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Bayern München

FC Bayern: Bouna Sarr auch im neuen Jahr hinter den Erwartungen

Florian Bajus
Nicht die erhoffte Verstärkung auf dem Rechtsverteidiger-Posten: Bouna Sarr
Nicht die erhoffte Verstärkung auf dem Rechtsverteidiger-Posten: Bouna Sarr / Alexander Hassenstein/Getty Images
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Im Montagsspiel zwischen dem FC Bayern und Arminia Bielefeld (3:3) durfte sich Bouna Sarr auf der rechten Abwehrseite des Rekordmeisters beweisen - und lieferte erneut wenig Argumente für weitere Einsätze. Die Gerüchte über das Interesse an Max Aarons sind daher wenig überraschend - gleichzeitig stellt sich allerdings die Frage, warum der 29-jährige Franzose gleich einen Vierjahresvertrag erhalten hat.

Dass der FC Bayern nur einen Punkt gegen Arminia Bielefeld gewonnen hat, lag natürlich nicht allein an Sarr. Die hohe Belastung, Verletzungen, Reisestrapazen und der Wetterumschwung haben die Aufgabe für Hansi Flick und die Seinen deutlich erschwert, zudem hat die Arminia ihre Hausaufgaben gemacht und sich als kompakt verteidigende und clever nach vorne spielende Mannschaft präsentiert, die sich dem Druck der Bayern im (Gegen-)Pressing über weite Strecken der Partie entziehen konnte und erst in der Schlussphase nachgeben musste.

Schon beim 0:1 geriet Sarr bei einigen Nutzern in den sozialen Medien in den Fokus - dabei war er nicht alleine dafür verantwortlich, dass der stark aufspielende Michel Vlap bei seiner Bundesliga-Premiere gleich sein erstes Tor erzielt hat.

Nach dem gewonnenen Kopfballduell rückte Lucas Hernandez aus der letzten Abwehrlinie raus, weshalb Bielefeld nach der Balleroberung eine Drei-gegen-zwei-Situation kreieren konnte. Während Hernandez dicht neben David Alaba stand, mussten sich Sarr und Niklas Süle beide um ihren zugeteilten Gegenspieler sowie den dritten Bielefelder kümmern - hier wäre die Unterstützung von Hernandez und oder Alaba gefragt gewesen.

Beim Bielefelder Führungstor durch Michel Vlap (Mitte) sah die gesamte letzte Linie des FC Bayern nicht gut aus
Beim Bielefelder Führungstor durch Michel Vlap (Mitte) sah die gesamte letzte Linie des FC Bayern nicht gut aus / Adam Pretty/Getty Images

Durch seinen klugen Laufweg lockte Andreas Voglsammer Sarr raus, womit die Lücke zwischen dem Rechtsverteidiger und Süle ausreichend groß war, um den Ball genau dorthin zu spielen. Während Süle im Eins-gegen-zwei stehen blieb, durfte Vlap nach der Ballannahme aufdrehen und das Spielgerät in die Maschen jagen.

Auch beim zwischenzeitlichen 0:2 war Sarr nicht in der Hauptrolle, einzig beim zwischenzeitlichen 1:3 gab er keine gute Figur ab, nachdem die Abseitsfalle aufgrund des tieferen Positionsspiels von Alphonso Davies nicht aufgegangen war und Voglsammer ohne jeglichen Druck in den Strafraum eindringen und das scharfe Zuspiel auf Christian Gebauer liefern durfte.

Erst nach Kimmichs Einwechslung wurde die rechte Offensivseite gefährlicher

Auf der anderen Seite bleibt Sarr auch im Februar den Beweis schuldig, dass er bei eigenem Ballbesitz mindestens so viel Input liefern kann wie Benjamin Pavard. Nachdem er sich in den ersten 45 Minuten im Gegensatz zu Davies etwas tiefer positionierte, schob Hansi Flick die Außenverteidiger nach dem Seitenwechsel weiter vor, um die Bielefelder Dopplung auf den Flügeln zu durchbrechen und dort häufiger in die Tiefe zu gelangen.

Mit der Einwechslung von Joshua Kimmich wurde das Spiel des FC Bayern druckvoller
Mit der Einwechslung von Joshua Kimmich wurde das Spiel des FC Bayern druckvoller / Adam Pretty/Getty Images

Während Davies in dieser Rolle aufblühte und speziell in den Halbräumen mit seinen Dribblings für Gefahr sorgte, bot Sarr zwar ein wenig Unterstützung für den in der zweiten Halbzeit stark aufspielenden Leroy Sané. Allerdings erhielten die Münchner erst nach seiner Auswechslung in Minute 58 deutlich mehr Zugriff auf der rechten Angriffsseite, weil der eingewechselte Joshua Kimmich wesentlich mehr Räume für Sané aufreißen konnte und gleichzeitig ein Aktivposten nach Ballverlusten war.

Sarrs Vertragslaufzeit ist ein Rätsel

Trotz der Problematik, dass die Sommerneuzugänge aufgrund der fehlenden Sommervorbereitung nicht richtig in die Mannschaft integriert werden konnten und ihre Leistungen daher kaum ihrem eigentlichen Niveau entsprechen können, wird von Spiel zu Spiel offensichtlicher, dass Sarr keine geeignete Alternative zu Pavard und kein Spieler mit Bayern-Niveau ist. In keiner seiner zehn Einsätze wusste er wirklich zu überzeugen, stattdessen bot er wackelige Leistungen gegen und zu harmlose Leistungen mit dem Ball.

Dass wie schon im Sommer Gerüchte über eine Verpflichtung von Max Aarons (Norwich City) aufkommen, ist diesbezüglich nicht verwunderlich. Allerdings sprechen zwei Aspekte gegen einen Transfer des 21-jährigen Engländers: Einerseits soll Norwich eine hohe Ablösesumme fordern, andererseits unterzeichnete Sarr einen Vertrag bis 2024. Der Spieler selbst könnte daher gewillt sein, es mindestens in der kommenden Saison noch einmal zu versuchen und sich ab der Vorbereitung voll reinzuhängen. Und sollten die Zeichen auf Abschied stehen, könnten interessierte Vereine vorerst auf eine Leihe zurückgreifen, um das finanzielle Risiko zu verringern.

Angesichts des Zeitpunkts der Verpflichtung wirkt Sarr wie ein Paniktransfer. Das kann durchaus mal passieren, und überhaupt kann nicht jeder Neuzugang so einschlagen wie Alphonso Davies. Aber es ist ein Rätsel, wieso sich die Bayern-Verantwortlichen darauf eingelassen haben, Sarr, der vor seiner Ankunft in München keinerlei Champions-League-Erfahrung aufzuweisen hatte, für vier Jahre zu binden. Eine Rechtfertigung bleibt bis heute aus.

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