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Statt Haaland - Michael Zorc verdient den größten Abgang beim BVB

Martin Bytomski
Beendet im Sommer seine Karriere: BVB-Sportdirektor Michael Zorc
Beendet im Sommer seine Karriere: BVB-Sportdirektor Michael Zorc / Stuart Franklin/GettyImages
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"Öööörling Haaaaland" schallt es seit Januar 2020 häufig durch den Signal Iduna Park. Insgesamt stehen bei Erling Haaland in 88 Pflichtspielen sagenhafte 85 Treffer für Borussia Dortmund auf der Uhr. Eine sensationelle Quote, ein grandioser Spieler. Dass er zum Abschied am Samstag vor der Partie gegen Hertha BSC ein letztes Mal gefeiert werden wird, ist völlig verdient. Doch es gibt noch eine weitere Person, die ebenfalls ihre Sachen packt. Diese Person sollte im Vordergrund stehen, denn es gibt wohl keinen Borussen, dem der Verein mehr verdankt, als Michael Zorc.


Seit 1978 gibt es für Michael Zorc nur einen Verein: Borussia Dortmund. Seine glorreiche Karriere begann nach seiner Zeit im schwarzgelben Nachwuchs am 24. Oktober 1981. Bei der 0:2-Niederlage in Bremen bekam "Susi", wie er von seinem Mitspieler Rolf Rüssmann wegen der wallenden Haarpracht genannt wurde, erstmalig 30 Minuten Spielzeit in der Bundesliga. Aus der halben Stunde wurde 572 Profispiele für die Borussia. 159 Tore, zwei Meisterschaften, je einen Champions-League-, Pokal- und Weltpokaltitel heimste der gebürtige Dortmunder mit der Nummer acht ein und gewann somit alles, was es zu gewinnen gab. Exakt zehn Jahre davon war Zorc der Kapitän und somit bei allen Erfolgen in den 1990ern Dortmunds Spielführer.

Fast abgesagt - dann folgten legendäre Deals

1998 dann der nahtlose Übergang auf die Managerebene. Unter dem damaligen Manager Michael Meier war Zorc Sportmanager, seit 2005 ist er als Sportdirektor federführend für die Transfers des BVB zuständig. Die ersten Jahre waren schwierig. 2008 gab Michael Rummenigge bekannt, dass er mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über seinen Einstieg beim BVB verhandelt hatte. Es wäre das Ende von Zorc gewesen.

Doch dazu kam es nicht und somit fädelte Zorc legendäre Verpflichtungen wie die des Schweiz-Bomber Alexander Frei, den Transfer von Shinji Kagawa für eine sechsstellige Summer aus der zweiten japanischen Liga, den "Tausch-Deal" von Sven Bender gegen Antonio Rukavina mit dem TSV 1860 München oder die Verpflichtung von Robert Lewandowski aus Polen ein. Dazu generierte Zorc auf der Abgangsseite teils schwindelerregende Einnahmen und hat so aus dem einst notorischen Pleite-Klub auch ein florierendes Wirtschaftsunternehmen werden lassen.

Herzhaftes Lachen typisch für Zorc

Aber nicht nur aus sportlicher Sicht wird er fehlen. Michael Zorc hinterlässt auch menschlich eine große Lücke. Mit seiner zunächst distanzierten Art war er ein Paradeexempel eines Dortmunders. Denn Zorc lachte abseits der Kameras durchaus laut und herzhaft und war mit seinem schlagfertigen Vokabular stets ein gern gesehener Gesprächspartner. Dabei schützte er die Spieler und Trainer wann immer nötig. Waren scharfzüngige Analyse gefragt, nahm Zorc kein Blatt vor dem Mund und legte den Finger in die Wunde.

Was auch immer geschah: Zorc war da. Diese Konstante wird beim BVB fehlen. Viele Fans kennen die Borussia ohne den fast 60-Jährigen nicht. Helfen wird es, dass auch sein Nachfolger Sebastian Kehl ebenfalls die BVB-DNA in sich trägt. Und dennoch: Am Samstag sollte Michael Zorc einen furiosen, orkanartigen Abschied bekommen. Denn er war mindestens einer der größten Borussen, wenn der nicht größte Borusse aller Zeiten. Jetzt nimmt er seinen Hut.


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