Auf der Torwart-Position hatte die deutsche Nationalmannschaft noch nie ein Problem. Im Gegenteil: Mit Sepp Maier, Oliver Kahn und Manuel Neuer hatte das DFB-Team über verschiedene Generationen hinweg Torhüter, die zu den Besten auf der Welt zählen. Doch wie sieht es aktuell aus?
Manuel Neuer ist nach der WM 2026 endgültig aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Nun gilt es für Jürgen Klopp, den optimalen Nachfolger zu finden. Dabei kommen beinahe alle Altersgruppen infrage.
90min zeigt die besten deutschen Torhüter im Ranking:
9. Moritz Nicolas

Moritz Nicolas hat die Fohlen im letzten Jahr mit seinen Paraden vor dem Abstieg bewahrt. Der 28-Jährige befindet sich im besten Alter und darf sich durchaus Hoffnungen machen, eine Einladung von Jürgen Klopp zu bekommen. Letztlich dürfte es für Nicolas jedoch schwierig werden, weil er mit Gladbach kaum eine Chance hat, vorne mitzumischen. Zwar kann er sich regelmäßig auszeichnen, jedoch ist es auch deutlich einfacher, im Abstiegskampf zu überzeugen als die Last des DFB-Trikots zu tragen.
8. Loris Karius

Wer hätte gedacht, dass die Karriere von Loris Karius nochmal eine derartige Wende erfährt? Tatsächlich ist der Schalke-Keeper so etwas wie der Mann der Stunde. Karius brillierte beim 0:0 gegen Bayern München und war bereits in der Vorsaison eine tragende Kraft für den Aufstieg. Karius ist stark in den Eins-gegen-Eins-Duellen und hat seine Fehlerquote reduzieren können. Nun gilt es abzuwarten, ob Karius sein Können konstant in der Bundesliga zeigen kann. Es gibt bereits erste Stimmen, die eine Karius-Nominierung fordern.
7. Bernd Leno

Bernd Leno hat einiges an Routine und zeigt diese seit Jahren in der Premier League. Zwar ist er nach seiner Arsenal-Zeit nur noch beim Mittelklasse-Klub FC Fulham aktiv, jedoch muss das definitiv kein Ausschlusskriterium sein. Der Trainerwechsel von Nagelsmann zu Klopp ist definitiv eine Chance für Leno. Mit seinen 34 Jahren hat er langfristig womöglich nicht die beste Perspektive, kurzfristig hätte man in ihm jedoch einen verlässlichen Schlussmann, der an guten Tagen auch den Unterschied ausmachen kann.
6. Finn Dahmen

Finn Dahmen hat sich nach zwischenzeitlich schwierigen Jahren in der Bundesliga etabliert. Phasenweise zeigte der frühere deutsche U21-Nationalkeeper bärenstarke Performances, jedoch driftet er dann und wann auch wieder ins Mittelmaß ab.
Dahmen ist ein ziemlich kompletter Keeper, der an Sicherheit gewonnen hat. Allerdings fehlt es ihm an internationaler Erfahrung, weil er mit Augsburg meist im Mittelfeld oder in den unteren Tabellenregionen vorzufinden ist. Dies könnte sich nach dem starken Saisonstart des FCA allerdings ändern. Dahmen ist ein Schlussmann, den man durchaus eine Ersatzrolle im DFB-Team zutrauen kann. Mehr aber wahrscheinlich auch nicht.
5. Noah Atubolu

Noah Atubolu bringt eine großartige Athletik und hervorragende Reflexe mit und kann durchaus Spiele im Alleingang entscheiden. Der Neu-Frankfurter ist allerdings nicht ganz fehlerfrei unterwegs. Dies für einen 24 Jahre alten Keeper nicht unüblich, jedoch muss er noch ein wenig konstanter werden, um zur Nummer eins aufsteigen zu können.
Grundsätzlich dürfte er neben Jonas Urbig die besten Chancen haben, langfristig die Nummer eins zu werden. Sollte Urbig bei den Bayern durchstarten, dürfte Atubolu jedoch immer leicht im Nachteil sein. Es sei denn, er schafft selbst den Sprung zu einem absoluten Spitzenklub. Dies war in diesem Sommer noch nicht der Fall.
4. Jonas Urbig

Jonas Urbig ist möglicherweise die beste Nummer zwei im Vereinsfußball, dennoch ist das keine gute Ausgangsposition für die Nationalmannschaft. Um im DFB-Team zur Nummer eins aufzusteigen, müsste Urbig auch beim FC Bayern Stammspieler sein.
Immerhin scheint sich Urbig aber auf einem guten Weg zu befinden. Die Bayern vertrauen dem Youngster und planen ihn als Neuer-Nachfolger ein. Daher bekommt er auch jetzt schon zunehmend Bewährungschancen. Urbig ist fußballerisch stark und verfügt über blitzschnelle Reflexe. Ein wenig Steigerungsbedarf hat er noch bei der Strafraumbeherrschung. Dennoch ist Urbig das womöglich größte deutsche Torwart-Talent und hat gute Chancen, früher oder später auch bei den großen Turnieren zwischen den Pfosten zu stehen.
3. Oliver Baumann

Der Hoffenheim-Keeper ist seit Jahren konstant auf einem guten Niveau unterwegs und hat keine klaren Schwächen in seinem Spiel. Dies hat ihm zwischenzeitlich auch die Nummer-eins-Rolle im DFB-Team eingebracht. Baumann zeigte auch nach der überraschenden Neuer-Rückkehr Größe und präsentierte sich als Teamplayer.
Baumann ist allerdings nicht der spektakulärste Keeper und inzwischen auch schon 36 Jahre alt. Ein großes Turnier hätte er noch im Tank, jedoch ist er ein Stück weit davon abhängig, wie sich die Talente schlagen und ob ter Stegen verletzungsfrei durchkommt.
2. Alexander Nübel

Alexander Nübel hat mit der Leihe zum VfB Stuttgart genau die richtige Entscheidung getroffen. Der Keeper war im Ländle sichtbar gereift und zu einer zuverlässigen Nummer eins avanciert. Dass sich der VfB in drei Nübel-Jahren zweimal für die Champions League qualifizieren konnte, ist auch sein Verdienst.
Seit dem Sommer läuft Nübel für Besiktas Istanbul auf und hat in den ersten zehn Pflichtspielen sechsmal zu Null gespielt. Mit seinen starken Leistungen schiebt er sich auch in der Nationalmannschaft wieder in eine gute Position. Nübel hat die Qualität, Spiele im Alleingang zu entscheiden, neigt aber manchmal auch zu Fehlern - entweder mit dem Ball am Fuß oder bei Weitschüssen.
1. Marc-André ter Stegen

Marc-André ter Stegen hat alles, was man als Weltklasse-Keeper braucht. Neben starken Reflexen und sehr überzeugenden fußballerischen Fähigkeiten, strahlt der Ex-Barca-Keeper auch eine große Aura und Ruhe aus.
Dass ter Stegen nur 44 Länderspiele auf dem Konto hat, liegt einerseits daran, dass Manuel Neuer jahrelang die Nase vorne hatte und andererseits an seinem enormen Verletzungspech in den letzten Jahren.
Immerhin ist der 34-Jährige derzeit fit und bei Ajax Amsterdam gesetzt. Grundsätzlich wäre er nicht zu alt, um noch ein großes Turnier als Nummer eins absolvieren zu können. Dafür wäre es aber essenziell wichtig, gesund zu bleiben. Gelingt das, muss sich die Konkurrenz strecken.
