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Auf den Spuren von Michael Ballack: Wohin geht Kai Havertz?

Kai Havertz
Heiß begehrt in Europa: Kai Havertz | Pool/Getty Images

Ja, wohin geht er denn nun, der Kai Havertz? Zu Chelsea, die angeblich schon dabei sind, das Geld für den 21-jährigen offensiven Mittelfeldspieler zusammenzukratzen? Oder wartet er immer noch auf diesen einen Anruf aus Madrid? Ein Wechsel zu den Blues würde natürlich Erinnerungen an Michael Ballack wachrufen.

Und zwar in doppelter Hinsicht. Denn als der Capitano im Frühjahr 2006 bei den Blues anheuerte, war auch Real Madrid sehr an seinen Diensten interessiert. Viele Beobachter des spanischen Fußballs waren sogar davon überzeugt, dass der Weg des Vize-Weltmeisters von 2002 nur ins Bernabéu-Stadion führen könnte. Angeblich soll er auch schon fleißig Spanisch gepaukt haben. Doch am Ende machten die Londoner das Rennen.

Zwar konnte Ballack mit Chelsea nicht mehr als eine Meisterschaft und drei FA-Cups (sowie den englischen Liga- und Supercup) gewinnen, doch falls es ihm zum Trost gereicht: in jenen Jahren hätte er mit Real wohl auch nicht viel mehr geholt. Denn Ballacks Hochzeit fiel just in eine Phase, in der sich Real Jahr für Jahr bereits im Achtelfinale der Königsklasse verabschiedete.

Chelsea träumt von Havertz - und einem beeindruckenden Angriffs-Trio
Chelsea träumt von Havertz - und einem beeindruckenden Angriffs-Trio

Ballacks Chelsea war stärker als das heutige

Dennoch muss man bei allen Ähnlichkeiten der Situationen Ballacks und Havertz' auch die Unterschiede herausschälen: das Chelsea von 2020 ist von der Klasse her sicherlich nicht mit dem Team von vor fünfzehn Jahren zu vergleichen. Besaß Chelsea anno 2006 im Grunde genommen einen Kader, mit dem seriöserweise alle möglichen sportlichen Ziele erreichbar schienen, backt man an der Stamford Bridge heutzutage etwas kleinere Brötchen. Darüber darf auch der erst kürzlich eingetütete Werner-Deal (auf 53 Millionen Euro beziffert) nicht hinwegtäuschen. Wenn heutzutage die fünf Kandidaten auf den Gewinn der Champions League genannt werden sollen, fallen die Namen von Liverpool, Real, Barça, Manchester City, PSG und Bayern - vielleicht noch der von Juventus. Mit Sicherheit aber nicht der von Chelsea.

Er ist ein Spieler für Real Madrid!

Oliver Bierhoff, via Marca

Müßig darüber zu spekulieren, ob dies nun eher gut oder schlecht für Havertz ist. Man kann sich aber schon fragen: warum sollte man sich freiwillig beschränken und auf ein geringeres Niveau abzielen, als man es eigentlich könnte? Denn, dass Havertz die Klasse auch für die ganz, ganz Großen hat, haben wir alle schon mit eigenen Augen gesehen. Und falls jemand doch nicht so ganz seinen eigenen Eindrücken vertraut, sei ihm ein Zitat von Oliver Bierhoff vorgelegt. Der sagte erst vor ein paar Tagen: "Er ist ein Spieler für Real Madrid!" (Quelle: marca.com). Warum also nicht gleich ins Obergeschoss, statt noch eine Warterunde in den drunter liegenden Etagen zu drehen?

Wer ist in diesem Corona-Sommer bereit, die ganz großen Summen auszugeben?

Natürlich geht es bei Transfers nicht nur darum, was der Spieler will und plant. Auch beide Klubs (abgebender und aufnehmender) müssen mitspielen - und unter sich auch handelseinig werden. Durch die Corona-Pandemie sind die Klubs in ihrem Handeln vorsichtiger geworden - zumindest haben einige es so angekündigt. Auch Real Madrid hat vor einiger Zeit mal laut nachgedacht und das Szenario einer Quasi-Null-Runde in den Raum geworfen. Sprich: gar keine teuren Transfers in diesem Sommer. Ähnliches gab es aus Liverpool zu vernehmen. Doch da sich auch Real nicht sicher sein kann, ob tatsächlich alle anderen Big Shots (in der Premier League, in der Serie A, in der Bundesliga oder in der Primera División) gleichermaßen ihre Füße still halten, laufen sie natürlich Gefahr, am Ende in die Röhre zu gucken und einen der vielversprechendsten Fußballer der Gegenwart an die Konkurrenz zu verlieren.

Es bleibt also spannend in der Causa Havertz. Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn er am Ende bei den Königlichen anheuert und dort die Serie von deutschen Spielern um einen weiteren Namen erweitert.