​Quique Setién wird neuer Trainer des ​FC Barcelona. Für den 61-jährigen Bewunderer von Johan Cruyff wird damit ein Traum war. Den Stil des Holländers hat Setién auf allen seinen bisherigen Trainerstationen zum Modell seiner Arbeit erhoben.


Begonnen hat Setiéns Trainerkarriere in seinem Stammverein Racing Santander, für den er zwischen 1977 und 1985 auch bereits die Stiefel als Spieler geschnürt hatte. 


Spanien von Nord bis Süd als Trainer bereist


Über die Kurzaufenthalte im südspanischen El Ejido (2003), als Nationaltrainer Äquatorial-Guineas (2006-2007) und in Logroño (2007-2008) landete er 2009 im galizischen Lugo, wo er sechs Jahre wirkte. 


Zum ersten Mal in seiner Karriere als Coach fand Setién im Nordwesten Spaniens die langgesuchte Stabilität. Den als Fahrstuhlmannschaft zwischen zweiter und dritter Liga verschrienen Klub führte er drei Jahre nach seiner Ankunft in die zweite Liga Spaniens und hielt ihn dort während seiner gesamten restlichen Amtszeit. 


Vom Nordwesten Kontinentalspaniens ging es danach auf die Kanarischen Inseln. Mit der UD Las Palmas erreichte Setién als Entwickler und Bessermacher einer Mannschaft (und ihrer einzelnen Spieler) neue Höhen. Unter ihm machten Spieler wie Jonathan Viera, Willian José, Roque Mesa oder Vicente große Entwicklungsschritte. 


Cruyff als Vorbild


Das ballbesitzorientierte Spiel der Kanaren glich mehr dem eines Spitzenteams denn dem eines permanenten Abstiegskandidaten. Für den in der nordspanischen Provinz Cantabria geborenen Setién gab es zu diesem Stil nie wirklich eine echte Alternative.


"Mein Spielmodell basiere ich hauptsächlich auf den Ballbesitz", sagte Setién einmal gegenüber der Marca. "Das ist meine Maxime. Wenn du den Ball hast, kann keiner ein Tor gegen dich schießen. Außer wenn du ihn dir selbst reinhaust, klar. Jeder Spieler genießt das Spiel viel mehr, wenn er den Ball hat, als wenn er dem Ball hinterherlaufen muss."


Das ist im Grunde genommen die Quintessenz des Modells seines großen Vorbildes Johann Cruyff. Und Setién bewies, dass das Modell auch mit weitaus geringeren Mitteln funktioniert als beim großen FC Barcelona. Dennoch war sein Abgang verbunden mit einigen Misstönen. Vielleicht auch ein wenig selbst verschuldet. 


Denn in Las Palmas hielt es Setién für eine gute Idee, während seiner zweiten Saison bereits im März 2017 anzukündigen, den Verein zum Saisonende zu verlassen. Die Entscheidung war letztlich eine Folge ständiger Querelen mit dem Präsidenten des Klubs. Auch dies ein Charakteristikum dieses sehr speziellen Trainers. Nach einer harmonischen Einarbeitungsphase erlebte Setién auf vielen seiner Trainerstationen einen Bruch nach dem ersten Jahr. 


Und so verließ Setién die Insel schon nach zwei Jahren wieder in Richtung Festland, um Betis Sevilla zu übernehmen. Die waren mittlerweile auch schon zu so etwas wie einer Fahrstuhlmannschaft (zwischen erster und zweiter Liga) verkommen und konnten den Input Setiéns gut brauchen.


Betis wieder nach Europa geführt


Auch in Andalusiens Hauptstadt implementierte Setién seinen Ballbesitzfußball, reaktivierte Spieler wie ​Joaquín, Bartra oder Guardado, scharrte weitere gute Kicker um diese erfahrenen Leute und reicherte das Ganze mit einer gehörigen Prise Talent an: Junior Firpo, Fabián und Loren machten unter Setién ihre ersten wichtigen Schritte in der Primera División.

 

In der Folge spielte Betis einen der attraktivsten Spielstile in der gesamten spanischen Liga. Mit einem sechsten Platz in seiner Premierensaison bei den Béticos schaffte Setién den Sprung in die Europa League. Es war Betis' Rückkehr in den europäischen Fußball nach fünfjähriger Abstinenz.


Nun also übernimmt Setién den mächtigen Großklub FC Barcelona. Ein Verein mit vielen Angestellten und noch mehr Eitelkeiten. Ein Haifischbecken, in dem sich zu bewegen man auch erst einmal lernen muss. Angesichts Setiéns fast schon traditioneller Probleme mit den ihn umgebenden Leuten, spätestens im zweiten Jahr einer jeden Amtszeit von ihm, darf man gespannt sein, ob dieses Experiment wirklich glückt.