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Bundesliga

Wo es läuft, wo es hakt - Das Hinrundenfazit der neuen Trainer in der Bundesliga

Malte Henkevoß
Beide Trainer könnten sicher glücklicher sein: Marco Rose und Adi Hütter.
Beide Trainer könnten sicher glücklicher sein: Marco Rose und Adi Hütter. / INA FASSBENDER/GettyImages
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Acht Bundesliga-Klubs haben die aktuelle Saison mit einem neuen Coach im Vergleich zum Vorjahr begonnen. Damit sind natürlich einige Erwartungen verknüpft. Speziell, wenn es um große Klubs wie Bayern und Dortmund, aber auch Leipzig und Leverkusen geht. Wir schauen auf die bisherigen Ergebnisse der neuen Trainer bei ihren Klubs, schauen darauf, was wo funktioniert hat und wo es grandios gescheitert ist.


1. Julian Nagelsmann beim FC Bayern München

Alexander Hassenstein/GettyImages

Was die Ergebnisse angeht, kann man sich beim FC Bayern sicher nicht über das Engagement von Julian Nagelsmann beschweren. Mit neun Punkten Vorsprung auf Rang eins in der Liga, in der Champions League ohne Verlustpunkt als Erster im Achtelfinale. Definitiv eine Hausnummer!

Dennoch war auch beim Rekordmeister nicht alles rosig. Was nicht vollständig in der Verantwortung von Nagelsmann lag. Der Coach verpasste einige Partien an der Seitenlinie durch seine Corona-Infektion. Dazu gehört der bisherige Tiefpunkt der Bayern-Saison, das 0:5-Debakel gegen Mönchengladbach in der zweiten Pokal-Runde. Ein Triple wird es für den FCB in diesem Jahr also nicht geben. Nichtsdestotrotz hat Nagelsmann seine Mannschaft auf einen Weg gebracht, die Meisterschaft scheint bereits nicht allzu weit entfernt und in der Champions League ist für den FCB alles drin.

90min-Note: 9/10

2. Marco Rose bei Borussia Dortmund

Soccrates Images/GettyImages

Rang zwei für den BVB hinter den Bayern ist definitiv keine Schmach. Manche würden sagen, es ist mittlerweile Gewohnheit. Doch auch auf die Art und Weise kommt es an. Und die hinterließ zum Ende der Hinrunde einen sehr bitteren Geschmack in Dortmund.

Doch alles nach der Reihe: Nach 13 Spieltagen stand der BVB nur einen Punkt hinter den Bayern im Windschatten. Dann kam der Klassiker und eine große Menge Frust. Die Schwarz-Gelben fühlten sich durch Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt, verloren das Gipfeltreffen mit 2:3. Marco Rose gehörte zu denen, die ihrem Unmut am deutlichsten Luft machten, zumal die Leistung durchaus nicht verkehrt war.

Dass der Abstand mittlerweile neun Punkte auf den Rekordmeister beträgt, hat man sich jedoch selbst zuzuschreiben. Denn aus den letzten drei Partien nach dem Bayern-Spiel holte Dortmund nur vier Punkte. Die Chancen auf die Meisterschaft sind dadurch erheblich geschrumpft.

Dazu steht das bittere Aus in der Champions League, wo man in der Gruppe nicht an Sporting Lissabon und Ajax Amsterdam vorbeikam. Die Ansprüche und die Leistungen des Teams stimmen noch nicht vollständig überein.

90min-Note: 5/10

3. Gerardo Seoane bei Bayer Leverkusen

Christian Kaspar-Bartke/GettyImages

Der Schweizer Trainer der Werkself war vor der Saison vermutlich nur den eingefleischten Fans der Schweizer Liga ein Begriff. Mittlerweile kann man die Handschrift von Gerardo Seoane in Leverkusen durchaus erkennen. In der Europa League wurde souverän die Gruppenphase bestritten und das Achtelfinale erreicht. Patrik Schick hat sich zum Top-Stürmer entwickelt, ist mit 16 Treffern der Tor-Garant für Bayer. Rang vier in der Liga steht für das Ziel, nächstes Jahr wieder Champions League zu spielen. Eigentlich nichts zu meckern, oder?

Nun, ähnlich wie beim BVB hatte Bayer zum Ende der Hinrunde Sand im Getriebe. Aus den letzten drei Ligaspielen gab es nur einen Punkt, im Duell gegen Tabellennachbarn Freiburg wurde Platz drei am Ende hergeschenkt. Dennoch überwiegt am Rhein durchaus Zufriedenheit mit dem Coach und der Platzierung aktuell.

90min-Note: 7/10

4. Oliver Glasner bei Eintracht Frankfurt

Matthias Hangst/GettyImages

So schnell kann sich das Blatt wenden: Im Gegensatz zu den vorher genannten Klubs konnte die Eintracht mit Oliver Glasner die Rückrunde erfolgreich beenden, die letzten drei Spiele wurden alle gewonnen. Mit Platz sechs steht der Europacup in greifbarer Nähe. Das sah nicht immer so aus.

Nach dem neunten Spieltag und einer 0:2-Niederlage bei Aufsteiger Bochum stand die SGE auf Rang 15, äußerst kurz vor den Abstiegsrängen. Die Abgänge von Ex-Coach Hütter und André Silva wiegten schwer. Doch die Eintracht fing sich wieder. Seit jener Niederlage stehen in acht Ligaspielen sechs Siege zu nur einer Niederlage und einem Last-Minute-Punkt gegen RB Leipzig, den man fast auch als Sieg werten kann.

Dazu kommt das Weiterkommen in der Europa League in einer durchaus nicht zu verachtenden Gruppe. Am Main geht es nach holprigem Start wieder aufwärts.

90min-Note: 7/10

5. Steffen Baumgart beim 1.FC Köln

Thomas Eisenhuth/GettyImages

Die Entwicklungen beim 1.FC Köln stehen ein wenig abseits von denen der anderen Klubs. Wer einen Blick auf Steffen Baumgart wirft, erkennt einen Coach, der Fußball lebt. Die emotionalen Werte des leidenschaftlichen Trainers erkennt man an der Seitenlinie in jedem Spiel und seine charakteristische Mütze tut ihr Übriges. Dabei verliert man ein wenig den Fokus auf die sportlichen Ergebnisse der Domstädter. Doch auch da kann man sagen: Daumen hoch!

Rang acht ist aktuell die sichere Mittelfeld-Position des Effzeh. Mit dem Abstiegskampf scheinen die Geißböcke in diesem Jahr nichts zu tun zu haben. Des Weiteren hat Steffen Baumgart einen Weg gefunden, den alten Anthony Modeste zurück zu Spitzenleistungen zu treiben, elf Tore hat der Franzose bisher erzielt.

Ob in Richtung Europa für den FC etwas möglich ist, wird vor allem dadurch entschieden, ob aus den vielen Unentschieden in der Rückrunde auch mal der eine oder andere Sieg herausspringen wird. Nichtsdestotrotz bisher ein starkes Jahr von Baumgart und dem 1.FC Köln.

90min-Note: 8/10

6. Jesse Marsch bei RB Leipzig

Sebastian Widmann/GettyImages

Der erste Coach in unserer Liste, der die Hinrunde nicht überstanden hat. Jesse Marsch wurde aus dem RB-eigenen Farming System aus Salzburg geholt, um Julian Nagelsmann zu beerben. Allerdings konnte der US-Amerikaner die Erwartungen in ihn nie vollständig erfüllen.

Das Deck war allerdings auch ein wenig gegen den 48-Jährigen gemischt. Leipzig bekam es in der CL-Gruppe mit Manchester City und PSG zu tun, was ein Weiterkommen geradezu unmöglich machte. Dazu kam die Covid-Erkrankung des Trainers, die ihn in die Isolation zwang.

Doch neben ein paar starken Spielen, wie dem 2:1-Sieg gegen Dortmund, standen am Ende vor allem Inkonstanz und Unzufriedenheit bei den Roten Bullen. Anfang Dezember wurde Marsch entlassen, seitdem hat Domenico Tedesco RB übernommen. Das Kapitel Marsch war am Ende definitiv kein Erfolgreiches.

90min-Note: 2/10

7. Mark van Bommel beim VfL Wolfsburg

Stuart Franklin/GettyImages

Mittlerweile scheint es, dass die Ära Mark van Bommel in Wolfsburg bereits von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Das Wechsel-Fiasko und daraus folgende Pokal-Aus am grünen Tisch gegen Regionalligist Preußen Münster warf bereits vor dem Start der Liga einen dunklen Schatten auf die Wölfe.

Dabei lief der Ligastart eigentlich nicht schlecht. Vier Siege aus den ersten vier Spielen! Danach konnte van Bommel mit dem VfL allerdings in Bundesliga und Champions League kein einziges Spiel mehr gewinnen. In den restlichen acht Spielen gab es drei Unentschieden und fünf Niederlagen, ehe die Verantwortlichen Ende Oktober die Reißleine zogen.

Nun steht Florian Kohfeldt an der Seitenlinie und die Situation sieht nicht besser aus, der VfL ist in einer handfesten Krise und steht in der Liga nur auf Rang 13.

90min-Note: 0/10

8. Adi Hütter bei Borussia Mönchengladbach

Matthias Hangst/GettyImages

Obwohl er von den neuen Trainern tabellarisch mit Platz 14 momentan am schlechtesten dasteht, ist Adi Hütter bei Borussia Mönchengladbach noch in der Verantwortung. Das Bittere für den Klub ist, dass die unguten Ergebnisse bereits vor der Anstellung von Hütter vorherrschten.

Das Gladbacher Seuchenjahr 2021 ist nun endlich vorbei, eine Verbesserung muss her. Neben den Spielern steht damit nun auch der Trainer in der Verantwortung. Ausreißer positiver Art, wie dem 5:0 gegen die Bayern im Pokal, dürfen nicht gleichzeitig extrem negative, wie das 0:6 gegen Freiburg gegenüberstehen.

Hütter hat zu Beginn der Rückrunde noch mal die Chance, Gladbachs Ansprüche zumindest aus den unteren Rängen zu retten. Dafür sind eine Menge Anstrengungen und Veränderungen notwendig, auf der Bank und auf dem Platz. Möglicherweise bald sogar personeller Art.

90min-Note: 1/10

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