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FC Barcelona

FC Barcelona: Ronald Koeman - und das fehlende Vertrauen!

Guido Müller
Hat weiterhin einen schweren Stand beim FC Barcelona: Ronald Koeman
Hat weiterhin einen schweren Stand beim FC Barcelona: Ronald Koeman / David Ramos/Getty Images
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Es gibt bisweilen "Angebote", die diesen Namen nicht verdienen - ganz einfach deshalb, weil in ihnen mehr Ablehnung gegenüber dem Empfänger durchschimmert als Anerkennung. Denn wirklich geliebt kann sich Ronald Koeman beim FC Barcelona zur Zeit eigentlich nicht fühlen, wenn man auf die jüngste Offerte des Klubs schaut.


Wie die barça-nahe Mundo Deportivo berichtet, hat der FC Barcelona seinem holländischen Trainer ein Angebot zur vorzeitigen Vertragsverlängerung (das aktuelle Arbeitspapier läuft im Sommer nächsten Jahres aus) vorgelegt, aus dem aus allen Poren jede Menge Misstrauen und nur sehr wenig Wertschätzung strömt.

Fragwürdige Bedingungen

So soll der 58-Jährige nämlich gewisse "Bedingungen" akzeptieren. Die vielleicht noch am ehesten nachzuvollziehende ist die Erringung gewisser sportlicher Ergebnisse. Das ist jetzt nichts wirklich Neues: erfolglose Trainer haben schließlich bei allen Klubs der Welt eine kurze Verweildauer. Bei dem einen länger, bei dem anderen kürzer.

Bei so manchem Klub reichen selbst errungene Trophäen nicht, um die Macher in der Vorstandsetage zu einer Anerkennung in Form eines neuen Vertrages zu bewegen. Man erinnere sich: immerhin hat Koeman in seiner ersten Saison als Cheftrainer der Blaugrana den spanischen Pokal gewonnen.

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Laporta und Koeman freuen sich über den Pokal - doch der zählt in Can Barça nicht viel / CRISTINA QUICLER/Getty Images

Doch wenn man insgeheim noch den guten, alten Zeiten mit Dauer-Abo in den Schlussrunden der Champions League nachtrauert, kann einem ein schnöder nationaler Pokal natürlich nicht gefallen...

Die zweite "Bedingung" ist da schon um einiges bemerkenswerter. Denn sie kommt einer Enteierung des Trainers gleich: er soll nämlich mit einem ganz bestimmten System (ok, kann man noch so gerade vermitteln!) - aber auch mit bestimmten Spielern (!) arbeiten.

Und zwar genau mit den vom Trainer eigentlich Aussortierten. Wie die Nachwuchshoffnung Riqui Puig - oder der dauerverletzte Millionen-Flop Samuel Umtiti.

Riqui Puig
Koeman ist kein Fan von ihm - der Klub schon: Riqui Puig / Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images

Zu ersterem hat sich Koeman seit seiner Ankunft vor einem Jahr schon einige Male geäußert - und sich dabei nicht unbedingt als großer Fan des Eigengewächses geoutet.

Doch vor allem die Personalie des Franzosen birgt Zündstoff. Denn den Weltmeister von 2018 hätte Koeman lieber heute als morgen außerhalb des Klubs gesehen. Bis vor kurzem schien dies auch die Denkweise seiner Vorgesetzten zu sein.

Am 4. Juli jedenfalls hieß es noch: Ein Verkauf scheint die beste Option zu sein. Doch dann, wenige Wochen später, trafen sich Präsident Joan Laporta, Geschäftsführer Mateu Almany und Klub-Vize Rafael Yuste mit dem Spieler - und ein Verkauf war auf einmal, ruckzuck, vom Tisch. Ronald Koeman, übernehmen Sie, bitte!

Samuel Umtiti
Mit ihm soll Koeman, gegen seinen Willen, arbeiten: Samuel Umtiti / David Ramos/Getty Images

Gummi-Paragraph "Bild der Mannschaft"

Und dann gibt es in dem ganzen Konstrukt auch noch so was wie einen Gummi-Paragraphen. Beliebig dehnbar - in die eine oder in die andere Richtung. Denn wie definiert man bitte "das Bild", das die Mannschaft abgibt?

Sind da extra-sportliche Aktivitäten wie Inkursionen in das berüchtigte Nachtleben Barcelonas mit inbegriffen? Oder geht es nur um die Wahrheit auf dem Platz? Ist ein 2:2 nach 0:2-Rückstand zuhause gegen Real Valladolid oder Deportivo Alavés nun ein "gutes Bild" (immerhin gab es ja eine Reaktion) oder überwiegt dann doch der negative Eindruck zweier verlorener Punkte?

Wahrscheinlich würde es ganz nach Gusto - und konjunktureller Lage interpretiert. Das ist schließlich immer der Vorteil desjenigen, der die Regeln aufstellt.

Nächste Demütigung für Koeman

Wie Koeman diese vergiftete Offerte aufgenommen hat, ist bislang nicht überliefert. Nach den Präzedenzfällen der Vergangenheit könnte sie sich aber als der Tropfen erweisen, der das Fass am Ende zum Überlaufen bringt.

Denn angezählt war Koeman eigentlich von Beginn an. Von der Vorgänger-Führung geholt, sah der neue Klub-Chef Joan Laporta nach seinem Amtsantritt im März im Holländer die Person, an der es galt, sich abzuarbeiten. Sich zu profilieren. Der Name Xavi Hernandez flog während dieser Zeit beständig durch die Korridore der Führungsetage.

Unvergessen Laportas "Bitte" an den Niederländer, fünfzehn Tage lang mal die Füße still zu halten - falls er doch noch einen besseren Trainer findet. Hat er am Ende nicht - und Koeman blieb, durch Laportas Gnade, weiterhin im Amt.

Doch wie muss sich ein Trainer fühlen, dem sowenig Vertrauen entgegengebracht wird? Und wie, fast noch wichtiger, reagiert die Mannschaft auf einen zur lame duck gemachten Chef? Die kommenden Wochen und Monate werden es zeigen. Ruhe dürfte jedoch unter solchen Umständen kaum einkehren. Aber damit kennen sie sich ja mittlerweile schon ganz gut aus beim FC Barcelona.

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