Hansi Flick hat den FC Bayern nach seiner Amtsübernahme im November wieder auf die Erfolgsspur gebracht. Zwölf Siege in 14 Pflichtspielen belegen das. Dennoch zögert die Klub-Führung, ihm bereits jetzt auch über das Saisonende hinaus das Vertrauen auszusprechen. Was durchaus auch Sinn macht.


Seit Hansi Flick das Zepter bei den ​Münchener Bayern von Vorgänger Niko Kovac übernommen hat, flutscht es wieder, wie man so schön sagt. In der Liga hat sich der Branchenprimus weitestgehend stabilisiert, grüßt vor dem Spitzenspiel gegen ​RB Leipzig (So, 18.00 Uhr) von der Tabellenspitze. Da stand der FC Bayern in dieser Spielzeit bislang nur einmal - nach dem 6. Spieltag. Kurioserweise noch unter Flicks Vorgänger. 


Trotz der augenfälligen Steigerung der Mannschaft vermeiden es die Bosse (noch), allen voran Präsident Herbert Hainer, dem 54-Jährigen auch über den Mai 2020 hinaus eine Anstellung als Cheftrainer beim Rekordmeister in Aussicht zu stellen. Was gar nicht mal so dumm ist. Denn: es hält die Spannung hoch - beim Trainer und bei der Mannschaft.

Jan-Christian Dreesen,Herbert Hainer

Die Bayern-Bosse beobachten die Trainer-Situation genau



Hinzu kommt, dass man auch unter Hansi Flick schon Negativerlebnisse (Niederlagen gegen Leverkusen zuhause und bei Borussia Mönchengladbach) verarbeiten musste. Selbst das erfolgreich gestaltete ​Pokalspiel gegen die TSG Hoffenheim bot von allem was: früher Rückstand, souveräne Drehung des Spiels, um dann zum Ende der Partie nochmal so richtig ins Schwitzen zu kommen. Und jetzt beginnt sozusagen die 'crunch time' der Saison, die sich dann bis zum Mai hin ausdehnen wird.


Präsident Hainer sieht aktuell keinen Handlungsbedarf - und hat recht damit!


Im Gespräch mit Sport1 sagte Hainer nun: "Wir haben ihm [Flick, Anm.] jetzt das Vertrauen bis zum Ende der Saison ausgesprochen und wenn die Saison zu Ende ist, dann wird analysiert. Dann wird sich der Vorstand hinsetzen. Wir haben so viel Sportkompetenz mit Hasan Salihamidzic, Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn. Sie werden dann an den Aufsichtsrat einen Vorschlag machen und wir werden das beraten."


Klingt auf jeden Fall plausibel und schlüssig. Und was wissen wir Medien schon, was die Bayern intern und im stillen Kämmerlein bereits für Absprachen getroffen haben.


Wenn Hansi Flick nur so weiter arbeitet wie bislang - also erfolgreich -, wäre alles andere als eine Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus eine ziemliche Überraschung. Er scheint beim Gros der Mannschaft gut anzukommen, hat genügend Expertise als Co-Trainer von Nationalcoach Jogi Löw (2006-2014), zuvor als Cheftrainer der TSG Hoffenheim (2000-2005) und besitzt die sogenannte Bayern-DNA (Flick spielte von 1985 bis 1990 für die Münchener, mit Jupp Heynckes und Udo Lattek als Trainer). 

Hansi Flick,Thomas Mueller,Robert Lewandowski

Hatten zuletzt viel Grund zum Jubeln: Flick mit Thomas Müller und Robert Lewandowski



Dennoch - auch für ihn gilt natürlich das Leistungsprinzip. Und das ist rund um die Allianz-Arena nochmal etwas höher gehängt als bei anderen Klubs. 


Ein Aus in der ​Champions League (im Achtelfinale oder eine Runde später), ein mögliches Straucheln im heimischen Cup-Wettbewerb (Auslosung des Viertelfinales ist am kommenden Sonntag) und eine kleinere Durststrecke in der Liga - und schon sieht das momentan rosarote Panorama in München komplett anders aus. 


Von daher wird es keinen Schnellschuss aus der Hüfte und einer punktuellen Emotion heraus geben. Was auch Hainer nochmals bekräftigte: "Nein, nein. Wir werden jetzt die Saison abwarten, uns dann mit Hansi Flick zusammensetzen und dann werden wir auch eine Entscheidung treffen." Flick und seine Mannschaft haben es in den kommenden Wochen in der eigenen Hand, diese auf sich fallen zu lassen.