Im Sommer endet Mario Götzes Vertrag bei Borussia Dortmund, eine Verlängerung ist längst kein Thema mehr. Es droht ein leiser Abschied von dem Klub, bei dem er einst zum Jahrhunderttalent gereift war.


Es glich der Wiederkehr des verlorenen Sohnes, als Mario Götze 2016 in Dortmund präsentiert wurde. Drei Jahre zuvor, am 23. April 2013, schlug die Meldung, dass der offensive Mittelfeldspieler zum ​FC Bayern wechseln wird, ein wie eine Bombe. Ausgerechnet einen Tag vor dem Halbfinal-Hinspiel in der ​Champions League gegen ​Real Madrid, das der BVB mit 4:1 gewann, eröffneten die Bayern eine Schlammschlacht mit dem neuen Erzrivalen und sicherten sich den damals 20-jährigen Götze, der als Vorreiter einer Generation neuer deutscher Fußballtalente galt und unter Jürgen Klopp mit 31 Toren und 44 Vorlagen in 116 Pflichtspielen glänzte. In München, unter Pep Guardiola, konnte Götze die extrem hohen Erwartungen jedoch nicht erfüllen, sein einziges Highlight bleibt bis heute das Tor im WM-Finale gegen Argentinien. 


Seither ist Götze nur noch ein Schatten seiner selbst, die Rückhol-Aktion des BVB war ebenso erfolglos wie schon bei Shinji Kagawa und Nuri Sahin. Seit der Saison 2016/17 durfte Götze 101 Mal aufs Spielfeld, erzielte dabei 14 Tore und lieferte 17 Vorlagen. 14 seiner 31 Torbeteiligungen stammen aus der vergangenen Saison, in der er je sieben Mal als Torschütze und Vorbereiter erfolgreich war und sich dennoch Paco Alcácer beugen musste. Seit der Rückrunde dieser Saison führt kein Weg an Erling Haaland vorbei, hinter dem Norweger genießen derweil andere Künstler wie Jadon Sancho, Marco Reus, Julian Brandt oder Thorgan Hazard den Vorzug. 


Kühler Abschied: Die Wege trennen sich


Es droht ein kühler und leiser Abschied. Wie seit Monaten berichtet wird, liegt eine Vertragsverlängerung wegen unterschiedlicher Gehaltsvorstellungen auf Eis, laut BILD haben sich beide Parteien längst auf eine Trennung im Sommer verständigt. Der Klub sehe in Götze "keine dauerhafte sportliche Verstärkung", Götze wiederum wolle keine Gehaltseinbußen hinnehmen und weiterhin ein Jahressalär im zweistelligen Millionenbereich beziehen.

Das zweite Kapitel in Dortmund dürfte ohne große Gefühle vorübergehen. Dafür waren Götzes Leistungen im Großen und Ganzen zu schwach und zu gekittet scheint das Verhältnis zu den Fans, die den Bayern-Wechsel wohl nie verstehen werden. Da die Saison wegen der Corona-Pandemie stillsteht und völlig unklar ist, ob und wann wieder gespielt wird, steht eine Trennung hinter den Kulissen bevor. Und auch wenn der Ball in einigen Wochen wieder rollen sollte: Im aktuellen System hat Götze keine rosige Aussicht auf Spielpraxis.


Diesmal wird es keine Pauken und Trompeten geben, keinen Shitstorm im Netz. Diesmal, so scheint es, verläuft die Trennung kühl, professionell - und irgendwie dürfte sie den Fans auch egal sein. Mario Götze wird Dortmund nicht als gefeierter Held verlassen, sondern als ewiges Talent, das zu früh zu viel gewollt hat und die großen Hürden auf dem Weg in die Weltspitze nie überwinden konnte. Wohin es ihn ziehen wird, ist unklar.