Eintracht Frankfurt

Wegen Kostic-Streik: Glasner plädiert für Ausstiegsklauseln

Jan Kupitz
Oliver Glasner plädiert für Ausstiegsklauseln
Oliver Glasner plädiert für Ausstiegsklauseln / Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
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Die letzten Tage der abgelaufenen Transferperiode wurden bei Eintracht Frankfurt durch den Streik von Filip Kostic noch einmal wild. Um solche Ereignisse in Zukunft zu verhindern, plädiert Oliver Glasner für Ausstiegsklauseln.


Unter Fußballfans sind Ausstiegsklauseln zum größten Teil verpönt. Lässt sich ein Spieler bei seinem Wechsel oder einer Verlängerung solch eine Option in sein Arbeitspapier einbauen, wertet das die Anhängerschaft gerne als Zeichen dafür, dass der Akteur zeitnah wechseln wolle und den aktuellen Verein nur als Sprungbrett für die nächste Stufe sehe.

Diese Ansicht kann man sicherlich so vertreten - geht es nach Oliver Glasner, haben Ausstiegsklauseln aber auch etwas Gutes. Seiner Meinung nach könnten die Klauseln dafür sorgen, dass die mittlerweile immer häufiger vorkommenden Streiks in der Fußballwelt keine Überhand nehmen.

Konkret macht der SGE-Coach seinen Vorschlag am Beispiel Filip Kostic fest, der sich in den letzten Tagen des Transferfensters zu Lazio Rom streiken wollte und damit für eine Menge Unruhe bei der Eintracht gesorgt hatte.

"Wahrscheinlich ist eine Ausstiegsklausel bei Spielern sogar gut, weil es dann keine Thematik wie jetzt bei Filip gibt. Ist der Preis festgelegt, kann kein Spieler sagen: Hey, ich will, dass ihr mich billiger gehen lasst", beschreibt Glasner im Interview mit dem kicker und erläutert, dass solch eine Klausel "für völlige Transparenz" sorge.

"Ein Beispiel: Wenn es bei einem Spieler eine Ausstiegsklausel über 25 Millionen Euro gäbe, wäre er doch nie angefressen, wenn wir ihn nicht für 10 Millionen verkaufen würden. Einigt man sich mit dem anderen Klub bei 20 Millionen, ist es sogar 'harmonischer', weil du freiwillig um fünf Millionen heruntergegangen bist", führt Glasner aus. "Jetzt ist die Situation so, dass es keine Ausstiegsklausel gibt und der Spieler angefressen ist, weil wir ihn nicht für acht oder zehn Millionen gehen lassen."

Filip Kostic
Filip Kostic wollte die SGE verlassen / Pool/Getty Images

Betrachtet man die Ausstiegsklauseln von dieser Seite, ergeben Glasners Ausführungen durchaus Sinn, schließlich muss man den zunehmenden Streiks aus dem Spielerlager irgendwie Einhalt gebieten. In der Bundesliga gab es in diesem Sommer neben Kostic auch Kevin Danso oder Marco Friedl, die plötzlich nicht mehr für ihre Klubs spielen wollten, weil sie einen Transfer angestrebt hatten.

Lösen Ausstiegsklauseln das Problem wirklich?

Doch es muss die Frage erlaubt sein, ob die Ausstiegsklauseln das Problem nicht einfach nur verlagern würden? Dann gäbe es zwischen Spielern und Vereine keine Meinungsverschiedenheiten mehr über die Ablösesumme, sondern darüber, bei welcher Höhe die Ausstiegsklausel festgelegt wird.

Das Beispiel Erling Haaland zeigt zudem, wie gefährlich die Klauseln für Verein werden können.

Statt für den Norweger 150, 170 oder 200 Millionen Euro einzunehmen, wird der BVB im Sommer 2022 wohl gezwungen sein, Haaland für eine deutlich niedrigere Ablöse abzugeben. Dem Vernehmen nach soll er eine Klausel zwischen 75 und 90 Millionen Euro besitzen. Dadurch droht der Borussia zwar kein Streik von Haalands Seite, dafür aber eine Ablöse, die weit unter seinem Marktwert liegt.

Dieser Ausgang kann natürlich auch nicht Vater des Gedankens von Oliver Glasner sein. Ganz abgesehen davon, dass die Klauseln am Ende des Tages wohl zu noch mehr Spielerwechseln führen würden, was im ohnehin rasanten Karussell der Fußballwelt zu noch weniger Identifikation der Stars auf dem grünen Rasen führen würde.

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