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FC Bayern trotz Problemen mit bester Defensive: Hat die Bundesliga ein Abwehr-Problem?

Dominik Hager
Die Bayern-Abwehr hat Probleme und ist damit nicht alleine
Die Bayern-Abwehr hat Probleme und ist damit nicht alleine / Sebastian Widmann/GettyImages
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Der FC Bayern hat auch unter Julian Nagelsmann die Schwächen ganz klar in der Defensive. 28 Gegentore in 26 Spielen sind weit von den Zahlen entfernt, die der FC Bayern unter Guardiola und Heynckes vorzuweisen hatte. Doch das Defensiv-Problem betrifft weitaus nicht nur die Bayern, sondern scheint ein generell weit verbreitetes Phänomen in der Bundesliga zu sein.


Von der alten defensiven Souveränität ist beim FC Bayern wenig übrig geblieben. Immer wieder gibt es einen offenen Schlagabtausch anstelle eines kontrollierten Spiels zu sehen. Die Bayern-Abwehr um Upamecano, Süle, Pavard und Hernández hat ihre liebe Mühe und scheint mit der offensiven Taktik unter Nagelsmann nicht glücklich zu sein.

In der gesamten Saison 2015/16 fingen sich die Münchner lediglich 17 Gegentore (0,5 pro Spiel) ein. Ein wirklicher Ausreißer war dieser Wert nicht. Unter Heynckes und Guardiola war es ganz normal, dass die Münchner nur um die 20 Gegentore kassierten. Erst unter Niko Kovac deutete sich ein Abwärtstrend an, der unter Hansi Flick sogar noch dramatischer wurde. In der Saison 2020/21 musste der FCB 44-mal hinter sich greifen und war damit schlechter als Leipzig, Wolfsburg, Union Berlin und Bayer 04 Leverkusen.

Bayern das defensivstärkste Bundesliga-Team: Hat die Liga ein Abwehr-Problem?

Zumindest diese Blöße gibt sich der FC Bayern unter Nagelsmann derzeit nicht mehr. 28 Gegentore in 26 Spielen ist derzeit der Bestwert, was aber auch bedeutet, dass nicht nur die Münchner, sondern auch zahlreiche andere Teams so ihre liebe Mühe haben.

In keiner anderen europäischen Top-Liga wären die Münchner mit ihrer Defensivleistung das Nonplusultra.

Die Grafik zeigt ganz klar, dass die anderen Defensiv-Bollwerke in den Top-5-Ligen wesentlich effektiver funktionieren. Sevilla, Nizza, Manchester City und Neapel weisen allesamt Zahlen von um die 20 Gegentore auf.

Das Phänomen betrifft allerdings nicht nur einzelne Klubs, sondern die komplette Liga. Die Bundesliga-Teams fingen sich in der laufenden Spielzeit 1,58 Gegentore pro Spiel ein. Damit liegt man deutlich über dem Wert der Serie A (1,45), die ihrem Ruf als eher defensiv-geprägte Liga nicht unbedingt nachkommt. La Liga, Ligue 1 und die Premier League haben allesamt einen noch größeren Abstand bis zur Bundesliga.

Gegentorflut in der Liga: Eine Frage der Taktik

Gründe dafür gibt es natürlich einige. Bei den Top-Teams FC Bayern und Borussia Dortmund liegt der Fokus ganz klar auf der Offensive. Leverkusen und Leipzig gelten auch eher als spielstarke Mannschaften und weniger als Defensiv-Team.

Zudem gibt es auch nur wenige Mannschaften, die sich hinten rein stellen und nur aufs Zerstören ausgerichtet sind. Klubs wie Bielefeld und Augsburg sind am ehesten noch mit einer defensiven Taktik in Verbindung zu bringen. Auf der anderen Seite ziehen die Schießbuden Hertha BSC und Greuther Fürth die Statistik wieder nach unten.

Die hohe Gegentor-Rate liegt aber sicherlich nicht daran, dass in der Bundesliga individuell schwache Verteidiger auflaufen, sondern schlichtweg an den Taktiken der Teams. Spiele, in denen ein Team den Bus vor dem Tor parkt, wie es bei Welt- und Europameisterschaften häufig der Fall ist, sieht man fast gar nicht. Selbst gegen den FC Bayern und Borussia Dortmund agieren die Gegner inzwischen nicht mehr so passiv, weil sie wissen, dass die Klubs in der Defensive verwundbar sind.

Bundesliga sorgt für Spektakel: Leidet der internationale Erfolg unter den Offensiv-Taktiken?

Eigentlich kann die Bundesliga froh darüber sein, in dieser unrühmlichen Statistik zu führen. Diese besagt ja schließlich auch, dass in der Bundesliga die meisten Tore geschossen werden, was auf Spektakel und Risikobereitschaft hinweist. An Attraktivität kann sie somit durchaus gewinnen.

Im europäischen Vergleich muss man trotzdem in Zweifel stellen, ob die offensiven Spielweisen das Wahre sind. Insbesondere der BVB hat international ordentlich die Bude voll geschossen bekommen und auch Leipzig sah in einigen Spielen defensiv nicht gut aus. Zuletzt hat sich auch Leverkusen gegen Atalanta drei Gegentore eingefangen.

Womöglich gewinnt man eben doch noch überwiegend durch die Defensive Titel. Denken wir nur an Otto Rehhagel und seine Griechen. Dieses wenig schöne, aber mitunter erfolgreiche Mittel, scheint ein wenig verpönt zu sein.


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