​Alles im Leben ist Zyklen unterworfen. Da macht der Fußball keine Ausnahme. Mannschaften kommen und gehen. Manche verschwinden auch komplett, wie jüngst in England geschehen. Einst große Teams sind heute klein, und frühere Zwerge haben sich zu Riesen entwickelt. Und dann gibt es diese Reihe von Mannschaften, die schon immer groß waren und es - mehr oder weniger - bis heute geblieben sind. So wie Inter Mailand.


2010 - das ist für viele der interisti das letzte große Jahr des Klubs gewesen. Mit "The Special One" holten die Lombarden damals das Große Triple (bestehend aus Meisterschaft, Pokal und Champions League). 


Doch José Mourinhos Stil ist abnutzend. Und nicht sonderlich genial in seiner Struktur. Als sich alle, sowohl in der Serie A als auch in Europa, auf den Catenaccio 2.0 Mourinho'scher Prägung eingestellt hatten, wussten die Norditaliener keine Antworten mehr. 

Juventus übernahm die Führungsrolle - vor allem auf nationaler Ebene. Und gab sie bis heute nicht mehr ab. Ok, der ungeliebte Stadt-Rivale in rot-schwarz zwängte sich 2011 noch mal kurz dazwischen - seitdem aber gilt in Italien: Juve rules!


Geldfluss bei Inter Mailand: Erst indonesisches, dann chinesisches Kapital


Doch in den letzten Jahren ist etwas passiert rund um das sagenumwobene San Siro. Zumindest in dessen schwarz-blauer Kurve. Im Juni 2016 übernahm die chinesische Suning Holding Group den Verein. Der Aufschrei war damals schon längst nicht mehr so groß, wie noch knappe drei Jahre zuvor, als der indonesische Geschäftsmann Erick Thohir die Kommandobrücke der Mailänder übernahm. 

Doch dessen Zeit war nicht von sportlichem Erfolg gekrönt. 


Indonesischem Kapital folgte also chinesisches, und die Fans im Giuseppe Meazza-Stadion (wie die Heimstätte offiziell heißt) übten sich schon mal in Resignation. Was war bloß aus "la pazza" (die Verrückte) geworden? Doch drei Jahre und millionenschwere Investitionen später steht Inter heute in neuem Glanz da. 


Mit Conte in eine neue erfolgreiche Ära?


Inters größter Coup war in diesem Zusammenhang die Verpflichtung von ​Antonio Conte als neuem Cheftrainer vor Beginn der aktuellen Spielzeit. Mit einem Schlag hatte Inter wieder die beiden Werkzeuge in der Hand, um ein großes Team aufzubauen: Kapital und Fußballsachverstand. 


Entsprechend wurde im Sommer dieses Jahres dann auch richtig in die Vollen gehauen: für mehr als (offizielle) 156 Millionen Euro wurden sämtliche Wünsche des Trainers erfüllt. 

Conte bekam seinen ​Romelu Lukaku, der bereits voll eingeschlagen ist und eine ganze Reihe von hochinteressanten Spielern aus Spanien (Diego Godin), England (Alexis Sánchez), Deutschland (Valentino Lazaro) und der Serie A (Matteo Politano). 

Das Ergebnis kann sich bisher sehen lassen. 


Aktuell ist Inter Mailand die einzige Mannschaft, die mit dem Tempo der Alten Dame (im Fußball kein Widerspruch!) mithalten kann. Platz zwei, bei nur einem Pünktchen Rückstand auf die Piemontesen: Inter spielt seit Jahren mal wieder um den Titel. 


Wohin die Reise letzten Endes geht, kann heute keiner seriös voraussagen. Dazu ist der Fußball zu volatil und zu sehr zufallsbedingten Einflüssen (Verletzungen usw) unterworfen. Ganz sicher kann man aber zum heutigen Zeitpunkt konstatieren: Mit Inter Mailand ist in den kommenden Jahren wieder zu rechnen.