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Claudio Pizarro: Die Bundesliga verliert eine Legende

Jul 7, 2020, 2:17 PM GMT+2
Claudio Pizarro
Claudio Pizarro hat am Montagabend seine Karriere beendet / TF-Images/Getty Images
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Claudio Pizarro hat am Montagabend mit dem Bremer Relegationserfolg in Heidenheim seine Karriere beendet. Die Bundesliga verliert damit eine echte Legende.

Am Montagabend ist eine sehr große Karriere zu Ende gegangen: Claudio Pizarro macht mit 41 Jahren und nach 21 Jahren Bundesliga Schluss. Leider blieb der Peruaner in seinem letzten Spiel für seinen SV Werder Bremen, für den er insgesamt fünf Mal spielte, ohne Einsatz, wofür sich Trainer Florian Kohfeldt nach dem Spiel bei Pizarro entschuldigte. Dem aber sei es laut Kohfeldt "scheißegal" gewesen. "Hauptsache, wir sind drin", sagte der Stürmer nach dem geschafften Klassenerhalt der Bremer.

Es ist immer dieselbe Fresse, die da lacht.

Drei Jahrzehnte - und Pizarro war immer dabei

Und dann erzählte Werders Trainer auf der Pressekonferenz eine kleine Anekdote von einer Video-Session mit seinem Trainerteam. Dabei hätten sie Bilder aus den 90ern, 2000ern und 2010ern gesehen - und Pizarro war immer dabei. "Ich habe zum Co-Trainer gesagt: Es ist immer dieselbe Fresse, die da lacht. Und das zeigt einfach, welche Freude er den Werder-Fans gegeben hat, wie viel Bedeutung er für diesen Verein hat."

Die Bedeutung zeigte sich auch nach dem Spiel in Heidenheim, als die Bremer Spieler Pizarro feierten und in die Luft warfen. Anschließend im Bus sangen sie Lieder auf ihn, mehrere Teamkollegen posteten Bilder mit ihrem nun Ex-Teamkollegen. Und überall waren dieselben Worte zu lesen: "Danke" und "Legende".

Claudio Pizarro
Claudio Pizarro wird nach dem Spiel in Heidenheim von seinen Teamkollegen gefeiert / DeFodi Images/Getty Images

Denn genau das ist Claudio Pizarro: Eine Legende. Mit 109 Toren ist er Werders Rekordtorschütze in der Bundesliga, insgesamt traf er 197 Mal in 490 Einsätzen im deutschen Oberhaus. Pizarro gewann sechs Mal den DFB-Pokal und die Deutsche Meisterschaft, 2013 war er beim Triple-Sieg des FC Bayern dabei, dazu holte er den Weltpokal, die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft und den UEFA-Supercup. Den Ligapokal und Deutschen Superpokal kann man da schon fast außen vor lassen.

Claudio Pizarro
Claudio Pizarro gewann mit dem FC Bayern 2013 das Triple / Boris Streubel/Getty Images

Auch wenn er zwei Mal für die Bayern, einmal für Köln und auch beim FC Chelsea spielte, hatte Pizarro den SV Werder stets im Herzen, sonst wäre er nicht fünf Mal an die Weser gewechselt. Erstmals kam er 1999, mit 20 Jahren und einer schwangeren Frau im Gepäck. Gemeinsam mit Ailton bildete er den erfolgreichen Bremer Angriff "Pizza-Toni", ehe er 2001 für viel Geld nach München ging und so indirekt finanziell die erfolgreichste Bremer Zeit dieses Jahrtausends einleitete, die im Double-Gewinn 2004 gipfelte.

Mit seinem einnehmenden, freundlichen Lächeln und seiner spitzbübischen Art eroberte Pizarro im Laufe der Jahre die Herzen aller Bundesliga-Fans, egal wo er spielte. Jemanden zu finden, der den sympathischen Peruaner nicht leiden kann, dürfte ein kühnes Unterfangen sein.

Einzig den Abstieg des 1. FC Köln 2018 konnte Pizarro nicht verhindern, es ist der einzige kleine Makel in der ansonsten fantastischen Karriere-Bilanz des 85-fachen Nationalspielers. Umso besser, dass er zum Ende seiner Karriere nicht auch noch mit seinen Bremern abstieg, es wäre ein unwürdiges Ende gewesen. "Ich bin heilfroh, dass wir dieses Kapitel in der Bundesliga beenden konnten", bemerkte auch Werders Coach Florian Kohfeldt.

Nun ist sie also vorbei, die Karriere des großartigen Claudio Pizarro, er wird der Bundesliga definitiv fehlen. "Ich kann meinen Hut nicht tiefer ziehen und mich nicht tiefer verbeugen vor Claudio Pizarro und dem, was er für Werder Bremen, für die Bundesliga geleistet hat", sagte Kohfeldt. Und dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht: Danke, Legende!

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