Bundesliga

Vergleich zur letzten Saison: Das erste Bundesliga-Drittel im Check

Dominik Hager
12 Punkte mehr als im Vorjahr: Der FSV Mainz 05 ist der Gewinner der ersten elf Spieltage
12 Punkte mehr als im Vorjahr: Der FSV Mainz 05 ist der Gewinner der ersten elf Spieltage / Alex Grimm/GettyImages
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Knapp ein Drittel der Bundesliga-Saison 2020/21 sind bereits absolviert. Inzwischen geht auch schon fast alles den geregelten Bahnen nach. Der FC Bayern und Borussia Dortmund ganz oben ist sicherlich genauso wenig überraschend wie Arminia Bielefeld und Greuther Fürth ganz unten. Trotz allem hat sich im Vergleich zum Vorjahr bei dem ein oder anderem Team ganz schön was getan. Dies wird offensichtlich, wenn wir die Punkte von dieser Saison zurate ziehen und sie mit den Punktzahlen vom letzten Jahr nach elf Spieltagen vergleichen.


1. 1. FSV Mainz 05 (17 Punkte / +12)

Silvan Widmer, Alexander Hack
Alex Grimm/GettyImages

Im letzten Jahr präsentierten die Mainzer zwei Gesichter. Nach katastrophalen sieben Punkte in der Hinserie folgten fast schon überragende 32 Zähler in der Rückserie. Hauptverantwortlich für den Aufschwung war insbesondere die Arbeit von Bo Svensson, der die Mainzer Truppe wieder zu einer echten Einheit machte.

Falls sich vor der Saison noch jemand gefragt hat, welches Gesicht die Mainzer in der neuen Runde zeigen, ist hier die Antwort. Mit 17 Punkten aus elf Spielen stehen die Mainzer als Tabellensiebter richtig gut da. Neben einer starken Defensive zeichnet die Mainzer auch aus, dass die jungen Spieler wichtige Schritte nach vorne gemacht haben. Allen voran ist hier Jonathan Burkardt zu nennen.

2. SC Freiburg (22 Punkte / +11)

Lucas Höfler
Alexander Hassenstein/GettyImages

Der SC Freiburg ist die positive Überraschung der Saison. Etwas komplett Neues ist dies natürlich nicht, da Christian Streich sein Team schon häufiger zu Höchstleistungen geführt hat. Sechs Siege und vier Unentschieden zum Start dürften aber dennoch ein Novum sein. Selbst die knappe Niederlage gegen die Bayern am vergangenen Wochenende ändert nichts daran.

Vor exakt einem Jahr sah es für den SC noch deutlich schlechter aus. Mit elf Zählern hatte man nur halb so viel auf der Habenseite wie in diesem Jahr und bewegte sich zumindest im Dunstkreis der Abstiegsränge. In dieser Saison kann der Blick nach oben gerichtet werden. Mindestens die Qualifikation für die Europa League sollte für das homogene Team möglich sein.

3. Borussia Dortmund (24 Punkte / +5)

BVB
Pool/GettyImages

Der elfte Spieltag im Vorjahr war gleichbedeutend mit dem letzten Spiel von Lucien Favre. Nach einer derben 1:5-Pleite gegen den VfB Stuttgart trennte sich der BVB vom ohnehin schon lange umstrittenen Coach. Zuvor waren die Leistungen schließlich ebenfalls sehr schwankend. Völlig unnötige Niederlagen gegen Köln und Augsburg trugen dazu bei, dass der BVB nur 19 Punkte auf dem Konto hatte.

In der laufenden Saison hat sich der BVB seinen schwersten Patzer in der Champions League gegen Ajax geleistet. In der Liga präsentierte man sich einigermaßen stabil, hatte jedoch mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Nach der Niederlage im Topspiel gegen RB Leipzig beträgt der Abstand zu den Bayern wieder vier Punkte.

Den Dortmundern ist der Abgang von Sancho durchaus anzusehen und auch Marco Rose begeistert noch nicht so wie Vorgänger Edin Terzić. Dennoch wird rund um die Borussia aktuell wohl zu sehr Schwarz gemalt...

4. FC Bayern (28 Punkte / +4)

FC Bayern
CHRISTOF STACHE/GettyImages

Wer ist besser? Die Flick-Bayern oder die Nagelsmann-Bayern? Zumindest war der Saisonstart der Münchner in dieser Saison besser als in der vorherigen Spielzeit. Allerdings hatte der Rekordmeister nach dem Champions-League-Triumph nur kurzzeitig Probleme sich wieder an den Bundesliga-Alltag zu gewöhnen.

Dennoch muss man auch den Start von Julian Nagelsmann hervorheben. Aufgrund der EM und der fehlenden Vorbereitungszeit ist dieser nämlich durchaus überraschend gut gelungen. 28 Punkte nach elf Spielen sind sehr gut, wobei insbesondere das Torverhältnis (40:11) beeindruckend ist.

Lediglich die 0:5-Klatsche im Pokal gegen Gladbach hat die bislang hervorragende Saison ziemlich befleckt. Ansonsten dürften die Münchner sehr froh darüber sein, schon wieder vier Punkte Luft auf den Tabellenzweiten zu haben.

5. 1.FC Köln (14 Punkte / +4)

Steffen Baumgart, Anthony Modeste
Christian Kaspar-Bartke/GettyImages

Der Erfolg der Kölner trägt zwei Namen: Steffen Baumgart und Anthony Modeste. Nachdem sich der Klub im Vorjahr nur über die Relegation erstklassig halten konnte, läuft es in der neuen Spielzeit deutlich besser. Mit 14 Punkten belegen die Kölner derzeit den elften Platz und haben vier Zähler mehr auf dem Konto als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.

Neben der stärkeren Punkteausbeute ist es dem FC auch gelungen, die Massen zumindest phasenweise wieder zu begeistern. Steffen Baumgart kommt mit seiner enthusiastischen und authentischen Art gut bei den Fans und Spielern an und hat vor allem Anthony Modeste zu einem zweiten Frühling verholfen. Ganze acht Treffer konnte der 33-Jährige in den ersten elf Bundesligaspielen erzielen. In der vergangenen Saison war dies keinem Kölner in 34 Spielen geglückt.

6. TSG Hoffenheim (14 Punkte / +2)

Ermin Bicakcic
Christian Kaspar-Bartke/GettyImages

Zugegeben: 14 Zähler nach elf Spielen lesen sich für die TSG nicht sonderlich beeindruckend. Der zehnte Tabellenplatz ist es ebenso wenig.
Dem Klub fehlt es immer noch an Konstanz. Neben sehr überzeugenden Leistungen wie beim 5:0 gegen Köln oder dem 3:1 gegen Wolfsburg, leistete sich die TSG auch bittere Pleiten wie beim 1:3 gegen Stuttgart oder dem 0:2 gegen Bochum.

All jene Probleme sind allerdings nicht neu. In der vergangenen Saison hat das Team von Sebastian Hoeneß die Bayern am zweiten Spieltag mit 4:1 vom Platz gefegt. Dennoch stand man nach dem elften Spieltag mit zwölf Zählern insgesamt noch schlechter da.

7. Hertha BSC Berlin (13 Punkte / +1)

Fredi Bobic
Alex Grimm/GettyImages

Die Hertha war in der vergangenen Saison eine "Graue Maus" der Liga und ist es als Tabellen-13. immer noch. Zuletzt zeigte der Hauptstadtklub aber eine aufsteigende Tendenz und feierte überraschende Siege gegen Frankfurt und Gladbach. Selbst beim 1:1 gegen Leverkusen wären die Berliner fast als Sieger vom Platz gegangen.

Das neu formierte Team von Fredi Bobic wächst langsam zusammen, was immerhin die Hoffnung weckt, dass der Mittelteil der Saison besser verläuft als im letzten Jahr. Das Ziel muss lauten, möglichst die ganze Spielzeit über Luft auf die Abstiegsränge zu haben.

8. Arminia Bielefeld (8 Punkte / +1)

Alessandro Schoepf
Alex Grimm/GettyImages

Mit acht Zählern belegt die Arminia derzeit den 17. Tabellenplatz. Immerhin hat das Team dank des 1:0-Erfolges gegen Stuttgart wieder den Anschluss ans rettende Ufer geschafft.

Die Situation ist nur unwesentlich anders als im Vorjahr. Für die Bielefelder wird es vermutlich bis zum bitteren Ende um den Klassenerhalt gehen. Der kleine Unterschied zur Vorsaison ist jedoch, dass man nicht der alleinige Underdog ist, sondern mit Fürth und Bochum zwei Teams mit dabei sind, die finanziell und sportlich nicht besser aufgestellt sind. Allerdings hat auch keines der Teams den Druck, den Schalke und Bremen im Vorjahr hatte.

Womöglich kann die Arminia von der Erfahrung der letzten Saison profitieren. Auf dem Platz sind aber kaum Unterschiede zu erkennen.

9. Union Berlin (17 Punkte / +-0)

Taiwo Awoniyi
Adam Pretty/GettyImages

Union Berlin meistert auch das dritte Bundesliga-Jahr in Serie bislang mit Bravour. Wer gedacht hat, dass die Belastungen durch die Conference League und die Bundesliga zu viel für die Köpenicker werden, der sieht sich bislang getäuscht. Mit 17 Zählern steht der Klub genauso gut da wie in der letzten Saison.

Inzwischen kann man auch schon von einem gestandenen Bundesligisten und nicht mehr von einem Underdog sprechen. Die Berliner machen konsequent ihr Ding und leisten sich nur wenige Ausreißer nach unten. Vorne ist immer wieder auf Taiwo Awoniyi Verlass. Sollte Max Kruse auch endlich mal wieder dauerhaft einsatzbereit sein, könnte man durchaus wieder aufs internationale Geschäft blicken.

10. Eintracht Frankfurt (12 Punkte / -1)

Filip Kostic
Alexander Hassenstein/GettyImages

Einige dürften bei der Erkenntnis vor Überraschung vom Stuhl gekippt sein, dass Eintracht Frankfurt nur einen Punkt weniger auf dem Konto hat als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. 12 Punkte und Tabellenplatz 14 lesen sich schließlich ganz und gar nicht gut, wohingegen die Eintracht im Vorjahr lange auf Champions-League-Kurs lag.

Tatsächlich begann die letzte Spielzeit aber ebenfalls schleppend. Mit 2 Siegen, 7 Unentschieden und 2 Niederlagen erwiesen sich die Hessen damals schon als absolute Unentschieden-Könige. Dann ballerten Silva und Kostic aber los und führten die Eintracht mit einer beispiellosen Serie nach oben.

Derzeit fehlt aber der Glaube, dass aus den Unentschieden-Königen erneut eine Top-Mannschaft wird. André Silva und seine 28 Tore fehlen an allen Ecken und Enden. Die vielen neuen Offensivspieler konnten bislang allesamt noch nicht wirklich überzeugen.

11. VfL Wolfsburg (19 Punkte / -2)

Florian Kohfeldt
Martin Rose/GettyImages

Der VfL Wolfsburg legt bislang eine absolute Achterbahn-Saison hin. Mit dem neuen Trainer Mark van Bommel gab es erst vier Siege, dann ein Unentschieden und schließlich vier Niederlagen. Dadurch fielen die Wölfe von Rang eins ins Mittelfeld zurück. Nach der Entlassung des Holländers gelang es aber Nachfolger Florian Kohfeldt, das Team mit zwei Siegen wieder auf Rang vier zu katapultieren.

Insgesamt kann der VfL mit 19 Punkten durchaus zufrieden sein. Von der Stabilität und Ruhe, die den Wolfsburgern im Vorjahr das Champions-League-Ticket eingebracht hat ist aber wenig zu sehen. Im Vorjahr haben die Wölfe zum gleichen Zeitpunkt noch kein Bundesligaspiel verloren und zwei Punkte mehr eingefahren. An der Platzierung hat sich hingegen nichts geändert.

12. Borussia Mönchengladbach (15 Punkte /-2)

Florian Neuhaus
Alex Grimm/GettyImages

Eigentlich konnte Borussia Mönchengladbach in dieser Saison nur glänzen, wenn es gegen den FC Bayern ging. Bereits am ersten Spieltag hätte man mit weniger Schiedsrichter-Pech gegen die Bayern gewinnen können. Im Pokal ließen es die Fohlen beim 5:0 dann krachen.

Ansonsten bietet uns der Klub aber eher durchwachsene Leistungen an, die weit entfernt vom eigentlichen Potenzial sind. 15 Punkte und Rang neun sind nicht wirklich akzeptabel.

Im Vorjahr stand Gladbach mit 17 Punkten und Rang acht etwas besser da. Immerhin müssen die Fohlen aber in diesem Jahr nicht befürchten, dass ihnen der Trainer weggekauft wird. Sportlich gesehen muss in der Liga aber noch viel mehr möglich sein.

13. FC Augsburg (9 Punkte / -4)

Niklas Dorsch
Sebastian Widmann/GettyImages

Der FCA gehört zu den großen Enttäuschungen der Saison. Eigentlich startete das Team mit großen Ambitionen. Insbesondere die U21-Europameister Niklas Dorsch und Arne Maier sollten dem Klub ein deutlich höheres spielerisches Level einhauchen. Allerdings ist davon noch wenig zu sehen. Die Augsburger stehen mit neun Punkten auf dem Relegationsplatz und zeigen größtenteils dürftige Leistungen.

Im Vorjahr starteten die Augsburger auch eher unspektakulär, fanden sich als Tabellenzehnter. jedoch im Mittelfeld wieder. Davon kann das Team derzeit nur träumen. Es bedarf schon einer deutlichen Steigerung, wenn der FCA nichts mit dem Abstieg zu tun haben möchte. Das Potenzial wäre grundsätzlich da, allerdings bräuchte es dazu einen verlässlichen Torjäger. Niederlechner und Finnbogason wissen, wie es geht, sind aber leider ständig verletzt.

14. RB Leipzig (18 Punkte / -6)

Emil Forsberg, Dani Olmo
Alex Grimm/GettyImages

Der Wechsel von Julian Nagelsmann auf Jesse Marsch ging nicht ganz spurlos an den Leipzigern vorbei. Die Abgänge von Upamecano, Konaté und Sabitzer kamen natürlich erschwerend hinzu. Zudem zündet Neuzugang André Silva bislang noch nicht wie erhofft. Daher ist es gar nicht so überraschend, dass Leipzig bislang hinter den eigenen Erwartungen und den Leistungen der letzten Jahren zurückbleibt.

Allerdings geht die Leistungskurve stark nach oben. Zuletzt besiegte RB Borussia Dortmund völlig verdient mit 2:1 und zeigte die bislang beste Saisonleistung.

Noch wartet ein wenig Arbeit auf Marsch und sein Team, aber schon bald könnte man sich wieder in den gleichen Regionen wie im Vorjahr wiederfinden. Nach Spieltag elf stand das Team damals auf dem dritten Rang und war punktgleich mit den Bayern. Um den Titel wird RB wohl nicht mehr kämpfen können, wohl aber um die Champions-League-Plätze.

15. Bayer 04 Leverkusen (18 Punkte / -7)

Jonathan Tah
Boris Streubel/GettyImages

Am elften Spieltag der Vorsaison fand sich Bayer 04 Leverkusen mit 25 Zählern auf Rang eins wieder. Leverkusen wäre aber nicht Leverkusen, wenn dieser Zwischenstand von Dauer gewesen wäre. Nach der Niederlage gegen den FC Bayern folgte die sportliche Talfahrt, die letztlich gerade noch in der Europa League endete.

Dieses Jahr ist der Verlauf beinahe vergleichbar. Das Problem ist nur, dass man dem FC Bayern früher begegnet ist. Seit der Niederlage gegen den FCB geht auch in der laufenden Spielzeit nicht mehr viel. Zwei Unentschieden und eine Niederlagen warfen die Werkself zuletzt auf den sechsten Platz zurück.

16. VfB Stuttgart (10 Punkte / -7)

Mateo Klimowicz
Alex Grimm/GettyImages

Im Vorjahr begeisterten die Stuttgarter als Aufsteiger über weite Strecken der Saison. Dies lag vor allem an der tollen Offensive, bestehend aus Nicolás González, Sasa Kalajdzic und Silas Katompa Mvumpa.

Allerdings konnte der VfB in der neuen Saison auf keinem davon bauen. Während González verkauft wurde, fehlten Kalajdzic und Mvumpa bislang verletzungsbedingt. Zudem wurde der Vertrag mit Castro nicht verlängert, während sich andere Schlüsselspieler ebenfalls mit Verletzungen rumplagen.

Problematisch ist die Tatsache, dass der VfB im Sommer nur Talente und zweitklassige Kicker verpflichtet hat. Letztlich befand sich kein adäquater Ersatz für Spieler wie González darunter.

Dies macht sich auch im Tabellenstand bemerkbar. Der VfB hat sieben Zähler weniger als im Vorjahr auf dem Konto und spielt als Tabellen-15. derzeit nur gegen den Abstieg. Die 0:1-Niederlage gegen Bielefeld untermauerte dies zuletzt.

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