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Zu wenig Talente, zu wenig Spielzeit: Bierhoff skizziert (mal wieder) düstere Prognosen für deutschen Nachwuchs

Dominik Hager
Oliver Bierhoff ist nicht überzeugt von der deutschen Nachwuchsarbeit
Oliver Bierhoff ist nicht überzeugt von der deutschen Nachwuchsarbeit / Alex Grimm/GettyImages
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Bereits im Vorjahr herrschte beim DFB große Unzufriedenheit darüber, wie sich die Nachwuchs-Situation gestaltet. Von einem verlorenen Jahrgang war zuvor noch die Rede. Inmitten einer Zeit, in der die größten Horror-Prognosen an die Wand gemalt wurden, sicherte sich die U21-Nationalmannschaft aber sensationell den Europameistertitel. All das hat jedoch nichts an der Sichtweise von Oliver Bierhoff geändert, der nun erneut Alarm schlägt.


Kommen im deutschen Fußball zu wenige Talente nach? Oliver Bierhoff hat in der BILD-TV-Sendung "Lage der Liga" bemängelt, dass es dem Kader inzwischen an Breite fehlt. "Wir haben nicht mehr die Breite im Kader. In der Weltmeisterschaft-Mannschaft hatten wie sieben, acht Spieler von höchster Qualität. Jetzt hören wir, dass es in den Jugendnationalmannschaften nicht mehr der Fall ist", erläuterte er.

Der These von Bierhoff kann man aber nur bedingt folgen. Im WM-Kader standen mit Erik Durm, Matthias Ginter, Shkodran Mustafi, Julian Draxler, Mario Götze und Christoph Kramer auch nur sechs Spieler im Kader, die 23 Jahre alt oder jünger waren und letztlich auch nicht alle eine große Karriere hinlegen konnten.

Mit Spielern wie Jamal Musiala, Florian Wirtz (wenn auch verletzt), Karim Adeyemi, Kai Havertz, Lukas Nmecha, Nico Schlotterbeck und David Raum sieht es derzeit definitiv nicht schlechter aus. Fürs Erste gibt es demnach kaum Ausreden. In den nächsten Jahren stehen genug leistungsstarke Spieler zur Verfügung, die um Titel mitspielen können.

Bierhoff bemängelt "dramatisch gesunkene Zahlen"

Trotz allem betrachtet Bierhoff die Zahlen mit sorgenvoller Miene. Demnach könne man sehen, dass "junge Spieler in der Bundesliga weniger eingesetzt werden". Der DFB-Manager sprach sogar von "dramatisch gesunkenen Zahlen" und forderte, "im Ausbildungsbetrieb Gas zu geben".

Bierhoff nennt die genauen Zahlen allerdings nicht und gibt auch keinen Verweis auf die Statistik, auf die er sich bezieht. Tatsächlich gibt es aber eigentlich viele U21-Europameister aus dem Jahr 2021, die in der Bundesliga ausreichend Spielzeit erhalten und fast alle einen Sprung nach vorne gemacht haben.

Spieler wie Nico Schlotterbeck, David Raum, Amos Pieper, Anton Stach, Ridle Baku, Niklas Dorsch, Arne Maier, Jonathan Burkardt und Florian Wirtz sind allesamt Stammspieler und meist auch Leistungsträger bei ihren Klubs. Hinzu rücken weitere Youngster wie Stiller, Schade oder Knauff nach, die ebenfalls einen Sprung nach vorne gemacht haben.

Es scheint also schon so, als würde Bierhoff ein wenig überdramatisieren. Die derzeitige U21-Mannschaft ist schließlich auch klar im Fahrtplan in Richtung EM. Selbst wenn es in den noch jüngeren Altersstufen ein wenig schlechter aussieht, sei hierzu auch gesagt, dass nicht jeder 18-jährige Top-Kicker auch später eine große Karriere hinlegt und aus dem ein oder anderen mittelmäßigen Talent trotzdem noch ein Star werden kann.

Bierhoff hofft auf gutes WM-Abschneiden: "Werden zu den Top-Nationen gehören"

In Bezug auf die A-Nationalmannschaft ist Bierhoff deutlich optimistischer. "Wir haben schon eine realistische Chance. Wir haben schon Qualität. Wir werden nicht der Favorit sein, aber zu den Top-Nationen gehören", versprach der Manager.

Um die Lücke nach ganz oben schließen zu können, hofft Bierhoff auf starke Mannschaftsblöcke. Zwar habe der FC Bayern "immer einen starken Block an Nationalspielern", jedoch hofft er, dass "auch Dortmund wieder aufrüstet".

Tatsächlich stand zunächst nicht ein einziger Schwarz-Gelber im Aufgebot für die Testspiele gegen Israel gegen die Niederlande. Erst nach der Absage von Serge Gnabry rückte zumindest Julian Brandt nach - wo wir dann wieder beim Thema wären, dass nicht jeder 18-jährige Top-Kicker die ganz große Karriere hinlegt.


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