​Der Ton bei Bayer 04 Leverkusen verschärft sich langsam. ​Nach der 3:0-Klatsche bei Eintracht Frankfurt zeigt sich der Verein und insbesondere Trainer Peter Bosz ungewohnt deutlich. Kritikpunkte, die Fans teilweise schon seit Wochen bemängelt haben, scheinen nun auch bei der Führungsetage angekommen zu sein. Hat das Folgen?


Gegen Frankfurt gab es mal wieder die alte Leier. Mehr Ballbesitz, mehr Chancen, keine Punkte. Im Duell mit qualitativ guten Mannschaften tut sich die ​Werkself​ weiter schwer. Gegen die Teams aus Dortmund, Frankfurt und Leipzig (​Bundesliga) sowie Turin (​Champions League) holte Leverkusen lediglich einen einzigen Punkt. Zu wenig für den eigenen Anspruch.


Bosz zieht die Reißleine - entscheidende Wochen stehen bevor


​Trainer Bosz verschärfte nach der Partie gegen Frankfurt den Ton. "Ich habe Mitchell Weiser rausgenommen, weil ich insgesamt nur dreimal wechseln darf. Sonst hätte ich die anderen zehn Spieler vielleicht auch gewechselt", äußert sich der Niederländer in der Bild zu der frühen Auswechselung von Weiser (30. Minute). Bayer lag zu diesem Zeitpunkte bereits 0:2 hinten und hatte keine Bindung zum Spiel. In der Wohlfühloase Leverkusen hat man solch deutliche Töne schon lange nicht mehr gehört.


Dem Spielsystem von Bosz und Leverkusen wurde endgültig seine Grenzen aufgezeigt. Nun hat wohl auch der Letzte verstanden, dass Ballbesitz keine Tore schießt. Besser spät als nie, kann man da nur sagen. Die kommenden Wochen werden entscheidend für den weiteren Verlauf der Saison sein. Neben Spitzenspielen gegen Wolfsburg, Bremen und Gladbach in der Liga trifft man im DFB-Pokal auf den unangenehmen Gegner SC Paderborn und muss in der Champions League zweimal gegen Atletico Madrid ran. Leverkusen kann viel gewinnen, aber auch noch viel mehr verlieren.


Nach der Aussage von Bosz, der zwar als temperamentvoll, aber dennoch nüchtern gilt, sind Änderungen innerhalb der Mannschaft zu erwarten. Dass der Trainer am liebsten die ganze Mannschaft ausgetauscht hätte, hört man nicht alle Tage. Auch die 'sicheren' Stammspieler wie Kevin Volland, ​Kai Havertz oder Julian Baumgartlinger scheinen angezählt. In Leverkusen wird wohl durchgegriffen.


Fans bemängeln schon lange das eigene Spiel


Und genau das ist gut so. Schon lange fordern viele Fans eine Umstrukturierung. Neben dem Spielsystem wurde auch häufig die Aufstellung bemängelt. Bosz, der kein großer Freund der Rotation ist, hielt trotz sportlicher Rückschläge an einer Rumpfelf fest. Doch ohne Punkte lassen sich solche Entscheidungen nicht begründen und berechtigen.


Vor dem Spiel gegen Atletico am morgigen Abend sind daher einige Überraschungen möglich. Spieler aus der zweiten Reihe könnten ihre Chancen bekommen. Leverkusen, welches mit null Punkten aus zwei Spielen in der Königsklasse mit dem Rücken zur Wand steht, könnte mit einem völlig neuen Gesicht auftreten. Statt langweiligem Ballbesitz und einer wackligen Abwehr sollte man sich lieber den eigenen Stärken widmen: Dem Umschaltspiel, den schnellen Flügeln und dem Lauern auf Fehler des Gegners.


Muss man Frankfurt vielleicht sogar danken?


Vielleicht war die Niederlage gegen Frankfurt ein Weckruf, eben der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Vielleicht mussten Leverkusen endgültig die Grenzen aufgezeigt werden. Noch hat die Werkself alle Chancen in der Hand, das Blatt zu wenden. Dafür benötigt es aber den Mut zu Veränderungen. Aber man sollte lieber versuchen, das Maximum herauszuholen, anstatt die komplette Saison zwischen Wahnsinn und Frust zu pendeln, ohne überhaupt zu wissen, wo man steht.


Daher: Traut euch, Leverkusen!