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BVB-Spiele vorerst ohne Zwayer - Gibt es dafür eine faktenbasierte Grundlage?

Yannik Möller
Felix Zwayer wird vorerst keine BVB-Partien mehr leiten
Felix Zwayer wird vorerst keine BVB-Partien mehr leiten / INA FASSBENDER/GettyImages
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Dass Felix Zwayer vorerst nicht mehr für Spiele des BVB angesetzt wird, ist eine Entscheidung ohne faktenbasiertem Hintergrund. Dem (durchaus) verständlichen Frust der Dortmunder darf eine derartige Entscheidung nicht folgen. Ein Kommentar.


Inzwischen ist es ein paar Tage her, dass die Entscheidung endgültig getroffen wurde: für Spiele von Borussia Dortmund wird Felix Zwayer zumindest vorerst nicht mehr als Schiedsrichter angesetzt.

Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich erklärte gegenüber dem kicker: "Es wäre für meine Begriffe in einem solchen oder vergleichbaren Fall nicht verantwortungsvoll gegenüber allen Seiten, dieselbe Konstellation gleich wieder anzusetzen. Da sollte doch etwas Zeit ins Land gehen."

Das Problem mit diesem Schritt: Es gibt keinen faktenbasierten Hintergrund. Beim Duell zwischen dem BVB und dem FC Bayern, einem wie immer sehr emotionalen und enorm wichtigen Spiel um die Meisterschaft der Bundesliga, kam es aus Sicht der Schwarz-Gelben zu einer unfairen Behandlung seitens Zwayer.

Dabei im Fokus: Der Handelfmeter für die Münchener, ein dem BVB nicht gegebener Elfer nach dem Zweikampf zwischen Marco Reus und Lucas Hernandez, sowie die ein oder andere Karte - auch für Trainer Marco Rose, der später auf die Tribüne musste. Das Problem? All diese Entscheidungen sind von Zwayer regelkonform getroffen worden.

Das heißt konkret: Er wird die Borussia erstmal nicht mehr pfeifen, weil das Meckern, das Jammern und die teils bösen Sprüche den Ausschlag gegeben haben. Man kann gut und gerne zugeben, dass die Emotionalität verständlich ist. Dass eine Sichtweise insbesondere auf dem Platz eine andere, in diesem Fall eine trügerische sein kann. Überhaupt keine Frage. Aber dann den Schiedsrichter, der seinen Job richtig gemacht hat, bei diesem Klub absetzen?

Dafür gibt es keine Begründung, die auf Fakten basiert. Und das ist gewiss nicht das, was im professionellen Fußball und im professionellen Schiedsrichterwesen für derlei Maßnahmen sorgen sollte.

Zwayer pfiff nachweislich korrekt - Absetzung ist eine Strafe für richtiges Handeln

Nach der Partie wurden die Szenen nochmals analysiert. Der Handelfmeter entsprach den Regeln. Der DFB erklärte: Von der Emotionalität losgelöst betrachtet, "ist die Bewertung eines strafbaren Handspiels und somit eines Strafstoßes korrekt". Der Elfer für Reus wurde nicht gepfiffen, weil es zwar zu Remplern gekommen sei, aber "einen Treffer im Fußbereich gibt es hier nicht". Aufgrund der grundsätzlich korrekten Wahrnehmung griff auch der VAR nicht ein.

Zumal der Strafstoß ohnehin nicht gegeben worden wäre, da kurz zuvor eine Abseitsstellung überhaupt erst zu dieser durchaus strittigen Szene führte. Die Diskussionen um den potenziellen BVB-Elfer waren also auch völlig unnötig. Am Fernseher konnte man das direkt in den ersten Wiederholungen sehen.

Felix Zwayer
Den BVB wird Felix Zwayer vorerst nicht mehr sehen / RONNY HARTMANN/GettyImages

Kurzum: Zwayer hat einen richtigen Strafstoß gegeben, einen falschen Strafstoß zurecht nicht gegeben und einen hoch emotionalen Rose doppelt verwarnt. Dieser musste sogar von Co-Trainer Rene Maric von der Seitenlinie weggetragen werden. Und dennoch wird er erstmal abgesetzt von BVB-Spielen. Für einen Schiedsrichter ist ein solcher Schritt eigentlich eine Bestrafung. Und das nach richtigem Handeln.

Nun mag man noch einwerfen, die Maßnahme sei auch zum Schutze Zwayers. Gerade nach Aussagen wie von Jude Bellingham oder Erling Haaland. Das ist zwar korrekt, doch mit professionellen Standards wird man damit umgehen müssen.

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