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DFB-Kicker erhalten Schulung für Katar-Kritik

Yannik Möller
Die Deutsche Nationalmannschaft
Die Deutsche Nationalmannschaft / Alexander Hassenstein/GettyImages
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Auch wenn zunächst die Nations League im Fokus steht, so rückt die Weltmeisterschaft in Katar immer näher. Die Spieler der deutschen Nationalelf bekommen inzwischen Schulungen, wie es um die Menschenrechts-Entwicklungen im Gastgeberland steht und wie sie sich zu Kritik äußern sollten.


Auch wenn die Nations League ein eigenständiger Wettbewerb ist, so kann sie in diesem Jahr durchaus auch als Vorbereitung für die Weltmeisterschaft zum Jahresende gesehen werden.

Der Rahmen der WM, sowie der Wirbel und das Ansehen ist schlichtweg um ein Vielfaches größer. Deshalb liegt auf dem Turnier auch schon jetzt der Fokus, obwohl die Nationalteams dieser Tage erst einmal für die Nations League zusammenkommen.

Das Zusammensein bietet den jeweiligen Verbänden auch die Chance, die Spieler im Vorfeld für den Winter zu sensibilisieren. Denn je näher die WM rückt, desto größer werden die Diskussionen um Katar, die Menschenrechte dort sowie um die generelle Kritik daran. Das betrifft auch die Spieler und Trainer, sind sie es doch, die allen voran an den Mikrofonen stehen.

Der DFB hat entsprechend in Herzogenaurach, wo die deutsche Elf derzeit versammelt ist, für eine Art Themenabend zu Katar gesorgt.

Laute Katar-Kritik: "Die Lage hat sich nicht verbessert"

Eingeladen waren Interessensvertreter, Katar-Experten, Fan-Sprecher - und auch die Nationalspieler. Zwar ging es dabei grundsätzlich um die Lage der Menschenrechte, doch ein besonderer Fokus lag dieses Mal auf dem Thema der sexuellen Vielfalt und dem Umgang des Gastgeberlandes damit.

Martin Endemann etwa, Sprecher der größten europäischen Fan-Vereinigung 'Football Supporters Europe', äußerte deutliche Kritik (via WAZ): "Die Lage in Katar hat sich nicht verbessert. Es gibt keine Gewerkschaften, es gibt keine Redefreiheit, gibt keine Pressefreiheit." Dabei bezog er sich auch auf den neuesten Bericht von 'Human Rights Watch'.

Endemann glaube auch nicht an die nicht allzu selten vertretene These, ein Großereignis wie eine Weltmeisterschaft sorge für weitere Verbesserungen. "Ich warte bis heute, dass man mir ein Land nennt, in dem die Menschenrechtslage durch ein Großereignis wesentlich besser wurde." Das zeige auch das Beispiel der WM 2018: "Wir alle haben geholfen, Russland zu normalisieren und wir helfen jetzt, Katar zu normalisieren."

FIFA World Cup Trophy tour in Kuwait
Die Trophäe wurde bereits vorgestellt / Anadolu Agency/GettyImages

Auch der ARD-Journalist Philipp Sommer vertritt die ähnliche Meinung: "Katar mag das sicherste Land der Welt sein, aber das hat einen Preis. Es ist ein totaler Überwachungsstaat. Wenn sie möchten, wissen sie immer, wo du bist. Und ich habe das Gefühl, sie möchten sehr oft."

Homosexualität sei ebenfalls ein sehr schwieriges Thema vor Ort. Dazu äußerte sich Christian Rudolph, der die DFB-Anlaufstelle für sexuelle Vielfalt leitet: "Händchen halten, wie man das im Urlaub macht – wenn das schon unter Strafe steht, habe ich definitiv kein Sicherheitsgefühl."

Fürsprecher betonen angestoßene Entwicklungen - Nationalspieler bekommen Rat von Hitzlsperger

Als Katar-Fürsprecher trat beispielsweise Helmut Spahn auf. Der heutige FIFA-Sicherheitsdirektor stand laut WAZ einst auf der Gehaltsliste der Katar-Regierung. Dass er eine positive Haltung vertritt, überrascht indes wenig.

"Es ist nicht alles Gold was glänzt, aber die Entwicklung war enorm", so seine Wahrnehmung. Jene Entwicklungen stimmen die FIFA optimistisch, erklärte er weiter. Auch Sportmarketing-Experte Roland Bischof argumentierte in diese Richtung: "Es gibt einen Umbruch, es gibt Reformer, die es ernst meinen und die ehrliche Reformen vorantreiben."

Thomas Hitzlsperger
Thomas Hitzlsperger / Matthias Hangst/GettyImages

Für die Spieler gab es ebenfalls Empfehlungen, wie sie sich zu diesen komplexen Themen äußern könnten.

Dafür war Thomas Hitzlsperger zugeschaltet. Der DFB-Botschafter für Diversität betonte gegenüber den Kickern: "Es ist auch auch legitim, zu sagen: Das weiß ich nicht, darüber bin ich nicht genug informiert, dazu kann ich nichts sagen."

Er würde "an die Spieler appellieren", auch nur über Dinge zu sprechen, von denen man Bescheid wisse. Alles andere ergebe ohnehin nur wenig Sinn.


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