Nils Petersen steht im vorläufigen WM-Aufgebot. Der Torjäger vom SC Freiburg wurde von Bundestrainer Joachim Löw überraschend anstelle von Bayern-Angreifer Sandro Wagner nominiert. Vor allem Petersens Qualitäten als Joker könnten den Ausschlag gegeben haben.


​Er ist die Überraschung im ​vorläufigen Aufgebot des WeltmeistersNils Petersen darf von der WM-Teilnahme mit der deutschen Nationalmannschaft träumen. Bundestrainer Joachim Löw nominierte den 29-jährigen Mittelstürmer des SC Freiburg in das 27-köpfige Aufgebot, das am 23. Mai ins Trainingslager nach Eppan (Südtirol) reisen wird. Am 4. Juni muss dann der endgültige WM-Kader an die FIFA übermittelt werden, der 20 Feldspieler und drei Torhüter beinhalten muss. 


Des einen Freud, des anderen Leid


Neben dem gesetzten Timo Werner und dem erfahrenen Mario Gomez tauchte bei der Vorstellung im Fußballmuseum von Dortmund der Name Petersen auf - und nicht wie zuvor erwartet der von Sandro Wagner. Der Bayern-Torjäger muss seinen WM-Traum begraben, obwohl er nach seinem Wechsel zum Rekordmeister in der Winterpause mit acht Toren in der Bundesliga und einem Treffer in der Champions League durchaus zu überzeugen wusste. Auch beim Nationalteam war der 30-Jährige, der sich selbstbewusst gern als "besten Stürmer Deutschlands" bezeichnet, zuletzt regelmäßig dabei. In acht Länderspielen gelangen ihm fünf Treffer, beim Confed-Cup-Sieg im vergangenen Sommer kam er beim ersten Gruppenspiel gegen Australien zum Einsatz.

Nun führte Joachim Löw mit Petersen alle hinters Licht. Für den Freiburger ist es die erste Nominierung für die A-Nationalmannschaft überhaupt. "Es ist eine sehr große Ehre für mich. Ich habe damit nicht wirklich gerechnet und bin sehr dankbar. Die Chance dabei sein zu können, ist die Krönung der Saison", wird der Torjäger auf der Freiburger Vereinshomepage zitiert. Mit den Breisgauern hatte Petersen erst am letzten Bundesligaspieltag den Klassenerhalt sicher gemacht.

Warum Petersen? Löw sucht den Super-Joker


Doch warum setzt Löw plötzlich auf Petersen, statt mit Wagner auf einen bewährten Stürmer, der sich im Kreis der Nationalmannschaft stets vorbildlich und engagiert verhalten hatte? "Mein Job als Bundestrainer ist es, leider auch manchmal Träume platzen zu lassen. Ich entscheide nie gegen den Spieler, sondern für die Mannschaft. Es hängt manchmal an Kleinigkeiten. Die Entscheidungs-Kriterien sind die sportliche Qualität, das ist eine zentrale Rolle, und dass die Mannschaft auf und außerhalb des Platzes funktionieren muss“, lieferte Löw Einblicke.


Wagner, so viel scheint sicher, hätte sich wohl klaglos ins zweite Glied eingefügt und wäre wohl auch für die Stimmung im Team gut gewesen. Die Entscheidung, auf Petersen zu setzen, muss daher andere Gründe haben - und die sind gar nicht so abwegig: Mit Timo Werner dürfte ein pfeilschneller Mittelstürmer die A-Lösung in der Startelf sein. In Mario Gomez verfügt Löw über einen international erfahrenen "Strafraum- oder Wandstürmer" mit Qualitäten, die denen von Wagner sehr ähneln. 


Sollte Löw also gewillt sein, einen dritten Angreifer für das Zentrum mit nach Russland zu nehmen, käme dieser daher als reiner Joker infrage. Vor diesem Hintergrund könnte der Bundestrainer Wagner und Petersen verglichen haben. In diesem Duell muss sich der Freiburger keineswegs verstecken - im Gegenteil: Mit 15 Saisontoren ist faktisch Petersen und nicht Wagner der beste deutsche Stürmer der abgelaufenen Bundesligasaison. Dabei hatte er im beschaulichen Freiburg bei Weitem nicht die Mitspieler, die Wagner in Hoffenheim und vor allem in München an der Seite hatte. 15 Tore sind vor diesem Hintergrund noch einmal deutlich höher zu bewerten.


Petersen hatte also entscheidenden Anteil am Klassenerhalt des Sportclubs, kam dabei teilweise auch nur von der Bank. Achtmal brachte SC-Coach Christian Streich den 29-Jährigen als Joker. Wie gefährlich er als Einwechselspieler ist, zeigt seine Statistik deutlich: Mit 20 Treffern bei 67 Einsätzen von der Bank ist Petersen der erfolgreichste Joker der Bundesligageschichte.

"Nils hat in einer Mannschaft, die wahrlich nicht immer viele Torchancen erspielt hat, 15 Tore gemacht. Wenn ich ihn gesehen habe, hat er immer einen sehr, sehr guten und fitten Eindruck gemacht. Er ist zudem ein sehr guter Joker. Wenn er reinkommt, ist er sofort da", sagte Löw über die Gründe für die Petersen-Nominierung. Dabei erklärte er auch, dass letztlich auch sein Bauchgefühl über die Kaderzusammenstellung entschieden hatte. Und das ist beim 29-Jährigen bestens: "Mein Gefühl ist auch, dass er mit seinen Aufgaben wächst. Er hat nicht viel internationale Erfahrung, aber ich verspreche mir einiges von ihm", so Löw weiter.

Ganz ohne internationale Erfahrung kommt Petersen zudem nicht daher. Als einer der über 23-Jährigen war er ein Fixpunkt im Olympiateam, das in Rio 2016 die Silbermedaille gewann. Petersen war dabei mit sechs Treffern in sechs Partien der Torschützenkönig des gesamten Turniers. Betrachtet man alle Kriterien, scheint die Nominierung nicht mehr ganz so überraschend zu sein. Einen Top-Joker, der in jeder Situation sofort zünden kann, steht schließlich jeder Mannschaft der Welt gut zu Gesicht.