​Überraschungsteams in der Champions- oder Europa-League gibt es immer mal wieder. 2013 war es der FC Malaga, vor zwei Jahren die AS Monaco, vorheriges Jahr AS Rom. Sie kitzeln und ärgern die großen Vereine und sorgen für Euphorie bei den Fans. Dieses Jahr klopft mit Ajax Amsterdam nach dem 1:0 in Tottenham eine wahre Wundermannschaft am Finale der Champions League, die so wirklich niemand auf dem Zettel hatte. Und das ist auch gut so!


Regelmäßig pumpen die europäischen (Top-)Klubs Millionen um Millionen in ihren Kader. Die Ablösesummen steigen in das Lächerliche, eine sehr kritische und sorgenregende Entwicklung des Fußballs. Deshalb freut es umso mehr, wenn ein (vergleichsweise) kleiner Verein wie Amsterdam mit viel geringeren finanziellen Kapazitäten Europa zeigt, was den meisten Vereinen abhanden gekommen ist: Eine sich treubleibende Spielphilosophie als Grundstein des Erfolges.


Ajax Amsterdam vermittelt endlich wieder das, worauf es im Fußball ankommt und was den Fußball auszeichnen sollte. Das Team aus der holländischen Hauptstadt besteht nicht aus elf zusammengekauften Spielern mit großen Namen und Gehältern, sondern elf Jungs, die einfach miteinander kicken wollen. Ergebnis ist ein unvergleichbares Verständnis auf dem Platz, jeder Pass und jeder Laufweg sind aufeinander eingestimmt.


Wie erfolgreich diese Einstellung sein kann, zeigt Ajax zurzeit auf erstaunliche Art und Weise. Real Madrid, Juventus Turin heißen die Teams, die gegen die junge Truppe aus Amsterdam verdient das Nachsehen hatten. 


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Die Spieler auf dem Platz, die Fans im Rücken der Mannschaft: Ajax Amsterdam


Die Philosophie, die Ajax pflegt, ist dabei im Prinzip keine neue. Junge talentierte Spieler werden gekauft, ausgebildet und etabliert. Unterstützt werden die "Bubis" von wenigen erfahrenen und älteren Profis, die das junge Team leiten. Übertragen heißt das: De Ligt, van de Beek und de Jong sind die "Bubis" und Schöne, Tadic und Huntelaar die Erfahrenen. Diese Mischung macht Spaß, sowohl den Spielern selbst als auch den Fans.


Vorteil dieser Philosophie: ​Sie finanziert sich von selber. Die jungen Spieler werden im richten Zeitpunkt für viel Geld verkauft und halten den Laden am Laufen. Dies ist jedoch auch der größte Nachteil, denn wie kann man erfolgreich sein, wenn man ständig die Leistungsträger abgeben muss. Ein Dilemma, das beispielsweise auch die deutschen Ausbildungsklubs wie Freiburg, Mönchengladbach oder Leverkusen immer wieder zu spüren bekommen. 


Daher erfreut es umso mehr, dass Ajax Amsterdam momentan die richtige Mischung zum richtigen Zeitpunkt gefunden hat. Obwohl der sommerliche Ausverkauf bereits Formen annimmt, funktioniert das System von Trainer Erik ten Hag noch. Und wie!


Im Zeitalter von PSG, Manchester City und Co. zeigt somit die junge Truppe aus Amsterdam den Ursprung des Erfolges. Es braucht keine teuer zusammengekaufte Mannschaft, um Titel zu gewinnen. Es braucht die Leidenschaft, ein funktionierendes System, elf Freunde auf dem Platz und die Fans im Rücken. Ajax Amsterdam ist das Gegenteil des heutigen Fußballs und es bleibt zu hoffen, dass sie dies auch in Zukunft bleiben!