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Wie der BVB einen Haaland-Abgang einigermaßen verschmerzen könnte

Nikolas Pfannenmüller
Es deutet immer mehr daraufhin, dass Karim Adeyemi zu Borussia Dortmund wechseln wird.
Es deutet immer mehr daraufhin, dass Karim Adeyemi zu Borussia Dortmund wechseln wird. / Guenther Iby/GettyImages
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Es ist kein Geheimnis, dass Erling Haaland Borussia Dortmund in nicht allzu ferner Zukunft verlassen wird. Zu gut ist Haaland jetzt schon, zu begierig reißen sich Topklubs aus ganz Europa um den jungen Norweger. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Haaland dem BVB sogar schon 2022 den Rücken kehren. Um den Abgang des Superstars auffangen zu können, braucht Schwarz-Gelb einen neuen Stürmer - oder vielleicht sogar zwei?


Erling Haaland hat in weniger als zwei Jahren bei Borussia Dortmund mehr bewegt als so manch seiner Vorgänger im Sturmzentrum in fünf, sechs oder sieben Jahren. Einen Spieler wie ihn werden die Westfalen so schnell nicht wieder finden. 74 Tore hat der 21-Jährige in 72 Pflichtspielen erzielt. Ihm gehört die Gegenwart - und die Zukunft.

Das Spiel des BVB ist komplett auf Haaland zugeschnitten

Derzeit ist das Spiel der Mannschaft von Trainer Marco Rose komplett auf Haaland zugeschnitten. Wird der Ball gewonnen, schauen Haalands Mitspieler zunächst einmal, wo auf dem Platz der 1,94 Meter Hüne zu finden ist.

Haaland wird von seinen Kollegen mit flachen Steilpässen oder hohen Zuspielen in die Tiefe geschickt. Befindet sich der Ball auf einer der beiden Außenbahnen, orientieren sich Borussias bereitwillige Flankengeber primär daran, ob Haalands Chancen, die Flanke zu erreichen, groß genug sind. Ist Haaland nicht in einer idealen Position, wird Plan A hingegen meist abgeblasen.

Haaland hat den bulligen Körper, um sich gegen die robustesten Abwehrspieler der Bundesliga durchzusetzen. Haaland hat die gute Technik, um die reaktionsschnellsten Außenverteidiger auszuspielen. Haaland hat außerdem das Tempo, um an den schnellsten Bundesligaspielern vorbei zu sprinten.

Haalands Abgang wird eine Lücke hinterlassen

Haalands Abgang wird zunächst einmal eine große Lücke hinterlassen. Dank seiner Qualitäten hat Dortmund selbst verloren geglaubte Spiele noch umbiegen können. Er hat glanzlose Unentschieden in knappe Siege verwandelt.

Auch wenn er nach zwei oder drei Jahren den BVB verlassen wird, hat er genügend Fabelleistungen erbracht, dank denen er in der Liste der historisch besten Stürmern - vereinsintern sowie bundesligaweit - erwähnt werden muss.

Haalands Abgang wird schmerzlich sein, der Vorteil für die Verantwortlichen von Borussia Dortmund ist jedoch, dass sie sich lange auf ihn einstellen können. Bloß müssen sich die Kaderplaner bewusst machen, dass der Norweger mit den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln nicht eins-zu-eins ersetzt werden kann.

Schließlich kann sich Dortmund keinen Kylian Mbappe oder Harry Kane leisten, selbst ein Dusan Vlahovic dürfte sehr schwer zu bekommen sein. Auch dieser wird von noch renommierteren und finanzstärkeren Klubs als dem BVB umgarnt.

Adeyemi soll auf dem Sprung zum BVB sein

Statt sich ins Rennen um die großen Stars einzuschalten, könnte Dortmund einmal in Österreich und einmal in Deutschland fündig werden: Bei ersterer Anmerkung handelt es sich um Karim Adeyemi von RB Salzburg, bei zweiterer um Jonathan Burkardt vom 1. FSV Mainz 05.

Der Wechsel von Adeyemi zum BVB soll laut Informationen der Bild immer näher rücken. Der dreifache deutsche Nationalspieler hat in dieser Saison nicht nur unter Bundestrainer Hansi Flick debütiert, sondern mit bisher drei Toren und zwei Vorlagen auch in der Champions League für Furore gesorgt.

Als 19-Jähriger hat Adeyemi seine Fähigkeiten vor allem seit der U21-Europameisterschaft im Sommer unter Beweis gestellt, im Übrigen hat er noch massig Entwicklungspotential. Als Spielertypen sind Adeyemi und Haaland allerdings nicht miteinander vergleichbar.

Adeyemi ist ein filigraner und eher schmächtig gebauter Spieler, der 14 Zentimeter kleiner als Haaland ist. Genau wie Haaland ist der gebürtige Münchner pfeilschnell, doch das Durchsetzungsvermögen des Norwegers hat Adeyemi nicht.

Jonathan Burkardt wäre auch eine Idee wert

Und an diesem Punkt könnte Jonathan Burkardt ins Spiel kommen. Dem technisch versierten Rechtsfuß ist in dieser Bundesligasaison der Durchbruch gelungen. In 14 Spielen hat der 21-Jährige sieben Tore geschossen, von denen er sechs allein in den letzten sieben Partien erzielte. Rechnet man den DFB-Pokal hinzu, kommt Burkardt auf zehn Treffer in 16 Einsätzen.

Zwar ist Burkardt auch "nur" 1,83 Meter groß und gilt nicht als Kopfballspezialist, doch in einer Doppelspitze mit Adeyemi oder in einer 4-3-3-Grundordnung hätte der Mainzer Angreifer durchaus seine Daseinsberechtigung.

Für die Borussia, die in der kommenden Spielzeit voraussichtlich wieder in drei Wettbewerben an den Start gehen wird, könnte es auch eine Überlegung wert sein, Burkardt als Joker-Option erster Güteklasse einzuplanen.

Wenn Haaland geht, muss der BVB das Spielsystem ändern

Sollte Rose sowohl auf Burkardt und Adeyemi in der Startformation setzen, bestünde die Gefahr, dass beide gegen kräftige Abwehrspieler Probleme bekommen könnten. Auch Flanken wären wohl nicht das erste Mittel der Wahl. Mit ihrer Schnelligkeit und technischen Finesse könnte das Duo andererseits viele Abwehrreihen überfordern - speziell im schnellen Umschaltspiel.

Welche Richtung der BVB nach einem Haaland-Abgang auch einschlagen wird, es dürfte klar sein, dass das Spielsystem geändert werden muss. Wie tiefgreifend der personelle und strategische Wandel in der Saison 2022/23 sein wird, kann man heute allerdings noch nicht beurteilen.

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