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BVB 2021/22: Die Gewinner und Verlierer der laufenden Saison

Dominik Hager
Gewinner und Verlierer beim BVB: Akanji und Hummels durchleben individuell sehr unterschiedliche Spielzeiten
Gewinner und Verlierer beim BVB: Akanji und Hummels durchleben individuell sehr unterschiedliche Spielzeiten / Dean Mouhtaropoulos/GettyImages
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Borussia Dortmund durchlebt eine Saison mit Höhen und Tiefen. Die blamablen Auftritte in Europa und das Pokal-Aus gegen St. Pauli machen die eigentlich gute Saison in der Bundesliga kaputt. Wir blicken auf die Gewinner und Verlierer der bisherigen Spielzeit.


Die Gewinner der Saison

Marius Wolf:

Eigentlich hatte man nicht den Eindruck, als könnte Marius Wolf beim BVB noch Bäume ausreißen. Seit seiner Ankunft in Dortmund fiel der Rechtsfuß immer mehr durch krumme Pässe und noch krummere Flanken - meist auf die Tribüne - auf. Wäre die Corona-Pandemie nicht gewesen, hätten jedenfalls zahlreiche Besucher der Gelben Wand gefährlich gelebt.

Was man jedoch immer wusste, ist, dass der frühere Münchner Löwe über Dynamik und Durchsetzungsvermögen verfügt und Kämpfer-Qualitäten in sich trägt. Zwar sind die Aktionen von Wolf fußballerisch noch immer nicht sonderlich fein, jedoch nutzt er seine sonstigen Qualitäten nun besser aus. Demnach hat es der 26-Jährige zuletzt auch häufig in die erste Elf geschafft. Zudem glänze er offensiv mit Torgefahr und erzielte in seinen letzten fünf Bundesliga-Einsätzen drei Tore und gab eine Vorlage. Man kann schon fast über einen kleinen Lauf sprechen.

Manuel Akanji:

Aufgrund der wackligen Saison von Mats Hummels liegt es meist an Manuel Akanji, die BVB-Defensive zu stabilisieren. Dies gelingt dem Schweizer zwar nicht immer, jedoch agiert er trotz zweier Verletzungsunterbrechungen immerhin weitaus souveräner und konsequenter als seine Nebenmänner.

Der Innenverteidiger hat sich eindeutig zu den Führungsspielern und verlässlichen Leistungsträgern entwickelt, was in den letzten Jahren auch nicht immer der Fall war. Der 26-Jährige leistet sich nur noch wenige Aussetzer, was auch seine Zweikampfquote (66 Prozent) und seine Passquote (90 Prozent) untermauern. Der Innenverteidiger war bei den zum Teil desaströsen Leistungen in der Champions League auch involviert, das Gesamtbild ist jedoch trotzdem positiv.

Jude Bellingham:

Es fällt einem immer wieder schwer zu glauben, dass Jude Bellingham erst 18 Jahre alt ist. Der junge Engländer ist der einzige Dortmunder, der im zentralen Mittelfeld gesetzt ist, was ganz einfach auch daran liegt, dass er der einzige ist, der regelmäßig gute Leistungen abliefert. Bellingham ist der permanente Antreiber im Dortmunder Spiel und macht Wege über den ganzen Platz, wodurch er offensiv wie defensiv ein enormer Faktor ist. Selbst wenn er manchmal aneckt, braucht der BVB die Mentalität und die Energie des Mittelfeldspielers.

Enorm zugelegt hat er insbesondere im Angriffsdrittel. Sechs Tore und zwölf Vorlagen sind (wettbewerbsübergreifend) schon eine sehr gute Bilanz für einen zentralen Mittelfeldspieler. Derzeit ist der Youngster unmöglich zu ersetzen. Früher oder später wird man es aber leider wohl müssen.

Gregor Kobel:

Wie ein roter Faden zog sich die Dortmunder Torwart-Diskussion durch die letzten Jahre. Roman Bürki hielt zwar ab und an überragend, leistete sich aber ebenso viele schwere Böcke. Demnach bekam auch in der Vorsaison Marwin Hitz die Chance, der deutlich konstanter war, aber einfach nicht das Niveau einer Nummer eins für einen Champions-League-Klub hat.

Mit Gregor Kobel hat der BVB auf eine langfristige Lösung spekuliert und dabei wie es scheint einen guten Griff gelandet. Der Schweizer strahlt Ruhe aus, ist fußballerisch besser als seine Vorgänger und leistet sich kaum mal einen größeren Fehler. Kobel war zudem fast der einzige im Team, der bei den bösen Pleiten gegen Ajax und die Glasgow Rangers nichts dafür konnte und zum Teil sogar noch schlimmeres verhinderte. Der Keeper erwies sich zudem als Mann der klaren Worte und scheut sich nicht davor den Finger in die Wunde zu legen.

Die Verlierer der Saison

Mats Hummels:

Seit dem Saisonbeginn läuft Mats Hummels seinen eigenen Ansprüchen hinterher. Der Routinier hatte zunächst mit körperlichen Problemen zu kämpfen, was seiner ohnehin schon nicht mehr so überragende Fitness zusätzlich schadete.

Der jahrelange Weltklasse-Verteidiger hat zunehmend mit Geschwindigkeitsproblemen zu kämpfen und kann diese auch mit seinem guten Stellungsspiel nicht mehr kaschieren. Zwar zeigt Hummels in der Regel noch immer ordentliche Leistungen, jedoch war er gerade in den wichtigen Spielen dann doch ein Unsicherheitsfaktor. Gegen den FC Bayern, die Glasgow Rangers und Ajax Amsterdam erwischte der Routinier ganz schwache Abende. Eigentlich war Hummels immer eine Bank in großen Spielen, jedoch hat sich seine Fehleranfälligkeit erhöht.

Axel Witsel:

Axel Witsel hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie Mats Hummels. Der Belgier wird zunehmend älter und hat nach seiner schweren Verletzung an der Achillessehne nie zu seiner alten Fitness gefunden. Witsel war nie ein schneller Spieler, aber inzwischen sind seine Geschwindigkeits-Mängel eklatant. Der Mittelfeldspieler kommt nicht mehr richtig in die Zweikämpfe und scheint im modernen und schnellen Fußball überfordert zu sein.

Mit Ball strahlt Witsel zwar immer noch viel Sicherheit aus, jedoch belässt er es auch meist bei Sicherheitspässen. Eine antreibende Kraft ist er in der Spieleröffnung nicht wirklich. Die Zeit von Witsel im Trikot der Schwarz-Gelben scheint dem Ende nahe zu sein. Letztlich ist der Belgier inzwischen mehr "Bremsklotz" als Stabilisator.

Julian Brandt:

Eine Fliege macht noch keinen Sommer. Tatsächlich erwischte Julian Brandt Ende der Hinrunde einige Sahne-Wochen mit sechs Scorer-Punkten in fünf Spielen, über das vorher und nachher würde man aber lieber dem Mantel des Schweigens legen. Bei einem derartigen Top-Talent wie Julian Brandt lässt sich dies jedoch nicht so einfach machen.

Spielerisch hat der offensive Mittelfeldspieler alles drauf, jedoch zeigt er diese Klasse schlichtweg zu selten. Insbesondere in schwachen Dortmunder Spielen ist Brandt keiner, der die Initiative ergreift und gefährliche Situationen erzwingt. Vielmehr geht er mit dem sinkenden Schiff unter. Bezeichnend waren seien Auftritte gegen die Glasgow Rangers oder im DFP-Pokal gegen St. Pauli. Die Körpersprache von Brandt stimmt einfach viel zu häufig nicht. Ob sich das je ändern wird, erscheint immer zweifelhafter.


Youssouffa Moukoko:

Der BVB scheint den Umgang mit Youssouffa Moukoko nicht so recht drauf zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass der Youngster immer und immer wieder verletzungsbedingt pausieren muss. Für einen solch jungen Spieler ist das fast tägliche Training eine große Belastung - im Falle von Moukoko wohl eine zu hohe.

Die ständigen Rückschläge sorgen dafür, dass der Youngster nicht auf diese Weise einschlägt, die sich jeder erhofft hätte. Außerdem erwies sich auch Marco Rose nicht gerade als großer Förderer des Spielers. Trotz der häufigen Ausfälle von Haaland und weiteren Offensivspielern kam Moukoko in dieser Saison wettbewerbsübergreifend auf mickrige 316 Spielminuten. Dabei erzielte das Juwel einen Treffer und zwei Vorlagen, was angesichts der Einsatzzeit gar nicht so schlecht ist.

Trotzdem wird sich der BVB bei Moukoko etwas überlegen müssen. Eine Leihe im Sommer erscheint sinnvoll. Der 17-Jährige ist zum ersten Mal in seiner Karriere an einem Punkt angekommen, an dem nicht mehr alles so reibungslos läuft.


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