel zu hoch gehängt. Nagelsmann trat in drei der vier Spielen mit einer U23-Elf an und holte zum Beispiel gegen Ajax Amsterdam, das in fast normaler Besetzung angetreten war, ein Unentschieden. Der "Sieglos-Nagelsmann" vor dem Supercup war ein Schreckgespenst ohne jegliche Substanz.

Das merkt man nun daran, wie er jetzt zum Teil für seinen ersten Titel im zweiten Pflichtspiel gefeiert wird. Man kann ihn nicht vorher in die erste Mini-Krise reden wollen, wenngleich damit nur die etwas ungemütlichere Stimmung an der Säbener Straße gemeint war, und anschließend den Titel-Schnellstart betonen.

Natürlich sind das zwei Fakten. Der Erfolg gegen den BVB war der erste Bayern-Sieg für und unter Nagelsmann. Genauso wie, dass das zweite Pflichtspiel den ersten Titel brachte. Doch sind diese Beobachtungen schlussendlich wertlos. Insbesondere die Thematik, die aus beiden Szenarien gedreht wurde.

Weder hing vorher der Haussegen schief, noch bricht man in München jetzt in Feierstimmung aus. Wie wäre es denn, wenn man vor allem zum Saisonstart mal die Füße stillhalten würde? Selbstverständlich kann man die Arbeit eines Trainers aus zwei, drei Spielen bewerten und analysieren. Aber derartig große Thesen aus dem gerade erst angelaufenen Saisonstart zu drehen, ist - um es vorsichtig zu formulieren - nicht gerade hilfreich.

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