Philippe Coutinho kam mit großem Bohei in diesem Sommer zum ​FC Bayern München. Boah, ein ​Barça-Star bei unserem FC Bayern! Viele Fans der Roten sahen sich plötzlich schon auf Augenhöhe mit den ganz großen Jungs in Fußball-Europa. Doch wie das manchmal so ist: Die Euphorie verflog schnell - und übrig blieb bislang ein Millionen-Missverständnis.


Denn nach diesem sieht es ganz offenbar aus, wenn man sich die bisherige Leistungsbilanz des Brasilianers anguckt. Zwar lesen sich sechs Scorerpunkte (drei Tore, drei Vorlagen) in zwölf Liga-Einsätzen erstmal recht ordentlich. Doch wir reden hier vom FC Bayern München. 


Coutinho bislang mehr Mitläufer als Unterschieds-Spieler


Dass sich der deutsche Branchenprimus in so gut wie jedem Spiel mehr Chancen herausspielt, als der Rest, ist klar und liegt in der Natur der Sache. Dass dadurch natürlich die offensiven Kräfte beim Rekordmeister entsprechend häufig in Abschlusssituationen kommen, ist dann ebenfalls nur folgerichtig. Deshalb - und nicht weil er ein solcher Weltklassestürmer ist - schießt ja auch ein Lewandowski so viele Tore. 


Seine Treffer erzielte der Brasilianer übrigens gegen den Aufsteiger ​1. FC Köln (als Bayern 4:0 gewann), beim ebenfalls aufgestiegenen SC Paderborn, als die Bayern ein schmeichelhaftes 3:2 einfahren konnten und zuletzt beim Kantersieg (4:0) gegen ​Fortuna DüsseldorfMan könnte auch sagen: Wenn es in der Truppe mal gut läuft, dann macht auch Coutinho sein Tor. 

Aine Coutinho,Philippe Coutinho

Coutinho und Ehefrau Aine bei der Weihnachtsfeier des FC Bayern



Bezeichnend auch, dass er im Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen erst in der 69. Minute, als Bayern schon 1:2 zurücklag, eingewechselt wurde. Doch blieb er in diesen 21 Minuten recht wirkungslos. Im eine Woche später stattfindenden Spiel beim Tabellenführer aus ​Mönchengladbach kam er gar nicht erst zum Einsatz. 


In der Königsklasse sieht es - rein numerisch - ähnlich aus: Sechs Spiele - drei Scorerpunkte (ein Tor, zwei Assists). Zunächst keine ganz schlechte Bilanz. Doch lohnt auch hier ein genauerer Blick: Die Torvorlagen gelangen dem Brasilianer bei den beiden Torfestivals der Münchener (beim 7:2-Sieg in Tottenham und beim 6:0-Erfolg in Belgrad). So gesehen ist jeweils eine Vorlage in diesen beiden Spielen auch nicht zu viel verlangt... Sein einziges Tor in der Champions League gelang dem Offensivspieler gestern im bedeutungslosen Spiel gegen die Spurs.


Geholt worden ist Coutinho jedoch als eine Art Superstar. Als Spieler, der den Unterschied macht. Als jemand, der die schwierigen Spiele gegen die starken Mannschaften entscheidet. Von diesem Niveau hat die Barcelona-Leihgabe jedoch noch gar nichts zeigen können. Ein paar hübsche Tricks, ein paar nette Dribblings, eine gewisse Schnelligkeit, elegante Ballbehandlung - alles schön und gut, aber dafür im Sommer 120 Millionen bezahlen? 


Eher nicht. Zumal die Münchener ja auch noch einiges vorhaben im kommenden Jahr. Rund um die Allianz-Arena träumen sie von den Verpflichtungen von Kai Havertz und Leroy Sané. Da für die beiden in Summe wohl um die 200 Millionen Euro fällig würden, wären mehr als 100 Millionen für Coutinho on top nicht mehr darstellbar. Zumal, wie gesagt, der sportliche Gegenwert komplett fehlt. 


Kaufoption fast schon als Mondpreis zu bezeichnen


​Bis zum Mai, so hatte Rummenigge kürzlich erklärt, müssen die Bayern dem FC Barcelona mitteilen, ob sie die Option ziehen oder nichtMan braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass sie Coutinho nach Barcelona zurückkehren lassen. Ich wage mal die Behauptung: Selbst 60 oder 70 Millionen wären für den Bayern-Coutinho noch viel zu viel. Wenn man bedenkt, dass ein Serge Gnabry gerade mal acht (!) Millionen gekostet hat...


Wenn wir über den ​Liverpool-Coutinho reden würden, sähe die Sache anders aus. Bei den Reds spielte sich der frühere Inter-Spieler zwischen Januar 2013 und Januar 2018 derart in den Vordergrund (99 Scorerpunkte in 201 Spielen), dass dem FC Barcelona seine Dienste 145 Millionen Euro wert waren. Doch schon der Wechsel zum spanischen Giganten geriet zum Flop. 

Philippe Coutinho,Jordan Henderson

Seine beste Zeit hatte Coutinho beim FC Liverpool



Neben Messi, Neymar, Suárez und Co. wirkte der schüchterne Brasilianer irgendwie gehemmt.

Und diese Blockade scheint er bis nach München mitgeschleppt zu haben. Auch bei seinen  Auftritten mit der canarinha wirkt er regelmäßig befreiter als im Verein. 


Doch das Fußballgeschäft ist gnadenlos. Der FC Bayern kann es sich einfach nicht leisten, zwei oder drei Jahre zu warten, bis Coutinho endlich explodiert. Zumal er mit 27 Jahren auch nicht mehr als Talent bezeichnet werden kann. Unter diesen genannten Aspekten gehe ich davon aus, dass die Liaison zwischen Coutinho und dem FC Bayern im Sommer zu Ende gehen wird.