Borussia Mönchengladbach

Willkommene Länderspielpause: An diesen 7 Punkten muss Gladbach jetzt arbeiten

Simon Zimmermann
Adi Hütter hat weiter das Vertrauen von Max Eberl
Adi Hütter hat weiter das Vertrauen von Max Eberl / Lukas Schulze/GettyImages
facebooktwitterreddit

Das Feld schien bestellt zu sein für Borussia Mönchengladbach im vergangenen Sommer. Die "Lame Duck" Marco Rose war endgültig nach Dortmund abgewandert. Für Nachfolger Adi Hütter griff man tief in die Tasche.

Der Erfolgscoach der Frankfurter Eintracht übernahm eine eingespielte Mannschaft mit viel individueller Qualität, die in der Lage sein sollte, in der Bundesliga-Spitzengruppe mitzumischen. Das Verpassen des internationalen Wettbewerbs sollte Hütter die Möglichkeit geben, sich voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren zu können.

Bekanntlich entwickelte sich aber alles anders. Statt oben mitzuspielen heißt die bittere Realität Platz zwölf und (vorerst) Abstiegskampf. Der Abstand auf den Relegationsrang 16 beträgt nur drei Zähler. Im DFB-Pokal hat man nach einer berauschenden Pokalnacht gegen die Bayern die Chance auf den ersten Titel seit 1995 fahrlässig weggeworfen. Schlimmer noch: Bei Zweitligist Hannover 96 setzte es eine dicke Blamage, die die Probleme der Fohlenelf schonungslos offenbarte.

Was folgte, war zwar eine Leistungssteigerung gegen Union Berlin. Das Ergebnis blieb aber ähnlich. Dennoch will Max Eberl weiterhin an seinem Trainer festhalten. Hütter hat nun zwei Wochen Zeit, um sich und sein Team auf die kommenden - extrem wichtigen - Aufgaben in Bielefeld und gegen Augsburg vorzubereiten. Man braucht wenig Phantasie um zu behaupten, dass diese beiden Duelle für den Fohlencoach wegweisend sein werden.

Auf diese Punkte kommt es in Gladbach in der Länderspielpause jetzt an:

1. Den Worten weitere Taten folgen lassen

Florian Neuhaus
Florian Neuhaus hat Adi Hütter den Rücken gestärkt / Stuart Franklin/GettyImages

"Die Mannschaft hat ein ganz anderes Gesicht als gegen Hannover gezeigt. Auf dieser Leistung kann man aufbauen", erklärte Hütter nach der unglücklichen 1:2-Pleite gegen die Eisernen.

"Wir standen defensiv sehr stabil und haben nach vorne teilweise gut Fußball gespielt. Deshalb ist das Ergebnis auch extrem frustrierend. Es gibt die Leistung eigentlich nicht wieder", erkannte der Österreicher.

Objektiv geben die Zahlen dem Trainer recht: elf zu sechs Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz und 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe sprachen eigentlich für die Borussia.

Rückkehrer Jonas Hofmann sah es ähnlich: "Wir haben ein Lebenszeichen gesendet. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie aus dieser Situation herauskommen will." Zwischen Trainer und Mannschaft stimme es, "das hat die Leistung gezeigt", beteuerte Hofmann gegenüber der ARD.

Dem stimmte Florian Neuhaus zu (via ZDF): "Wir gehen mit dem Trainer da zusammen durch, das ist ganz klar."

Vor allem von den beiden Nationalspielern waren es Worte, an denen sich die Mannschaft messen lassen muss. Zu häufig in dieser Saison folgte von der Fohlenelf nach einem passablen Auftritt ein schlechter. Eine Inkonstanz, die sich Gladbach gegen Bielefeld und Augsburg nicht mehr leisten darf.

2. Den Kern der Mannschaft stärken

Adolf Huetter, Yann Sommer
Auf Yann Sommer ist für Adi Hütter Verlass / Lukas Schulze/GettyImages

Adi Hütter muss in den kommenden zwei Wochen genauestens ausmachen, wer in der Mannschaft bereit ist, bis Saisonende alles dem Erfolg unterzuordnen. Klingt nach einer 0815-Fußballphrase - ist beim VfL aktuell aber einer der Hauptpunkte für die schwache Saison.

Im Saisonverlauf gab es einfach zu viele Störfaktoren, zu viele Egoismen und zu wenig Struktur im Kader, um dauerhaft erfolgreich Fußballspielen zu können. Hütter muss sich auf einen Stammkern festlegen - und sich dabei auch an eigenen Worten messen lassen. Denn der Österreicher hat oft genug das Leistungsprinzip betont. Vor Namen darf er also keinen Halt machen und muss - falls nötig - Spieler aussortieren, die nicht mehr zu 100 Prozent für Gladbach brennen.

3. Die Defensivformation bis Saisonende finden

Matthias Ginter
Adi Hütter sollte bis Sommer auf Matthias Ginter setzen / Stuart Franklin/GettyImages

Der obere Punkt ist auch eng mit der Defensivformation verknüpft. 37 Gegentore nach 20 Spielen sind einfach deutlich zu viel, wenn man erfolgreich sein will. Vor allem dann, wenn man selbst nur 26 eigene Treffer erzielt hat.

Hütter muss sich zunächst mit Matthias Ginter aussprechen. Der Nationalspieler wird zwar spätestens im Sommer gehen. Bis dahin will und muss er sich aber für einen Kaderplatz im DFB-Team empfehlen. Zudem sollte Ginter ein Typ sein, der bis zuletzt seine Leistung für die Borussia abrufen will. Und damit ist und bleibt er ein Bundesliga-Verteidiger von gehobenem Niveau.

Dazu verfügt Hütter nun mit Marvin Friedrich über einen weiteren starken Innenverteidiger. Gegen Union Berlin hat es mit Ginter, Friedrich in der Mitte und Elvedi gut funktioniert.

Ganz wichtig sind auch die beiden Positionen auf dem Flügel. Stefan Lainer ist mit seinem Willen und seiner Laufstärke prädestiniert für die aktuelle Situation. Auf der anderen Seite gilt das auch für Ramy Bensebaini. Der Algerier wird nach der Länderspielpause wieder zur Verfügung stehen.

So gut sich Joe Scally und Luca Netz in dieser Saison auch geschlagen haben: es ist Zeit für Erfahrung und Führungsstärke auf den Schienenspieler-Positionen.

Lainer - Ginter, Friedrich, Elvedi - Bensebaini: Mit dieser Formation MUSS Gladbach einfach wieder stabiler werden.

4. Auf Christoph Kramer als Mittelfeldchef setzen

Christoph Kramer
Christoph Kramer braucht Hütter als verlängerten Arm auf dem Platz / Maja Hitij/GettyImages

Davor im Mittelfeld sollte Hütter ebenfalls auf Erfahrung und Führungsstärke setzen. Christoph Kramer fiel zuletzt aus, könnte aber schon gegen Bielefeld wieder fit sein. Der Weltmeister von 2014 ist ein Spieler, der vorangeht und vor allem auch viel kommuniziert.

Auch auf Kramer sollte Hütter für den restlichen Saisonverlauf uneingeschränkt setzen. Bleibt Zakaria über den Januar hinaus im Kader, wäre der Schweizer der optimale Nebenmann - vorausgesetzt Hütter kann aus ihm das Leistungsmaximum trotz unklarer sportlicher Zukunft herauskitzeln.

Neuzugang Manu Koné konnte gegen die Eisernen ebenfalls überzeugen. Auf den Schultern des 20-Jährigen kann man die aktuelle Situation aber nicht laden - ähnlich wie bei Scally und Netz. Möglich wäre aber, dass Hütter mit Koné UND Kramer und Zakaria im Zentrum spielen lässt. Stichwort: Stabilität

5. Das Flügelspiel verbessern

1. FC Köln v Borussia Mönchengladbach - Bundesliga
Auf Jonas Hofmann kommt es im Offensivspiel besonders an / Dean Mouhtaropoulos/GettyImages

Mit drei Zentrumsspielern wäre das Flügelspiel naturgemäß etwas geschwächt. Dieser Punkt mutet daher etwas Paradox an. Vor allem, weil Hütter mit Neuhaus und Hofmann auch auf spielstarke Zentrumsspieler auf einer möglichen Doppelzehn setzen könnte (dann müsste Koné weichen).

Allerdings ist es Lainer und Bensebaini dank ihrer Laufstärke zuzutrauen, offensiv über die Außen für noch mehr Gefahr sorgen zu können. Aus einer starken Mitte kann im letzten Drittel immer wieder aus der Halbspur heraus nach außen gegeben werden.

Im Saisonverlauf rangiert die Borussia bei der Anzahl von Flanken aus dem Spiel auf dem 17. Platz. Wie gefährlich Hereingaben potenziell werden können, hat nicht erst der Auswärtssieg in München zum Jahresauftakt gezeigt.

Mit Jonas Hofmann verfügt man zudem über einen Spieler, der immer wieder auch auf den Flügel ausweichen kann, um dort Lainer oder Bensebaini zu unterstützen.

6. Lösungen bei Thuram und Plea finden

Alassane Plea, Marcus Thuram
Von Thuram und Plea sollte man sich schnellstmöglich trennen / Matthias Hangst/GettyImages

Wenn man die oberen Punkte liest, wird schnell deutlich, dass das französische Offensiv-Duo keine Rolle mehr spielen sollte. Zwar könnten sowohl Plea als auch Thuram potenziell das Flügelspiel ankurbeln und für Torgefahr sorgen. Ihre Qualitäten bringen die beiden Angreifer aber schon lange nicht mehr auf dem Platz.

Beide machen den Eindruck, als wäre ihnen die Borussia herzlich egal. Ob das tatsächlich so ist, kann man nicht mit Sicherheit behaupten. Doch allein der Eindruck reicht in der aktuellen Lage aus, um zu sagen, dass es keinen Sinn mehr macht.

Am besten wäre es aus Gladbacher Sicht, wenn Eberl beide in diesem Januar noch verkaufen kann. Finanziell könnte man sich etwas konsolidieren. Im Kader würde Platz geschaffen und Störfaktoren entfernt werden. Denn seien wir ehrlich: nichts anderes sind Thuram und Plea derzeit.

7. Nach Offensiv-Verstärkungen Ausschau halten

Max Eberl
Hat Eberl noch Januar-Verstärkungen im Blick? / Sebastian Widmann/GettyImages

Mit der Ablöse für Thuram und Plea könnte Eberl vielleicht sogar nochmal Ausschau halten. Nach einem neuen Mittelstürmer - oder nach einem dribbelstarken Akteur für den Flügel.

Beides wird in der letzten Transferwoche schwierig zu realisieren sein. Der Versuch wäre es aber auf jeden Fall wert.


Alles zur Fohlenelf bei 90min

facebooktwitterreddit