Borussia Mönchengladbach

Intern brodelt es: Warum Adi Hütter in Gladbach trotzdem fest im Sattel sitzt

Simon Zimmermann
Adi Hütter will in Bochum wieder auf der Bank sitzen
Adi Hütter will in Bochum wieder auf der Bank sitzen / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages
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Sportlich ist die Lage von Borussia Mönchengladbach nach dem Heimsieg gegen die Hertha etwas entspannter. Intern soll es dagegen weiter brodeln. Trotz allem sitzt Trainer Adi Hütter fest im Sattel.


Der 2:0-Sieg gegen die Hertha tat richtig gut. Am besten wohl einem, der überhaupt nicht im Stadion war. Gladbach-Chefcoach Adi Hütter musste das Heimspiel von der heimischen Couch aus anschauen. Der 52-jährige Österreicher konnte sein Team aufgrund einer Corona-Infektion nicht vor Ort betreuen.

Dennoch ging er als größter Gewinner des vergangenen Samstagabend hervor. Die Diskussionen um den Fohlentrainer sind zumindest kurzzeitig abgeflacht, der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt nun wieder beruhigendere sieben Punkte. Am kommenden Freitag beim VfL Bochum (20.30) könnte die Borussia den endgültigen Schritt zurück ins gesicherte Tabellenmittelfeld gehen.

Es knistert zwischen Hütter und dem Team

Ob dann auch die Fragezeichen passé sind, dass Hütter der richtige Trainer für den VfL ist? Fraglich! Intern soll es weiter knistern im Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft. Die Sportbild berichtet vom Vorgehen nach der 2:3-Pleite in Stuttgart in der Woche zuvor. Die Vereinsbosse und Hütter trommelten die Mannschaft zusammen - wohl um sich auf die kommenden Wochen einzuschwören.

Hütter soll versucht haben, die bittere Niederlage aufzuarbeiten. Zum Teamtreffen kam Alassane Plea aber erstmal zu spät. Der Fohlencoach soll die vorgesehene Geldstrafe für den Franzosen verdoppelt haben! Plea habe im Anschluss eine abfällige Geste in Richtung Hütter gemacht, will die Sportbild aus dem Team erfahren haben. Ob das der Tatsache entspricht oder nicht: Allein die Gerüchte darüber zeugen vom angespannten Klima.

Alassane Plea
Auf dem Platz zeigt Alassane Plea endlich wieder gute Leistungen / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages

Videoanalyse: Lange Diskussion zwischen Kramer und Hütter

Im Anschluss sollen in der Videoanalyse des Spiels vor allem Christoph Kramer und Hütter lange diskutiert haben. Der Weltmeister von 2014 sprach die von ihm erkannten Fehler aus dem Spiel sachlich an, heißt es. Hütter soll die längeren Diskussion damit beendet haben, dass er sagte, er wolle das in dieser Form nicht ausdiskutieren.

Direkt nach dem Schlusspfiff hatte Kramer bei Sky öffentlich deutliche Worte gewählt: "Ich weiß auch nicht, wer uns hilft, vielleicht der leibe Gott." Es habe auf dem Platz fast nichts mehr funktioniert, so Kramer weiter.

Für diese Aussagen musste der Routinier beim neuen Sportchef Roland Virkus zum Rapport antreten. Ebenfalls ein Vorgang, der von internen Spannungen zeugt. Wirklich gut angekommen sein innerhalb der Mannschaft dürfte das jedenfalls nicht. Kramer hatte im Prinzip nur ausgedrückt, was für alle ersichtlich war.

Christoph Kramer, Tiago Tomas
Christoph Kramer wird gerne mal deutlich / Markus Gilliar/GettyImages

Trainer vs. Mannschaft

In Gladbach ist es mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass Adi Hütter den Kader nicht als passend für seine eigene Idee vom Fußball erachtet. Das Team wiederum kritisiert in einigen Spielen die Taktik des Trainers. Konsens soll zum Großteil darüber herrschen, dass es "massiv stört", dass einige Spieler immer wieder die Anweisungen der Trainer missachten.

Marcus Thuram, der in den letzten Wochen häufig mit lustlosen Auftritten, vor allem in der Defensive, auffiel, kann hier als Beispiel genannt werden. Doch nicht nur bei ihm sind Hütter die Hände gebunden: Gladbach hat derzeit keine großen Alternativen zur Verfügung. Zudem sollen sich Thuram, Plea und Co. in den Fokus spielen, damit sie für andere Klubs interessant werden/bleiben. Beide haben nur noch bis 2023 Vertrag und sollen im Sommer zu Geld gemacht werden.

Warum Gladbach sich eine Hütter-Trennung nicht leisten kann

Denn klar ist: Hält Virkus an Hütter fest, braucht es am Saisonende einen Kader-Umbruch. Zum einen, um die Risse innerhalb des Teams zu kitten. Zum anderen, um die Mannschaft nach den Vorstellungen des Trainers umzubauen.

Selbst wenn man sich von Hütter trennen sollte, werden großflächige Kader-Umbauten nötig sein. Ein Punkt, der klar dagegen spricht, dass Hütter gehen muss. Nicht nur wegen der 7,5 Millionen Euro Ablöse, die man an Frankfurt zahlte. Sondern vor allem, weil Hütter und sein Trainerteam bis 2024 unter Vertrag stehen. Damit würden bis zu sechs weitere Millionen an Gehaltszahlungen ausstehen.

Geld, das der Verein dringend für Spieler-Transfers braucht!


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