​Lukas Podolski steht vor einem Abschied aus Japan. Am 31. Januar 2020 endet sein Vertrag bei Vissel Kobe, und nichts deutet darauf hin, dass der diesen noch einmal verlängern wird. Unlängst sagte der frühere Nationalspieler im letzten Liga-Spiel gegen Jubilo Iwata auf seine ganz persönliche Art und Weise "Sayonara" - und markierte noch einmal einen Hattrick. 


Beim Jubel nach dem zweiten seiner drei Tore deutete Podolski irgendwas in Richtung Döner und Abbeißen an. Und versetzte ganz Köln in fiebrige Erwartungshaltung. Holt der Effzeh den verlorenen Sohn zum zweiten Mal nach Hause?


​Allzu wahrscheinlich ist dieses Szenario nicht - zumal ​Christoph Daum offiziell zugegeben hat, dass er und die Kölner schon bei der ersten Rückhol-Aktion anno 2009 ziemlich getrickst und den Spieler richtiggehend getäuscht haben. 


Daum überzeugte Poldi mit Phantom-Verpflichtungen


Was war passiert? 


Wie Daum, damals Chef-Trainer bei den Geißböcken, der Sportbild verriet, kam irgendwann bei ihnen die Meldung rein, dass Podolski sich mit einem Weggang aus München, wo er seit 2006 unter Vertrag stand, beschäftigte. "Ich kann mich noch genau erinnern: Unser Manager Michael Meier hatte mich angerufen und gesagt: 'Du musst dich sofort bei Poldi melden. Sonst unterschreibt der beim ​HSV.' Ich habe Lukas dann angerufen und gefragt, was los ist. Da sagte er mir: 'Beim FC tut sich nichts.'" 


Ganz im Gegensatz zum HSV, bei dem sich damals einiges tat. Ein unterschriftsreifer Vertrag der Hanseaten, die in diesen Jahren in der Liga um die Champions-League-Plätze spielten, lag vor. Doch Köln kämpfte um "seinen" Poldi.


"Dann ist Michael Meier erneut eingestiegen. Wir hatten in Solar-World einen Partner, der einen Teil des Geldes zahlen wollte. Ich sollte Lukas noch sportlich überzeugen. Dann habe ich ihm von einer Mannschaft erzählt, die wir aufbauen wollten – die aber nicht so ganz der Realität entsprach." In anderen Worten: Man log Poldi dreist ins Gesicht. 

German striker Lukas Podolski (R) poses

Podolski wurde mit falschen Versprechen zum Effzeh gelockt



Daum weiter: "Ich habe ihm unsere Wunschliste als sehr realistisch verkauft. Da waren Spieler wie Maxi Rodríguez von Atlético Madrid und Daniel van Buyten vom ​FC Bayern dabei. Ich habe alle Spieler aufgezählt, die wir auf der Liste hatten. Dabei war klar, dass wir nie alle würden realisieren können." 


Doch daran, dass ihn sein einstiger Mentor und Förderer ohne rot zu werden anlügen könnte, dachte Poldi wohl in keinem Moment. Entzückt über die Zukunftspläne seines Leib- und Seelenvereins stimmte Poldi schließlich einer Rückkehr nach Köln zu. 


Am Ende kam Poldi - und Daum ging!


Und Daum? Der wusste ja, dass es mit den groß angekündigten Transfers nichts werden würde. Es kam wie es kommen musste: Nach dem eingetüteten Poldi-Deal schwenkten die Verantwortlichen beim 1.FC Köln um, und verlagerten ihre Transferaktivitäten vor allem auf vertragslose, sprich: günstige Spieler. Keine Maxi Rodríguez, keine van Buytens. 


"Meine Liste", so Daum weiter, "konnte ich vergessen. Da war ich so enttäuscht, dass ich gekündigt habe, als der Anruf von Fenerbahçe Istanbul kam." Daum, der Poldi mit seinen Märchen erst nach Köln gelockt hatte, ging - und der verlorene Sohn kam zurück. Und fand sich mit einer Situation konfrontiert, die er so nicht erwartet hatte. 

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Zehn Jahre später erinnert sich das Idol: "Es ist richtig, was Christoph Daum erzählt. Damals sollte um mich herum eine Mannschaft aufgebaut werden, was leider nie umgesetzt wurde. Da wurden auch viele Märchen erzählt. Das war sehr schade, denn es wurde eine Chance verpasst, den FC auf ein neues Level zu führen. Ich war Mitte 20 und wollte unbedingt beim FC etwas bewegen."


Richtig geklappt hat es am Ende nicht. Drei Jahre währte diese zweite Poldi-Epoche in Köln. Im Jahr 2012 stieg der Traditionsklub erneut in die Zweite Liga ab - und Poldi schloss sich dem englischen Spitzenklub ​Arsenal an. 


Eine auf dem ersten Blick zum Schmunzeln anregende Anekdote aus dem Nähkästchen - die aber auch Fragen aufwirft, bezüglich der Moral, die in diesem Geschäft vorherrscht. Kaum anzunehmen, dass dies nur eine vereinzelte Ausnahme sein sollte.