Bayern München

FC Bayern 2021/22: Die Gewinner und Verlierer der bisherigen Saison

Dominik Hager
Für Niklas Süle und Lucas Hernández läuft die Saison sehr gut
Für Niklas Süle und Lucas Hernández läuft die Saison sehr gut / Sebastian Widmann/GettyImages
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Der FC Bayern ist in der Liga und in der Königsklasse in der Spur und hat große Chancen, die Saison erfolgreich abzuschließen. Trotz allem läuft die Saison nicht für jeden Münchner wirklich nach Maß. Wir blicken auf die Gewinner und die Verlierer der bisherigen Saison.


Gewinner:

Niklas Süle:

Der Innenverteidiger hat sich nach einer schwachen Saison berappelt und ist aktuell der Stabilisator in der Bayern-Abwehr. All die Diskussionen um sein Gewicht und seinen Lebensstil sind vorbei, aber nicht vergessen.

Süle nimmt es den Bayern-Verantwortlichen noch immer ein wenig übel, dass sie sich in Zeiten der Kritik nicht hinter ihn gestellt haben und wird den Verein demnach auch verlassen. Wenn er sich im Sommer Borussia Dortmund anschließt, geht er aber nicht als gescheiterter Bayern-Akteur, sondern als Leistungsträger, dessen Verlust man womöglich nicht so leicht kompensieren kann.

Seit den Abgängen von Boateng und Alaba ist es schließlich Süle, der noch am ehesten als Abwehr-Leitwolf gelten kann.

Lucas Hernández:

Das dritte Bayern-Jahr läuft für Lucas Hernández bislang definitiv am besten. Zwar waren seine Leistungen bereits im Vorjahr schon deutlich besser als zu Beginn, jedoch behielten Alaba und Boateng in der Hierarchie die Oberhand. Der Franzose hat sich nun aber als Stammspieler etabliert und wird mit seiner kompromisslosen Zweikampfführung immer wichtiger.

Seinen wichtigsten Sieg hat Hernández in dieser Saison aber vor Gericht gelandet, nachdem er aufgrund der Kontaktregel-Verletzung mit seiner heutigen Frau beinahe zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden wäre. Nun kann er sich ganz darauf konzentrieren, auch sportlich noch wichtige Siege folgen zu lassen. Der Innenverteidiger rechtfertigt zwar noch keine 80 Millionen Euro, ist aber generell auf dem richtigen Weg.

Corentin Tolisso:

Lange Zeit hat es gedauert, bis Corentin Tolisso seine Topform wiedergefunden hat. Der Franzose erreichte in den vergangenen Spielzeiten nie sein altes Level, weil ihn immer wieder Verletzungen in die Quere kamen, von denen er sich nur langsam erholte.

In der aktuellen Spielzeit hat der Mittelfeldspieler zwar schon wieder enormes Verletzungspech, hat aber endlich wieder Ausrufezeichen mit starken Leistungen setzen können. Der ehemalige Lyon-Star sprang in die Bresche, als Goretzka und Kimmich ausfielen und absolvierte wirklich gute Spiele. Ob es für ihn in München weitergeht, ist noch nicht klar. Die Tendenz spricht dagegen, jedoch konnte er den anderen Top-Adressen in Europa zeigen, dass er ein toller Spieler sein kann.

Leroy Sané:

Leroy Sané absolvierte eine grandiose Hinrunde, nachdem er im Anschluss an die EM und den Saisonstart verspottet und kritisiert wurde. Sané profitierte von einer neuen Rolle im Nagelsmann-System und von seiner neu gewonnenen Mentalität. Wettbewerbsübergreifend stehen für den Spieler inzwischen 29 Scorer-Punkte zu Buche.

Selbst wenn Sané in den letzten Wochen schwächelte und auch von Julian Nagelsmann einen Einlauf bekam, ist er definitiv ein Gewinner der Saison, nachdem es in der letzten Spielzeit für den teuren Neuzugang noch nicht nach Maß lief.

Kingsley Coman:

Das Standing von Kingsley Coman wird höher und höher. Der Franzose gilt als Bindeglied zwischen den deutschsprachigen und den französischsprachigen Spielern und wurde Medienberichten zufolge sogar in den Mannschaftsrat befördert. Zudem unterschrieb der Außenbahnspieler einen hoch dotierten neuen Vertrag und wird auch in den kommenden Jahren ein Gesicht der Mannschaft bleiben.

Coman glänzt mit seinen Dribblings und seinen Überraschungsmomenten und hat auch in der Defensive neue Qualitäten erlernt. Zwar lesen sich seine Scorer-Werte gar nicht mal so überragend, jedoch bietet der Flügelflitzer für das Münchner Spiel fast immer einen Mehrwert.

Josip Stanisic

Josip Stanisic zählte eigentlich nie zu den ganz großen Talenten im Bayern-Nachwuchs. Julian Nagelsmann sah jedoch von Beginn an viel im Rechtsverteidiger. Anstatt München zu verlassen, spielte der Youngster in den ersten Wochen der Saison plötzlich eine große Rolle.

Dabei profitierte er jedoch auch von den Verletzungen anderer Spieler und fiel in der Hierarchie schnell wieder zurück. Mit einer Corona-Erkrankung und einem Muskelbündelriss nahm seine Saison dann auch keine so schöne Wende.

Immerhin konnte Stanisic aber wettbewerbsübergreifend 13 Spiele bestreiten und sich für die kroatische Nationalmannschaft empfehlen. Am Wochenende durfte er gegen Union Berlin dann auch mal wieder in der Bundesliga ran. In Summe ist das weitaus mehr als im Vorfeld gedacht.


Verlierer:

Marcel Sabitzer:

Der Mittelfeld-Allrounder kam zu Saisonbeginn für 15 Millionen Euro aus Leipzig. Das primäre Ziel war es, den FC Bayern in der Breite hochkarätig zu verstärken. Dieser Versuch ging allerdings bislang schief. Sabitzer absolvierte zwar immerhin 26 Pflichtspiele, durfte dabei aber nur ganz selten auch von Beginn ran.

Dies hat damit zu tun, dass die Leistungen des Österreichers schlichtweg nicht gut waren. Der Spieler wirkte oft wie ein Fremdkörper und soll auch im Team nicht gut integriert sein. In den letzten Wochen ging seine Formkurve ein wenig nach oben, jedoch ist das lange noch nicht genug.

Dayot Upamecano:

Der andere Leipzig-Neuzugang schlug sich im Vergleich zu Marcel Sabitzer deutlich besser. Angesichts der 40 Millionen Euro, die der FC Bayern hingeblättert hat, kann man dennoch nicht zufrieden sein. Upamecano absolvierte viele gute Partien, auf der anderen Seite aber auch einige sehr schlechte. Insbesondere beim Pokal-Aus gegen Gladbach wusste der Spieler gar nicht mehr, wie man das Wort "Profifußball" schreibt.

Aufgrund mehrerer Schnitzer sitzt der Franzose derzeit häufig auf der Bank und muss sich das absolute Vertrauen zurückgewinnen. Upamecano kann noch immer ein großer Bayern-Spieler werden, jedoch stagniert seine Entwicklung seit einiger Zeit.

Leon Goretzka:

Leon Goretzka hatte nach der EM Probleme, körperlich in Topform zu kommen, weshalb sein Saisonstart auch eher mäßig war. Der Mittelfeldspieler steigerte sich im Verlaufe der Hinrunde, die dann allerdings ein schnelles Ende fand.

Seine Patellasehnenreizung wurde chronisch und sorgte dafür, dass Goretzka nach dem 14. Spieltag nicht mehr trainieren und spielen konnte. Der Beginn einer langen Leidenszeit, die erst nach der Länderspielpause ein Ende haben kann. Der 27-Jährige ist zurück im Training und saß gegen Union auch schon auf der Bank. Es wird auch höchste Zeit, dass der Nationalspieler seiner bisherigen Horror-Saison doch noch eine positive Wende geben kann.

Bouna Sarr:

Der Rechtsverteidiger wollte unter Julian Nagelsmann den entscheidenden Schritt nach vorne machen, hat diesen jedoch nicht geschafft. Im Gegenteil: Der Routinier spielt noch weniger als unter Flick und hat die Nase nicht mal vor Youngster Stanisic. In der Bundesliga durfte er insgesamt lediglich 59 Minuten absolvieren. Eine Bilanz, die ganz klar zeigt, dass der Bayern-Coach nicht mehr mit dem Spieler plant. Vielleicht sorgt sein guter Eindruck beim Afrika-Cup dafür, dass er bei einem anderen Verein einen ordentlichen Vertrag abschließen kann. Beim FC Bayern ist es aber nie zu einer Art Afrika-Cup-Effekt gekommen.

Tanguy Nianzou:

Nach seiner Horror-Saison 2020/21, in der Neuzugang Nianzou praktisch durchgängig fehlte, hat jeder auf einen vielversprechenden Neustart in der jetzigen Saison gerechnet.

Die Vorzeichen standen zunächst auch nicht schlecht. Zum Bundesliga-Auftakt fiel Hernández aus und Nianzou schien zudem die Nase vor Niklas Süle zu haben. Dem war aber nicht so. Nianzou musste auf der Bank Platz nehmen und kam im Verlaufe der Monate nur selten zu Einsätzen.

Julian Nagelsmann kritisierte den Youngster offen in der PK und monierte, dass der Akteur zu riskant spiele und zu viele Fehler mache. Demnach erhielt Nianzou auch erst wieder eine wirkliche Bewährungsprobe, als gegen Union Pavard und Süle fehlten. Diese konnte der Franzose zwar nutzen, jedoch deutet vieles auf eine Leihe im Sommer hin. Der Weg zum Bayern-Stammspieler ist noch immer weit.


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