Elfmeterkillerin Grohs: Bayern steht mit Sieg über Frankfurt im DFB-Pokalfinale

Der FC Bayern München folgt dem VfL Wolfsburg ins Finale des DFB-Pokals. Die Müncherinnen schlugen die Adlerträgerinnen in einer knappen Partie mit 4:2 nach Elfmeterschießen.

Schuss ins Glück - Pernille Harder versenkte den entscheidenden Elfmeter zum Bayern-Sieg
Schuss ins Glück - Pernille Harder versenkte den entscheidenden Elfmeter zum Bayern-Sieg / Jasmin Walter/GettyImages
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Der FC Bayern München steht zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte im Finale um den DFB-Pokal. Die Münchnerinnen setzten sich mit 4:2 nach Elfmeterschießen durch, bei dem Matchwinnerin Mala Grohs drei von vier Schüsse halten konnte, und werden in Köln auf Titelverteidiger Wolfsburg treffen.

Die Begegnung zwischen zwei der besten Mannschaften Deutschlands erwies sich bereits in Hälfte eins als würdiges Halbfinale auf Augenhöhe. Die Bayern starteten mit etwas Glück durch einen verwandelten Handelfmeter von Georgia Stanway. Doch das beeindruckte die Eintracht nicht, die ihre anschließenden Offensivbemühungen mit einem Traumtor durch Géraldine Reuteler belohnte. Die Intensität bliebt auch im zweiten Durchgang hoch, trotzdem gelang keiner Mannschaft der Lucky Punch, wodurch es in die Verlängerung und dann sogar ins Elfmeterschießen ging. Hier zeigte Bayern-Torhüterin Mala Grohs ihre ganze Klasse, als sie drei Schüsse hielt und somit erheblichen Anteil am Sieg ihres Teams hatte.

Jovana Damnjanovic, Verena Hanshaw
Bayerns Jovana Damnjanovic im Duell mit Verena Hanshaw von der Eintracht / Jasmin Walter/GettyImages

Neben den Langzeitverletzten mussten die Münchnerinnen im zentralen Mittelfeld auf Taktgeberin Sarah Zadrazil verzichten, die aufgrund eines Muskelfaserrisses fehlte. Ihren Platz in der Startelf nahm die schottische Nationalspielerin Sam Kerr ein. Hingegen schickte Eintracht-Trainer Niko Arnautis eine unveränderte erste Elf nach dem 2:0-Ligasieg gegen Werder Bremen auf den Platz.

Die Bayern gingen nach dem erfolgreichen Spitzenspiel gegen Wolfsburg in Topform in das Spiel. In dieser Spielzeit waren die Münchnerinnen sowohl im Pokal als auch in der Frauen-Bundesliga bisher ungeschlagen. Da sich beide Mannschaften in diesem Jahr zwei Mal in der Liga mit knappen Ergbnissen (1:1, 2:1) getrennt hatten, konnte man bereits im Voraus eine enge Partie erwarten.

Elfmeter und Traumtor in erster Hälfte

Es ging gleich ereignisreich los. Nicht einmal drei Minute nach Anpfiff erfolgte die erste strittige Entscheidung der Partie. Bei einem Angriff über Jovana Damnjanović landete deren Flanke am Arm von Verteidigerin Sara Doorsoun. Nachdem Schiedsrichterin Riem Hussein zunächt auf Eckstoß entschieden hatte, änderte sie die Entscheidung nach kurzer Absprache auf Elfmeter. Eine Aufgabe für Georgia Stanway, die das Leder entschlossen zur 1:0-Führung versenkte (4.).

Georgia Stanway
Die Bayern durften im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Frankfurt zuerst jubeln / Jasmin Walter/GettyImages

Trotz der frühen Führung konnten sich die Münchnerinnen nicht auf dem Erfolg ausruhen, denn die Eintracht ließ sich davon nicht beeindrucken und wurde wie gewohnt vor allem durch schnelle Konterangriffe gefährlich. Auf diese Weise kam auch die erste vielversprechende Chance zustande. Nicole Anyomi verwertete einen etwas zu ungenauen Pass in die Tiefe, indem sie das Spielgerät aus spitzem Winkel gefährlich nah Richtung Tor brachte, aber am linken Pfosten vorbei verzog.

Nicht lange und die Offensivbemühungen der Adlerträgerinnen wurden belohnt. Nach einer Flanke von Barbara Dunst gelang es Bayern-Verteidigerin Linda Sembrant zunächst noch, den Ball per Kopf aus dem Sechzehner zu klären. Allerdings landete das Spielgerät bei der vollkommen freistehenden Reuteler, die das Leder perfekt traf und unhaltbar für FCB-Torhüterin Grohs verwandelte (18.). Dadurch war die Partie wieder komplett offen und die Zeichen standen ganz auf einem direkten Schlagabtausch.

Geraldine Reuteler
Géraldine Reuteler erzielte den so wichtigen Ausgleich für die Eintracht per Traumtor / Jasmin Walter/GettyImages

Wie auf dem Spielfeld so gab es auch daneben ein Duell der musikalischen Art zwischen beiden Fanlagern. Mal hieß es "Auf geht's Bayern, kämpfen und siegen", gefolgt von "Schwarz, Weiß, Rot, SGE Eintracht Frankfurt"-Rufen begleitet von Trommeln. Unter den Anfeuerungsrufen schalteten die Münchnerinnen noch einmal einen Gang hoch und kamen zu einer weiteren Großchance durch Damnjanović, die aus kurzer Distanz über das Tor von Stina Johannes hinweg köpfte. Getrübt wurde die Stimmung kurz vor der Halbzeitpause durch eine Knieverletzung von FCB-Linksverteidigerin Katharina Naschenweng, die anschließend von Magdalena Eriksson ersetzt wurde.

Physischer Schlagabtausch im zweiten Durchgang

Hälfte zwei begann verhältnismäßig ruhig. Zwar blieb die Intensität weiter bei beiden Mannschaften hoch, doch die Torszenen ließen zunächst noch auf sich warten. Zwei Mal war es Giulia Gwinn, die den Adlerträgerinnen gefährlich wurde, zuerst per Direktabnahme, dann mit einer verunglückten Flanke. Die Antwort von Frankfurt kam mit kleiner Verzögerung über Lara Prašnikar. Die slowenische Nationalspielerin wurde gekonnt im gegnerischen Strafraum in Szene gesetzt, scheiterte dann allerdings aus kurzer Distanz an Grohs, die mit einer Glanzparade klärte. Mit der Zeit wurde die Partie immer zerfahrener und physisch anspruchsvoller, auf beiden Seiten leistete man sich leichte Fehlpässe und versuchte gleichzeitig, nicht zu viel Risiko nach vorne einzugehen. Nach 79 Minuten musste auch Eintrachts Sophia Kleinherne verletzt vom Platz, ihre Rolle nahm im Anschluss Virginia Kirchberger ein.

Beide Trainer brachten für die Schlussminuten noch einmal frisches Personal. Arnautis wechelte Shekiera Martinez für die Offensive ein, bei Bayern standen mittlerweile Sydney Lohmann, Linda Dallmann und Tuva Hansen auf dem Platz. Die letzten guten Aktionen der regulären Spielzeit galten den Frankfurterinnen: Erst war es Laura Freigang, die sich vor dem Tor positionieren konnte und dann vorbeischoss, dann die einlaufende Martinez, welche eine Sekunde zu spät gegen Grohs kam. Das bedeutete 30 Minuten extra Nervenkitzel.

Maria-Luisa Grohs
Mala Grohs fischt eine Frankfurter Flanke aus der Luft / Jasmin Walter/GettyImages

Drama im Elfmeterschießen: Match Winnerin Mala Grohs

Die Münchnerinnen starteten offensiv in die Nachspielzeit mit einer Doppelchance. An einen Distanzschuss von Lohmann bekam Johannes gerade noch so die Fingerspitzen dran und auch die nachfolgenden Ecke rauschte knapp am Kasten der Eintracht-Schlussfrau vorbei. Eine erste Duftmarke Richtung Bayern-Tor setzte Dunst, auch hier ohne Erfolg aus der zweiten Reihe. Wieder kam es zu keinem weiteren Treffer, der Sieger musste also im Elfmeterschießen ermittelt werden.

Freigang startete für Frankfurt mit dem ersten Schuss, den Grohs halten konnte. Es folgte Stanway, die ihren zweiten Elfmeter des Tages diese Mal an den Pfosten setzte. Als nächstes kam Reuteler mit dem insgesamt dritten Fehlschuss durch Glanzparade der Bayern-Keeperin. Der erste Treffer gelang schließlich Lohmann, gefolgt von noch einer Parade von Grohs. Auch Eriksson traf für den FCB, genauso wie Dunst für die Eintracht zum zwischenzeitlichen 3:2. Alles klar machte schließlich Harder mit dem entscheidenden Elfmeter zum 4:2-Endstand, mit dem sie ihr Team Richtung Köln schoss.


Das Finale des DFB-Pokals findet am 9. Mai im Kölner Rhein-Energie-Stadion statt (ab 16:00 Uhr), wo der FC Bayern erneut auf den VfL Wolfsburg treffen wird, der seinen zehnten Titel in Folge holen will.