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Abwehrsorgen beim FC Bayern: Wie Nagelsmann sie jetzt lösen kann

Simon Zimmermann
Dayot Upamecano war erneut ein Unsicherheitsfaktor
Dayot Upamecano war erneut ein Unsicherheitsfaktor / Joosep Martinson/GettyImages
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Nach der Blamage von Bochum stellt man sich in München einige Fragen: Hat die Mannschaft ein Mentalitätsproblem? Reicht die Qualität in der Defensive? Vor allem Königstransfer Dayot Upamecano bereitet Kopfzerbrechen. Doch Nagelsmann sollte kurz- und mittelfristige Lösungen parat haben.


Dass der VfL Bochum an diesem Samstagnachmittag zwei Traumtore erzielte, die so sicher nicht alle Tage fallen - geschenkt. Dass der Aufsteiger gerade anne Castroper ein äußerst unangenehmer Gegner ist - auch geschenkt. Schließlich ist es der Anspruch des FC Bayern, einen solchen Gegner zu beherrschen und ihn auch zu schlagen.

Die 2:4-Pleite in Bochum nahm man beim Rekordmeister vielmehr zum Anlass, das eigene Tun zu hinterfragen. Für Joshua Kimmich war die Einstellung zum Spiel der Hauptgrund für den blamablen Auftritt. Kimmich sprach bei seiner Kritik deutlich aus, dass dies schon zu häufig passiert sei. Ein Fakt, den man beim FC Bayern nicht hinnehmen könne.

Trainer Julian Nagelsmann und dessen Taktik nahm Kimmich dabei betont raus aus der Verantwortung. Nagelsmann selbst tat das nicht. Die Umstellung von einer Dreier- auf eine Viererabwehrkette sei im Nachhinein nicht optimal gewesen, fasste sich der FCB-Coach auch an die eigene Nase.

Die Bayern hinterfragen sich

Doch egal, welche Punkte in der Fehleranalyse man in den Fokus rückt, die Sorgenfalten auf den Stirnen des Rekordmeisters waren unübersehbar. Und sie dürften auch auf den Häuptern vieler Fans deutlich erkenntlich sein.

Hat der FC Bayern ein Mentalitätsproblem? Ist die Defensive einfach nicht stabil und gut genug für die hohen Ansprüche? Und muss man Dayot Upamecano schon als Fehlgriff bezeichnen?

Fragen, die sich viele Anhänger stellen dürften und die schon direkt im Anschluss medial diskutiert wurden. In gewisser Weise sind sie auch eine Folge vom Schwarz-Weiß-Denken, das in der Betrachtung von Fußballspielen vorherrscht. Rund um den FC Bayern sowieso.

Kein Mentalitätsproblem!

Denn: dass die Bayern ein Mentalitätsproblem haben sollen, kann man nach kurzem Nachdenken getrost über Bord werfen. Jene Bayern, die ein Abo auf die Deutsche Meisterschaft besitzen, die 2020 das Sextuple geholt haben und in den wichtigen Spielen meist auf den Punkt da sind. Jene Bayern, auf die - gerade aus einer Stadt, ganz in der Nähe von Bochum - in Sachen Mentalität immer neidisch geschielt wird.

Ja, der miese Auftritt in Bochum war sicherlich auch der mangelnden Einstellung geschuldet. Kimmich meinte im Anschluss, er sei froh, dass es "nur die Bundesliga" war. Und traf damit - ob gewollt oder ungewollt - den Nagel auf den Kopf. Der Rekordmeister wird in der Liga einfach nicht gefordert. Die Meisterschaft verkommt zum Selbstläufer. Solche Ausrutscher sind demnach zwar bitter und ärgerlich. Irgendwo sind sie aber auch menschlich.

Ein Abwehr-Problem?

Viel mehr Sorgen machen sollte man sich in München um die Defensive. Und auch hier können wir uns wieder etwas schenken: Und zwar, dass man sich mit der Nicht-Verlängerung mit Süle selbst eine Baustelle noch größer aufgerissen hat.

Denn aktuell ist Süle ja noch da. Und auch Süle hatte in Bochum einen Nachmittag von der gebrauchteren Sorte. Noch gebrauchter war allerdings der von Dayot Upamecano. Jener Verteidiger, der im Sommer als Königstransfer für über 40 Millionen Euro aus Leipzig kam.

Dort entwickelte er sich unter Nagelsmann zu einem überragenden Innenverteidiger, dessen Potenzial schier grenzenlos erscheint. In München legte der 23-Jährige auch schon richtig starke Auftritte hin. Viel zu häufig aber gibt sich der Franzose wankelmütig und fehleranfällig. Zu Jahresbeginn zeigt sich das mehr als deutlich. Nach seiner Einwechslung in Berlin verschuldete er einen Gegentreffer. Gegen Leipzig durfte er auch nur kurz ran. Und in Bochum folgte der nächste haarsträubende Auftritt.

Upamecano ist derzeit meilenweit von seiner Bestform entfernt, was zu einem großen Teil auch am mangelndem Selbstvertrauen liegen dürfte. Doch anders als in Leipzig hat man in München weder den Luxus noch die Zeit, sich aus dem eigenen Loch über mehrere Spiele hinweg wieder rauskämpfen zu können.

Wie Nagelsmann das Upamecano-Problem kurzfristig lösen kann

Und die darf ihm Nagelsmann in der derzeitigen Situation ehrlicherweise auch nicht geben. Vielmehr läuft alles darauf zurück, dass die Bayern vorerst wieder mit einer Dreierkette agieren werden. Dort werden dann Pavard, Süle und Hernandez gesetzt sein.

Während Upamecano und auch Landsmann Tanguy Nianzou angezählt sind, bleibt Nagelsmann mit seinem aktuellen Aufgebot nicht viel mehr übrig.

Julian Nagelsmann
Julian Nagelsmann muss Upamecano langsam wieder aufbauen / Alexander Hassenstein/GettyImages

Dass die Dreierkette mit einem Offensivspieler mehr davor einige Vorteile bringt, hatte man zuletzt gesehen. Für die kurzfristigen Ziele, vor allem für das CL-Achtelfinale gegen Salzburg, scheint diese Formation alternativlos zu sein.

Ende der Abwehr-Sorgen? Die Antwort heißt Phonzie

Mittelfristig kann Nagelsmann durchaus wieder auf die Viererkette zurückgreifen. Nämlich spätestens dann, wenn Alphonso Davies wieder zur Verfügung steht. Der Kanadier erholt sich gut von seinen Herz-Problemen und könnte vielleicht schon im März wieder eingreifen.

Dann kann Davies wieder seine Hybridrolle als Außenverteidiger und -stürmer einnehmen und Nagelsmann in gewisser Weise das Beste aus beiden "Systemwelten" liefern.

Bei allem verständlichen Verdruss über die Pleite von Bochum, braucht man in München also keinesfalls in den Panik-Modus verfallen. Die Bayern sind und bleiben eines der besten Teams der Welt. Und werden auch in der Champions League große Titelchancen haben.


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