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Auf dem Weg zum Triple: Die möglichen Champions-League-Gegner für den FC Bayern im Check

Riyad Mahrez, Daniel Carvajal
Im Halbfinale der Champions League könnte der FC Bayern auf Manchester City oder Real Madrid treffen | Robbie Jay Barratt - AMA/Getty Images

Am Freitag wurden die Paarungen für das Blitz-Turnier der Champions League ausgelost. Mit dem FC Bayern und RB Leipzig sind zwei Bundesligisten vertreten, auf beide Mannschaften wartet ein schwieriges Programm. 90min nimmt die möglichen Gegner der Bayern unter die Lupe.

Gemischtes Viertelfinale: Bissiges Napoli, formschwaches Barça

Zunächst einmal steht für den FC Bayern das Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea auf dem Programm. Nach dem 3:0-Erfolg im Hinspiel steht das Tor zum Viertelfinale weit offen, ein Spaziergang wird die Partie nach einem Monat ohne Spielpraxis aber nicht. Allerdings könnte es sich als Vorteil erweisen, dass die Bayern - anders als Leipzig - vor dem Viertelfinale noch ein Spiel bestreiten müssen. Denn so droht zumindest kein kompletter Kaltstart.

Sollten die Münchner das Viertelfinale erreichen, wartet der Sieger der Achtelfinal-Begegnung SSC Neapel vs. FC Barcelona. Napoli, trainiert von Gennaro Gattuso, belegt in der Serie A nur den fünften Platz, ist aber gut aus der Corona-Pause gestartet. Von sieben Partien wurden fünf gewonnen - darunter das Finale der Coppa Italia gegen Juventus Turin. Punktverluste erlitt Napoli nur gegen Inter Mailand (1:1) und Atalanta Bergamo (0:2).

Gennaro Gattuso
Gennaro Gattuso hat Napoli wieder auf Kurs geführt | Francesco Pecoraro/Getty Images

Gegen ballbesitzorientierte Mannschaften wie Barça oder Bayern setzt Gattuso auf eine tiefe und dicht gestaffelte Defensive, in Umschaltmomenten schwärmt die pfeilschnelle und torgefährliche Offensive aus. Nach einem schwachen Saisonstart unter Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti hat er den Verein wieder auf Kurs geführt, steht nach 22 Pflichtspielen bei einem Schnitt von zwei Punkten pro Spiel. Vorsicht ist vor Strippenzieher Fabian Ruiz im zentralen Mittelfeld geboten, auch die Angreifer Arkadiusz Milik, Dries Mertens und Lorenzo Insigne sind enorm gefährlich.

Luis Suarez
Der FC Barcelona ist noch immer auf der Suche nach der Top-Form | David Ramos/Getty Images

Barça hingegen ist kaum mehr wiederzuerkennen. Die Blaugrana spielen auch unter Quique Setien einfallslosen und langsamen Fußball. Viel hängt von Lionel Messi ab, zudem ist Antoine Griezmann noch immer nicht in der Mannschaft angekommen. Seit der Umstellung auf ein 4-4-2 mit Mittelfeld-Raute steigt die Formkurve leicht nach oben, doch neben der meist harmlosen Offensive sorgt auch die Abwehr mit zahlreichen Lücken für viele Sorgenfalten. Solange keine drastischen Veränderungen eintreten, können sich die Bayern wie im Halbfinale der Saison 2012/13 durchsetzen.

Im Halbfinale wartet die größte Hürde

Sollten die Bayern das Halbfinale erreichen, wartet mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein europäisches Schwergewicht. Die möglichen Gegner: Manchester City, Real Madrid, Juventus Turin und Olympique Lyon.

Ein Duell mit ManCity würde gleichzeitig ein Wiedersehen mit Pep Guardiola bedeuten. Unter seiner Leitung spielen die Skyblues extrem dynamischen und hochoffensiven Fußball, stets mit dem Ziel, bis zur Grundlinie zu marschieren und dann einen scharfen Pass in den Strafraum zu spielen, in dem der Stürmer oder ein eingerückter Mittelfeldspieler einschussbereit steht.

Josep Guardiola, Craig Fleming
Sehen sich die Bayern und Pep Guardiola vier Jahre nach der Trennung wieder? | Robin Jones/Getty Images

Allerdings ist City nicht unverwundbar. Nach dem Abgang von Vincent Kompany und einigen Verletzungssorgen ergeben sich immer wieder Lücken, die es auszunutzen gilt. In Anbetracht der aktuellen Form (5 Siege, 2 Niederlagen seit dem Re-Start in England) gilt City als größter Konkurrent der Bayern im Kampf um die Champions-League-Krone.

Dani Carvajal, Eder Militao, Karim Benzema, Luka Modric
Real Madrid ist mit dem Rücken zur Wand - aber in sehr guter Verfassung | Soccrates Images/Getty Images

Im Achtelfinale muss die Guardiola-Elf zunächst Real Madrid bezwingen. Nach dem 2:1-Erfolg im Hinspiel ist das Weiterkommen denkbar, aber nicht garantiert. Die Königlichen haben die Tabellenspitze in der Primera Division erobert, haben jede Partie seit dem Re-Start gewonnen und verfügen mit 13 Champions-League-Titeln - drei davon allein unter Zidane - über jede Menge Erfahrung. In den vergangenen Jahren haben sich die Madrilenen zum Nemesis der Bayern entwickelt, seit 2014 war drei Mal gegen die Blancos Schluss. Es wären Nuancen, die dieses Duell entscheiden - doch erstmals seit 2012 könnten sich die Münchner durchsetzen.

Leonardo Bonucci
Taumelnder Riese: Juventus ist in dieser Saison anfällig | Marco Luzzani/Getty Images

Juventus Turin ist der dritte große Name. Die Alte Dame ist der italienische Dauermeister, ließ unter Maurizio Sarri aber lange Zeit den Esprit aus den vergangenen Jahren vermissen. Doch seit dem Re-Start zeigt die Formkurve wieder nach oben. In den letzten 5 Ligaspielen erzielte die Sarri-Elf 15 Tore, Niederlagen wie das 2:4 gegen die AC Mailand haben aber offenbart, dass sie noch immer anfällig ist. Dank des harmlosen Restprogramms und sieben Punkten Vorsprung auf Verfolger Lazio kann sich Juve gezielt auf die Champions League vorbereiten. Zu erwarten wäre ein ähnlich spannendes Duell wie im Achtelfinale der Saison 2015/16.

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Olympique Lyon hat nur Außenseiterchancen | JEFF PACHOUD/Getty Images

Olympique Lyon ist dagegen in dieser Konstellation der Außenseiter. Seit Mai ist der Tabellensiebte der Ligue 1 ohne Spielpraxis, trotz Star-Spieler wie Moussa Dembélé, Memphis Depay oder Houssem Aouar und einer guten Ausgangslage nach dem 1:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Juve sind die Chancen auf einen Einzug ins Halbfinale gering. In einem möglichen Viertelfinale wartet entweder Manchester City oder Real Madrid - beide Mannschaften sind eine Nummer zu groß.

Das Finale: Wiedersehen mit Atlético? Oder Wembley-Reloaded?

Auch im Finale könnte ein echter Brocken warten. So treffen RB Leipzig und Atlético Madrid sowie Atalanta Bergamo und Paris St. Germain im Viertelfinale aufeinander.

Julian Nagelsmann,
Kommt es zum dritten Aufeinandertreffen zwischen Bayern und Leipzig? | Alexander Hassenstein/Getty Images

Bayern und Leipzig kennen sich bestens aus der Bundesliga. In dieser Saison endeten beide Duelle Remis, insgesamt aber haben die Münchner erst eine Niederlage in zehn Aufeinandertreffen kassiert. Besonders das DFB-Pokalfinale 2019 dürfte noch in den Köpfen schweben, in Berlin setzten sich die Bayern mit 3:0 durch. Ohne Timo Werner und ohne Achtelfinal-Spielpraxis steht RB vor einer großen Herausforderung, die Mannschaft von Julian Nagelsmann zählt zu den Außenseitern.

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Erinnerungen an das Halbfinale 2016: Revanchieren sich die Bayern bei Atlético? | JOHN MACDOUGALL/Getty Images

Anders sieht das bei Atlético aus. Die Rojiblancos sind immer ein gefährlicher Gegner, im Achtelfinale musste sich Titelverteidiger FC Liverpool geschlagen geben. Nach dem Re-Start in Spanien sind Diego Simeone und die Seinen noch ungeschlagen, neben einer sattelfesten Defensive zeigt die Mannschaft auch spielerisch immer stärkere Leistungen. Letztmals standen sich beide Mannschaften in der K.o.-Phase im Halbfinale 2016 gegenüber, trotz einer dominanten Vorstellung der Bayern im Rückspiel setzte sich Atlético durch. Weil ab dem Viertelfinale nur noch ein Spiel gespielt wird, könnte Atléti bis ins Finale einziehen; doch auch der defensive Spielstil ist äußerst kräfteraubend.

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Underdog? Von wegen! Atalanta Bergamo ist nicht zu unterschätzen | Emilio Andreoli/Getty Images

Atalanta Bergamo gilt es derweil nicht zu unterschätzen. Die Italiener haben sich erstmals für die Königsklasse qualifiziert, haben im Achtelfinale den FC Valencia bezwungen und belegen derzeit Rang drei in der Serie A. Die Mannschaft spielt berauschenden Offensivfußball, ist seit wettbewerbsübergreifend 13 Pflichtspielen ungeschlagen und hat in dieser Periode 43 (!) Tore erzielt. Insgesamt hat Atalanta vor dem 32. Spieltag in der Serie A 85 Tore auf dem Konto - dahinter liegt Lazio Rom mit 67 Treffern. Ähnlich wie die Bayern könnten auch sie die 100-Tore-Marke knacken - ein direktes Aufeinandertreffen würde ein vielversprechendes Duell bedeuten.

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Das große Fragezeichen: Wie weit schafft es Paris St. Germain in diesem Jahr? | SASCHA SCHURMANN/Getty Images

Im Viertelfinale wird sich Atalanta allerdings gegen Paris St. Germain durchsetzen müssen. Der französische Serienmeister ist wie Lyon seit Mai im Zwangsurlaub, eine ähnliche Überraschung wie in der vergangenen Spielzeit, als sich Manchester United gegen das Starensemble durchgesetzt hat, ist daher nicht ausgeschlossen. Es bleibt abzuwarten, wie Thomas Tuchel seine Mannschaft vorbereiten wird und wie schnell Neymar und Kylian Mbappé in Fahrt kommen. In Paris ist die Sehnsucht nach dem Henkelpott riesig, doch es darf angezweifelt werden, dass ausgerechnet in diesem Jahr der große Wurf gelingt.