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Kommentar: Rose kann den BVB wieder entzünden

Martin Bytomski
Marco Rose, Trainer von Borussia Dortmund
Marco Rose, Trainer von Borussia Dortmund / Soccrates Images/GettyImages
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Rückblende: Vielleicht hätte er im Februar 2021 anders entscheiden sollen. Sich ehrlich machen und feststellen, dass vor allem die schwarzgelbe Strahlkraft den Kader aufhellt. Vielleicht versprach sich Marco Rose auch einen größeren Kaderumbau. Fest steht kurz vor Ablauf des Premierenjahres aber nur: Mannschaft und Trainer passen bei Borussia Dortmund nicht zusammen. Das Team ist für hohes Pressing nicht geeignet, zu langsam und behäbig sind viele Spieler beim Anlaufen des Gegners. Auch mit dem Ball bevorzugen Mats Hummels, Raphael Guerreiro oder Axel Witsel den geordneten Aufbau. Der Überfallfußball á la Jürgen Klopp wurde bereits mit seinem Nachfolger Thomas Tuchel weitestgehend abgeschafft und unter Lucien Favre endgültig eingemottet. So ist auch die Kaderplanung erfolgt.


Mit den taktischen Änderungen schwand aber auch die Leidenschaft rund um den Verein. Aus dem 2013 von der Fußball-Fachzeitschrift FourFourTwo als "Europe‘s hottest club" geadelten Verein ist ein gemütlicher Spitzenklub geworden. In der Liga stets unter den besten Vier, ein DFB-Pokal-Sieg, in der Champions League zumeist ordentlich, aber nicht all zu ambitioniert vertreten. Der Erfolg des BVB ist ein wohl kalkulierter. Abgeliefert wird zumeist das, was erwartet wird. Es brennt mit Ausnahme dieser Saison kaum etwas an, positiv wie negativ.

Gefühlsechter Rose

Mit Marco Rose bietet sich die Chance, die Mannschaft und das Dortmunder Umfeld "anzuzünden". Mit seiner progressiven Idee vom Fußballspiel: aktiv, stürmisch und überschwänglich. Dazu ist das Auftreten des 45-Jährigen erfrischend: Ehrlich, selbstkritisch, gewitzt, angefressen. Rose lässt Gefühle in der Öffentlichkeit zu, gibt Einblicke in seine Überlegungen und nimmt so die Fans mit.

Dabei gibt es zuhauf Argumente für einen Rose-Rauswurf: Zunächst das wenig ruhmreiche Ausscheiden in der Champions League mit Gegnern wie Besiktas, Sporting und Ajax. Anschließend sogar das hochnotpeinliche Versagen in der Europa League gegen ein seit Jahren weit von der europäischen Spitzenklasse entferntes Glasgow Rangers. Nicht weniger bitter war das Achtelfinal-Aus im DFB-Pokal beim Zweitligisten FC St. Pauli. Allein in der Liga läuft es, zumindest was die Punkteausbeute betrifft, planmäßig. Und trotz der teils desaströsen Bilanz sollte der BVB weiter an Rose festhalten, er verdient eine echte Chance.

Kaderumbau nach Roses Vorstellungen

Deshalb muss ein Umbruch mit Rose her. Die seit Wochen zähen Verhandlungen über einen Transfer von Karim Adeyemi machen klar, wohin der Weg gehen soll: Frech, gradlinig und unangepasst scheint das Profil neuer Profis zu sein. Auch der heiß gehandelte Nico Schlotterbeck passt zur forsch pressenden Rose-Idee vom Fußball. Diese Veränderungen gilt es weiter voranzutreiben. Auf dem Rasen - nicht aber auf der Trainerbank. Dort sollte Rose mit einem zumindest in Teilen mitgestalteten Kader eine echte Chance bekommen, seine Vorstellungen umzusetzen.


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