Bundesliga

Bundesliga: Die 3 größten Gewinner und Verlierer der Sommertransferphase

Dominik Hager
Sommer-Transfers: Die drei größten Gewinner & Verlierer der Bundesliga
Sommer-Transfers: Die drei größten Gewinner & Verlierer der Bundesliga
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Knapp ein Drittel der Saison ist auch schon wieder vorbei und so langsam bildet sich ab, welcher Bundesliga-Klub bei der Kaderplanung gute Arbeit geleistet hat und welcher Verein auf dem Transfermarkt überwiegend kein glückliches Händchen gezeigt hat. Hier sind die jeweils drei größten Gewinner und Verlierer der Sommer-Transferphase.


Die Top-3-Gewinner:

1. Bayer 04 Leverkusen

Odilon Kossounou
Joosep Martinson/GettyImages

Die Kaderplanung von Bayer 04 Leverkusen war im Sommer mehr auf Zukunft als auf Gegenwart ausgerichtet. Unter anderem kamen Odilon Kossounou (20), Amine Adli (20), Mitchel Bakker (21) und Piero Hincapié (19). Kossounou und Bakker haben auf Anhieb einen sehr überzeugenden Start hingelegt und den Sprung in die Startelf geschafft.

Als Glücksgriff könnte sich auch Adli entwickeln, der noch nicht so viel gespielt hat, mit seiner Technik und Spielfreude aber schon jetzt zu gefallen weiß. Sogar der Jüngste im Bunde, Piero Hincapié, durfte zuletzt immer häufiger von Beginn an ran. Das Management scheint vier gute und entwicklungsfähige Kicker gefunden zu haben.

Neu mit dabei ist auch Robert Andrich, der mit seiner Kampfstärke und körperlichen Präsenz eine andere Komponente ins Spiel bringen soll und gewissermaßen die Bender-Zwillinge ersetzt. Dies klappt bislang mal mehr und mal weniger gut. Allerdings war es sicherlich gewinnbringend, den 26-Jährigen von Union Berlin loszueisen.

Insgesamt hat Bayer 04 gut 50 Millionen Euro ausgegeben, was durch die Verkäufe von Bailey (32 Millionen Euro) sowie Wendell und Jedvaj (je vier Millionen Euro) beinahe wieder reingeholt werden konnte. Es schmerzt lediglich der Abgang von Bailey, der sich aber über Jahre hinweg angedeutet hatte.

2. Union Berlin

Taiwo Awoniyi, Marc-Oliver Kempf
Adam Pretty/GettyImages

Der Überraschungs-Klub der Vorsaison hat gerade mal knapp 14 Millionen Euro in neue Spieler investiert, dafür jedoch auf dem Transfermarkt durchaus abgesahnt.

Besonders entscheidend dürfte der Transfer von Taiwo Awoniyi gewesen sein, der für 6,5 Millionen Euro fest vom FC Liverpool verpflichtet werden konnte. Der Angreifer hat noch mal einen klaren Schritt nach vorne gemacht und liegt mit sieben Treffern auf Rang vier der Bundesliga-Torjägerliste.

Einen weiteren richtigen Kracher konnte Union Berlin zwar nicht holen, dafür aber zahlreiche Spieler, die den Kader für wenig Geld sinnvoll verstärken. Spieler wie Öztunali, Möhwald, Jaeckel, Vogelsammer, Haraguchi, Behrens, Khedira und der ausgeliehene Baumgartl wären hierbei zu nennen.

Die Berliner benötigen aufgrund der Conference League einen breiten Kader, was ihnen mit den genannten Transfers zweifellos gelungen ist.

Einziges Manko: Der zweitteuerste Neuzugang, Tymoteusz Puchacz, schlägt bislang noch nicht wie gewünscht ein. In Köpenick will man dem 22-jährigen Polen aber die nötige Zeit geben.

Schmerzhaft sind natürlich auch die Abgänge von Nico Schlotterbeck, der als Leihspieler für Union aktiv war und Andrich, der aber immerhin für 6,5 Millionen Euro nach Leverkusen verkauft werden konnte. Ein Vorwurf darf man dem Management hierbei nicht machen. Zumal Kapitän Marvin Friedrich vorerst gehalten werden konnte.

3. SC Freiburg

Maximilian Eggestein
Stuart Franklin/GettyImages

Der SC Freiburg hat in der Sommerpause grundsätzlich nicht viel gemacht. Wie der Blick auf die Tabelle eindrucksvoll beweist, war dies aber auch genau der richtige Weg.

Manchmal macht es eben mehr Sinn, auf vertraute Kräfte und den eigenen Nachwuchs zu bauen. Die gute Freiburger Jugendarbeit scheint sich jedenfalls absolut bezahlt zu machen. Die Reserve schaffte den Aufstieg in die 3. Liga und unterstreicht die gute Ausbildungsarbeit. Davon konnte auch Christian Streich schon profitieren, der im Verlaufe der Saison schon mehreren Youngstern die Chance gab.

Das größte Talent ist dem Anschein nach Angreifer Kevin Schade, der bereits sieben Bundesliga-Einsätze absolvieren durfte. Doch auch Kiliann Sildillia und Noah Weißhaupt konnten schon Bundesliga-Minuten sammeln.

Der einzige prominentere Transfer war Maximilian Eggestein, der für fünf Millionen aus Bremen kam und sich sofort gut einfügen konnte. Nicht mehr mit dabei ist hingegen Baptiste Santamaria, der für satte 14 Millionen Euro verkauft werden konnte. Neun Millionen Plus also, ohne einen deutlichen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen.

Für zusätzliche Qualität sorgt außerdem Nico Schlotterbeck, der nach seiner Union-Leihe in glänzender Verfassung zurückkehrte und sogar den Sprung ins A-Nationalteam schaffte.

Selbst ohne die ganz großen Neuzugänge zeigt sich einmal mehr, dass in Freiburg schlichtweg gute Arbeit geleistet wird.


Die Top-3-Verlierer:

4. Borussia Dortmund

Donyell Malen
BSR Agency/GettyImages

Die beiden Pleiten gegen Ajax und die jüngste Niederlage in Leipzig haben das Stimmungsbild in Dortmund deutlich getrübt.

Grund dafür ist aber auch die große Verletzungsmisere beim BVB. Und, dass Königstransfer Donyell Malen einfach nicht in die Spur finden möchte. 30 Millionen Euro hatte man für den Angreifer ausgegeben. Ein Tor und zwei Vorlagen hat der 22-Jährige bislang wettbewerbsübergreifend abgeliefert. In der BVB-Offensive wirkt Malen weiterhin wie ein Fremdkörper. Natürlich ist es für ein abschließendes Urteil noch zu früh. Aber: die Gefahr scheint groß, dass Malen zum echten Transfer-Flop wird.

Während der Abgang von Jadon Sancho, für den man 85 Milliionen Euro einstrich bislang nicht adäquat ersetzt werden konnte, verpassten es die Verantwortlichen auch auf den Außenverteidiger-Positionen nachzulegen. Besonders die rechte Seite steht hier im Fokus. Thomas Meunier ist im zweiten Jahr zwar deutlich besser, aber weiterhin von einer konstanten Toplösung entfernt. Talent Mateu Morey fällt wohl noch die gesamte Saison aus.

Alternativen im Kader zu Meunier sind entweder der positionsfremde Can oder Felix Passlack, der zuletzt erneut bewiesen hat, dass es für das BVB-Niveau einfach nicht reicht. Hoffnung macht Überraschung Marius Wolf, der eigentlich als Außenstürmer eingeplant war. Die Borussia versuchte wohl Diogo Dalot zu leihen, scheiterte aber an diesem Unterfangen. Und so bleibt die rechte Abwehrseite eher eine Baustelle.

Weiter innen lieh man sich Marin Pongracic für mehr Breite in der Innenverteidigung aus. Der Kroate spielte beim VfL Wolfsburg keine Rolle mehr. In Dortmund muss er dagegen recht häufig ran. Und tut das recht ordentlich, aber auch mit einigen Wacklern. Auch bei ihm sollte man die Qualität für den BVB zumindest in Frage stellen.

Einzig die 15 Millionen Euro für Gregor Kobel waren gut investiertes Geld. Bislang gelingt es dem Neuzugang jedenfalls, mit konstanten Leistungen zu gefallen. Kobel bringt die nötige Stabilität mit, um auf dieser so wichtigen Position endlich für Ruhe zu sorgen.

Auf der Abgangsseite konnten neben Sancho auch Balerdi, Delaney, Toljan und Gómez für etwa 23 Millionen Euro verkauft werden. Bei Delaney hätten sich nicht wenige Fans allerdings einen Verbleib gewünscht. In der aktuellen Lage hätte man ihn wohl gerne im Team.

Insgesamt wurden die Problemzonen nicht adäquat adressiert. Da wäre auf dem Sommer-Transfermarkt deutlich mehr drin gewesen.

5. VfB Stuttgart

Florian Mueller
Alex Grimm/GettyImages

Der VfB Stuttgart hat durch die Verkäufe von González und Kobel insgesamt knapp 40 Millionen Euro eingenommen, allerdings auch viel Qualität verloren.

Dafür kamen, wie in den letzten Jahren schon, zahlreiche junge Spieler. Zu nennen wären Wahid Faghir (18), Enzo Millot (19), Naouirou Ahamada (19) und Hiroki Ito (22) und Ömer Beyaz (17). Die genannten Spieler mögen allesamt über Potenzial verfügen, sind allerdings noch neu in der Liga.
Chris Führich, der vom SC Paderborn kam, ist ebenfalls ein ordentlicher und talentierter Spieler, der aber noch nicht als Leistungsträger bei einem Bundesligisten infrage kommt.

Die fünf Millionen Euro für Torwart Florian Müller sollten aber gut investiertes Geld gewesen sein. Der Keeper ist sehr talentiert und hat eine Saison als Stammspieler beim SC Freiburg hinter sich.

Letztlich fehlen beim VfB allerdings Neuzugänge, die dem Verein sofort helfen und stärker machen. Die zahlreichen Verletzungen dürften das Bild dabei aber verzerren. Allerdings hat man sich auch selbst ins Bein geschossen, in dem man mit Castro nicht verlängert hat. Der Mittelfeld-Routinier wäre in der jetzigen Phase Gold wert gewesen.

Der VfB befindet sich in einer Saison, die er irgendwie überleben muss. Gelingt dies mit den jungen Kräften, hätte man für die kommenden Jahre sicherlich wieder bessere Voraussetzungen. Derzeit wirken die Schwaben als Transfer-Verlierer des Sommers. Doch wie so häufig im Fußball: dieses Bild könnte sich schnell wandeln.

6. VfL Wolfsburg

Lukas Nmecha
Martin Rose/GettyImages

Der VfL Wolfsburg hat ein Transferminus von insgesamt 50 Millionen Euro gemacht und dafür auch durchaus spannende Spieler verpflichtet. Allerdings stellt sich dennoch die Frage, ob die Kaderzusammenstellung wirklich ausgewogen und sinnvoll war.

Fangen wir mal mit dem Positiven an: Lukas Nmecha dürfte für acht Millionen Euro durchaus ein guter Griff gewesen sein. Der 22-Jährige gehört zu den talentiertesten Stürmern in Deutschland und hat in der Liga und in der Champions League immerhin schon fünf Tore erzielt.

Als Glücksgriff könnte sich auch der erst 18-jährige Aster Vranckx erweisen, der zuletzt sogar zweimal über 90 Minuten ran durfte und sein Potenzial andeutete.

Verletzungsbedingt wenig zum Zug kam Sebastiaan Bornauw, der für 13,5 Millionen Euro aus Köln kam. Der Innenverteidiger hat zwar zweifellos Potenzial, jedoch wird es für ihn schwierig, an Brooks und Lacroix vorbeizukommen. Sein Transfer könnte ein Vorgriff auf einen möglichen Lacroix-Abgang gewesen sein.

Was an der Wölfe-Transferphase aber am meisten zu kritisieren ist, ist die überdimensionale Anzahl an Stürmern und Halbstürmern, die verpflichtet/geliehen wurden. Neben Nmecha und den fest verpflichteten Philipp kamen schließlich auch noch Waldschmidt und Lukébakio.

Demnach sieht der Kader nun so aus, dass nach den Abgängen von Brekalo und Victor keine klassischen Flügelspieler, sondern fast ausschließlich Halbstürmer im Kader stehen. Demnach hat man nun zahlreiche gute Torjäger, aber nur wenige Spieler, die in einer gewissen Regelmäßigkeit Vorlagen liefern können.

Ein technisch starker und kreativer Spieler hätte das Team wesentlich besser ergänzt, als es beispielsweise ein Lukébakio tut. Gut möglich, dass Wout Weghorst auch deshalb noch ein wenig Ladehemmung hat.

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