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EM 2020

Heißer Tanz in Kopenhagen: Spanien schlägt Kroatien nach Verlängerung mit 5:3

Guido Müller
Jubelnde Spanier nach einem dramatischen Achtelfinal-Sieg gegen Kroatien
Jubelnde Spanier nach einem dramatischen Achtelfinal-Sieg gegen Kroatien / Friedemann Vogel - Pool/Getty Images
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Im bisher torreichsten Spiel dieser Europameisterschaft (und dem zweittorreichsten der EM-Historie) hat sich Spanien mit 5:3 nach Verlängerung gegen tapfere Kroaten durchgesetzt. Matchwinner wurde am Ende ein eingewechselter Leipziger.


Spanien übernahm wie erwartet frühzeitig die Initiative und hatte durch Sarabia (13.) und vor allem Koke (16.) bereits in der Anfangsphase gute Gelegenheiten, in Führung zu gehen.

Als schließlich Morata mit seinem Kopfball aus kurzer Distanz an Livakovic scheiterte, schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Spanier in Führung gehen sollten.

Doch es kam anders. Und es war fast eine Parallele zum deutschen Vorrunden-Spiel gegen Portugal. Statt verdient in Führung zu liegen, mussten die Spanier in der 20. Minute sogar den völlig überraschenden Rückstand verkraften.

Einen Rückpass von Pedri wusste Schlussmann Simón nicht zu verarbeiten - und der Ball rollte zum Entsetzten der spanischen Fans ins verwaiste Tor.

Unai Simon
Die Einsamkeit des Torwarts nach einem kapitalen Fehler: Unai Simón nach seinem Bock, der zum 1:0 der Kroaten führte / Wolfgang Rattay - Pool/Getty Images

In den unmittelbar folgenden Minuten schienen die Kroaten zu merken, dass ihr Gegner angeknockt war. Vlasic (ans Außennetz) in der 25. und Kovacic nur eine Zeigerumdrehung später hätten in dieser Phase die glückliche Führung sogar ausbauen können.

Doch die Spanier fingen sich wieder - und kamen durch PSG-Mann Sarabia zum hochverdienten Ausgleich. Mit dem 1:1 ging es in die Pause.

Aus der die Spanier wacher als die Kroaten kamen. Zunächst verpasste Sarabia nach einer Torres-Flanke die Führung (52.), doch dann nahm sich César Azpilicueta ein Herz. Aus der eigenen Hälfte stieß er unbedrängt nach vorn.

Über Pedri kam das Leder zu Torres, der von links millimetergenau ins Zentrum flankte - und stand schon wieder Azpilicueta und netzte per Kopf wuchtig ein (57.).

Jetzt waren wieder die Kroaten gefordert, die mit einem Rebic-Schüsschen antworteten. Klarer war da schon die Chance des Neu-Leipzigers Gvardiol, dessen Schuss aus kurzer Entfernung Simón jedoch mit einem Klasse-Reflex abwehren konnte (67.).

In der 77. Minute schien Spanien dann den Sack endgültig zuzumachen. Pau Torres führte einen Freistoß in der eigenen Hälfte schnell aus und schlug einen langen Diagonalball auf Torres. Der ließ Gvardiol schlecht aussehen und konnte allein auf Livakovic zulaufen. Ein cooler Tunnel durch die Beine - 3:1 für Spanien.

Die Entscheidung? Mitnichten! Denn statt durch den eingewechselten Dani Olmo, der in der 84. frei vor Livakovic auftauchte, alles klar zu machen, ließen die Spanier die Kroaten im Spiel. Und die bedankten sich durch zwei späte Tore von Orsic (85.) und Prasanic (92.).

Unglaublich: binnen fünfzehn Minuten hatten die Kroaten den Zwei-Tore-Rückstand aufgeholt und doch noch die Verlängerung erzwungen.

Olmo wird mit zwei Assists in der Verlängerung zum Matchwinner

In der es munter weiter ging. Orsic (92.) und Kramaric (96.) hätten dem Spiel eine abermalige Wendung geben können. Doch dann kamen die großen Minuten von Dani Olmo.

Zunächst servierte er in der 100. maßgenau für Morata, der das dann allerdings auch stark machte: Ballverarbeitung und Abschluss in einer flüssigen Bewegung, humorloser Schuss unter die Latte. 4:3 für die Spanier.

Die sich nun nicht noch mal übertölpeln ließen und nur drei Minuten später durch den ebenfalls eingewechselten Oyarzabal den Deckel drauf machten. Erneut hatte Olmo von rechts geflankt.

Der Leipziger hatte in der Schlussminute sogar noch das 6:3 auf dem Fuß - scheiterte aber am Pfosten. Ihm konnte es egal sein. Wenige Minuten später feierte er mit seinen Teamkollegen den verdienten, aber hart umkämpften Einzug ins EM-Viertelfinale.

Erwähntes zweittorreichstes EM-Spiel aller Zeiten war übrigens ein 4:5 Frankreichs gegen Jugoslawien im Halbfinale des Turniers von 1960. Balkanische Beteiligung scheint also für Tor-Rekorde vonnöten zu sein...

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