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Die 30 bedeutsamsten Fußball-Derbys der Welt

Dominik Hager
Der Kessel dampft: Nicht nur beim argentinischen Superclasico geht es sehr aufregend zu
Der Kessel dampft: Nicht nur beim argentinischen Superclasico geht es sehr aufregend zu / Getty Images/GettyImages
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Was wäre der Fußball ohne seine heißen und prestigeträchtigen Derbys? Überall auf der Welt gibt es Rivalitäten, die sowohl für maximale Euphorie als auch für maximale Enttäuschung sorgen können. Nicht immer laufen die Klassiker friedlich ab und häufig wird der Bogen von den Anhängern der betroffenen Teams gehörig überspannt. Ein Derby ist ein permanenter Spießroutenlauf zwischen grenzenloser Leidenschaft und gefährlichen Aggressionen. Wir werfen einen Blick auf die 30 krassesten Rivalitäten und Derbys der Welt.


30. FC Liverpool - FC Everton

Tim Cahill
Michael Regan/GettyImages

Das Merseyside Derby trägt seinen Namen, weil beiden Klubs dem Landkreis Merseyside angehören. Die Begegnung wird häufig auch als "Friendly Derby" bezeichnet, weil weder der FC Liverpool, noch der FC Everton ein bestimmtes Einzugsgebiet oder politische und religiöse Gruppen anzieht. Demnach finden sich in einigen Familien sowohl Liverpool- als auch Everton-Fans wieder. Das Duell zwischen den "Toffees" und den "Reds" ist ein schöner Kontrast zu den ansonsten meist übertriebenen Rivalitäten.

Als 2007 ein 11-jähriger Fan des FC Everton in Liverpool von Jugendlichen getötet wurde, luden die Reds seine Familie an die Anfield Road ein und machten auf diese Weise einen weiteren Schritt in Richtung Freundschaft. Zu Ehren des verstorbenen Kindes sangen Spieler und Fans gemeinsam die legendäre Hymne "You'll never walk alone".


29. FC Motagua - CD Olimpia

FBL-CONCACAF-MOTAGUA-FORGE
ORLANDO SIERRA/GettyImages

Das "Clasico Capitalino" gehört zu den gefährlichsten Fußball-Duellen Amerikas. Die beiden Klubs FC Motagua und CD Olimpia sind die dominierenden Vereine der honduranischen Fußball-Liga und tief verfeindet. Im Jahr 1949 wurde das Trikot von Carlos Valladares auf dem Spielfeld verbrannt, nachdem dieser von Matagua zum Rivalen Olimpia gewechselt war. Dies kann jedoch nur als Spitze des Eisbergs angesehen werden.

Das brisante Derby der beiden Hauptstadt-Klubs aus Tegucigalpa fordert immer wieder Verletzungen und Todesfälle. Erst vor gut zwei Jahren konnte ein Derby gar nicht erst angepfiffen werden, weil zunächst der Mannschaftsbus von Motagua mit fliegenden Steinen und Flaschen attackiert wurde und hinterher beide Fan-Lager aufeinander losgingen. Bei den Auseinandersetzungen starben vier Menschen.


28. Eintracht Braunschweig - Hannover 96

Eintracht Braunschweig v Hannover 96 - Second Bundesliga
Alexander Koerner/GettyImages

Die Rivalität zwischen Braunschweig und Hannover 96 ist mindestens so alt wie die Bundesliga selbst. Im Jahre der Bundesliga-Gründung wetteiferten beide Klubs um den Lizenz-Zuschlag für die oberste deutsche Spielklasse. Braunschweig erhielt aufgrund der besseren Platzierung in der abgelaufenen Saison den Zuschlag, obwohl 96 in der Zwölfjahreswertung vorne lag.

Hannover 96 gelang jedoch schon bald der Aufstieg, wodurch das sportliche Duell in den 1960er- und 1970er-Jahren seinen Höhepunkt fand. In der Saison 1972/73 zogen die 96er am letzten Spieltag an Braunschweig vorbei und schickten den Rivalen in Liga zwei. In der gegenwärtigen Zeit bekommen wir das Niedersachsenderby nicht mehr regelmäßig zu sehen, jedoch gelten die Partien noch immer als Hochrisikospiele.


27. Cracovia Krakau – Wisla Krakau

LOTTO Extraklasa: Cracovia v Wisla Krakow
Gallo Images/GettyImages

Das Derby Krakowa ist auch unter dem Namen Święta Wojna (Heiliger Krieg) bekannt. Dieser Ausdruck geht aus den Worten von Ludwik Gintel hervor, der vor dem Derby "Meine Herren, wir gehen jetzt in den heiligen Krieg" gesagt haben soll.

Die Wisla-Anhänger sehen sich selbst als einzig wahren polnischen Verein der Stadt. Den Rivalen Cracovia nehmen sie hingegen als den Verein der damaligen Besatzungsmacht Österreich-Ungarn wahr.

Wisla gilt eher als staatsbefürwortend und politisch rechts und sorgte mit "Ab ins Gas"-Rufen gegen Cracovia negativ für Aufsehen. Wisla ging hingegen aus einem studentischen Umfeld hervor und schmückt sich gerne mit einem Intellektuellen-Image. Die Feindschaft beider Fan-Gruppierungen geht weit über den Fußball hinaus und hat gewichtige gesellschaftliche Auswirkungen.


26. Olympiakos Piräus - Panathinaikos Athen

Panathinaikos FC v Olympiacos
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Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen trennt seit jeher eine absolute Feindschaft. Im Kampf um den griechischen Thron kam es immer wieder zu brisanten und hitzigen Duellen. Dabei geht es zwar meist einigermaßen friedlich zu, jedoch gab es hierbei durchaus auch Ausnahmen.

Im Jahr 2012 musste beispielsweise ein Duell vorzeitig abgebrochen werden. Piräus reiste mit vier Punkten Vorsprung nach Athen, weshalb die Hausherren zum Siegen verpflichtet waren, um im Titelkampf noch auf Schlagdistanz zu bleiben. Demnach war die Atmosphäre bereits im Vorfeld aufgeladen und von Polizeieinsätzen geprägt. Schon die zweite Hälfte musste aufgrund von Hooligan-Auseinandersetzungen 60 Minuten später angepfiffen werden, ehe die Lage nach dem 1:0 von Piräus komplett eskalierte.


25. Leopards - Gor Mahia

Gor Mahia
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Das Nairobi-Derby ist das prestigeträchtigste Duell in Kenia. Die Feindschaft zwischen den beiden Klubs besteht seit dem ersten Zusammentreffern im Jahr 1968. Vorangetrieben wird diese unter anderem davon, dass die Anhängerschaften von ethnischen Gruppen, den Luo (Gor Mahia) und den Luhya (Leopards) geprägt sind.

Vor allem die 2010er-Jahre waren geprägt von unschönen Szenen auf und neben dem Platz. Im Jahr 2011 musste ein Spiel abgebrochen werden, weil der Linienrichter von einem Anhänger der "Leopards" getroffen wurde. Ein Jahr später begannen die Fans von Gor Mahia aufgrund eines Platzverweises zu randalieren, wodurch der Klub für den Rest der Saison nicht mehr im heimischen Stadion auflaufen durfte. Meist sind es die Gor-Mahia-Hooligans, die sich auf der falschen Seite des Gesetzes befinden.


24. 1. FC Nürnberg - Greuther Fürth

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Nürnberg und Fürth verbindet nicht nur die erste Eisenbahnstrecke Deutschlands, sondern auch eine ganz besondere Rivalität. Das Frankenderby gilt als ältestes Derby Deutschlands und wurde bereits 268-mal ausgetragen: Es macht allerdings in diesem Jahr Pause, da Greuther Fürth derzeit in der 1. Liga verweilt. Während beide Klubs sportlich mittlerweile nicht mehr die ganz große Bedeutung innehaben, war dies historisch betrachtet anders.

In den 1910er- und 1920er-Jahre waren beide Teams derart erfolgreich und stark aufgestellt, dass die Nationalmannschaft im Jahr 1924 ausschließlich mit Akteuren der beiden Klubs gegen Holland antrat. Brisant: Auf den Zugfahrten nahmen die jeweiligen Akteure der rivalisierenden Teams in verschiedenen Abteilungen Platz.


23. Al-Ansar - Nejmeh

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In ganz Libanon herrscht Ausnahmezustand, wenn die Klubs die Klubs Al-Ansar (Sunniten) und Al-Nejmeh (Schiiten) aufeinandertreffen. Aufgrund der unterschiedlichen religiösen Gesinnung ist das Beirut-Derby immer auch ein Hochrisikospiel. Die beiden größten Klubs des Landes haben gemeinsam 23 Meistertitel gewonnen und liefern sich regelmäßig packende Schlachten, aus denen Al-Ansar 35-mal und Nejmeh 33-mal siegreich hervorgingen.

Beide Teams wurden nach Ende des 2. Weltkrieges gegründet. Nejmeh, arabisch für "Stern", wurde im Jahr 1945 unmittelbar nach der Unabhängigkeit des Libanon in Beirut gegründet. Ansar, arabisch für "die Unterstützer", hingegen sechs Jahre später südlich der Stadt. Der Klub zog erst Jahre später ins Zentrum um.


  22. Raja - Wydad

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Das Casablanca-Derby gehört zu den hitzigsten und hochklassigsten Derbys in ganz Afrika. Die beiden Hauptstadt-Klubs bestimmen die nationale Liga, was immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen auf und neben dem Platz führt. Der letzte Todesfall aufgrund von Auseinandersetzungen liegt inzwischen zwar 14 Jahre zurück, Alarmbereitschaft ist jedoch zu jeder Zeit gegeben.

Die Duelle auf dem Platz sind ebenfalls sehr ruppig, was am engen sportlichen Wettbewerb der beiden Teams liegt. Zu einem kuriosen Zwischenfall kam es im Jahr 1978. Weil die Mannschaft einen Elfmeter und einen Platzverweis nicht akzeptieren wollte, zog sich das Team angeführt vom Kapitän vom Platz zurück. Besonders tragisch verlief ausgerechnet die 100. Derby-Auflage, bei der ein Wydad-Spieler an einem Herzinfarkt starb.


21. Esteghlal - Persepolis

Persepolis v Esteghlal - Persian Gulf Pro League
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Das Duell zwischen den beiden Rivalen der iranischen Hauptstadt Theran gilt als gewichtigstes Derby in Asien. Esteghlal gilt als Vertreter der Ober- und Mittelschicht, wohingegen Persepolis das einfache Volk vertritt. Die Partien wurden zum Teil vor 100.000 Besuchern ausgetragen und fordern immer wieder Todesopfer.

1995 wurde sogar entschieden, dass der Schiedsrichter nicht mehr aus Iran kommen solle, sondern aus einem anderen Land eingeflogen werden muss, um Spieler, Medien und Fans zu beruhigen. Auf dem Platz ging es insbesondere im Jahr 2000 heftig zu, als es zu einigen Schlägen ins Gesicht kam und drei Spieler mehrere Nächste im Gefängnis verbringen mussten. Im Rahmen der Partie wurden 250 Busse und zahlreiche Geschäfte zerstört.


20. Sporting Lissabon - Benfica SL

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Angesichts der Tatsache, dass beide Klubs aus der gleichen Stadt kommen und direkte sportliche Rivalen sind, kommt es beim "Derby de Lisboa" nur selten zu kritischen Auseinandersetzungen. Eine starke Rivalität besteht zwischen den "Águias" und den "Leões" aber dennoch. Benfica ist der populärste Klub in Portugal und zieht seine Fans aus allen Kreisen. Sporting zieht hingegen eher die obere Bevölkerungsschicht an und wurde in der Vergangenheit immer wieder vom Königshaus unterstützt. Dies führte bereits einen Tag vor dem ersten Derby 1907 zu der absurden Situation, dass acht Benfica-Spieler die Seiten wechselten. Ihnen wurden angeblich warme Duschen und bessere Trainingsplätze versprochen.

Für mächtig Ärger sorgte auch der Eusebio-Wechsel zu Benfica, der zuvor bei einem Ausbildungsklub von Sporting gekickt hat. Sporting-Anhänger beschuldigen den Rivalen noch heute, den Spieler mit Hilfe der faschistischen Polizei gestohlen zu haben. In all den Jahren kam es im Rahmen des Derbys "nur" zu einem Todesopfer, als ein Benfica-Anhänger eine Leuchtrakete in den Sporting-Block warf.


19. FC Sevilla - Real Betis

Nabil Fekir, Ivan Rakitic
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Zahlreiche Rivalitäten basieren auf gesellschaftlichen Unterschieden. Betis Sevilla gilt seit jeher als traditioneller Repräsentant der Arbeiterschaft und der einfachen Leute, wohingegen der FC Sevilla als Repräsentant des Bürgertums und der Oberschicht gilt. Wenngleich das "Derbi sevillano" historisch im Vergleich zu anderen Derbys nicht so dramatisch von Gewalt geprägt war, kam es leider erst kürzlich zu einem dramatischen Zwischenfall.

Im Achtelfinale der Copa del Rey wurde Joan Jordán von einem Betis-Anhänger mit einer geworfenen Fahnenstange am Kopf getroffen. Beinahe ebenso unsportlich war jedoch die Reaktion von Trainer Lopetegui, der seinen Schützling aufforderte, "sich auf den Boden zu werfen und einen Schwindelanfall vorzutäuschen". Das Spiel wurde nach einer 45-minütigen Unterbrechung abgebrochen. Bereits im Jahr 2007 musste ein Derby abgebrochen werden, nachdem Juande Ramos (damaliger Trainer vom FC Sevilla) von einer geworfenen Flasche am Kopf getroffen wurde.


18. Levski Sofia - ZSKA Sofia

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Das Sofia-Derby ist sowohl auf als auch neben dem Platz eine enorm hitzige Angelegenheit. Die Rivalität begann anfangs der 1940er-Jahren, als der neu gegründete ZSKA direkt Meister wurde. In den darauffolgenden Jahren begegneten sich die Stadt-Rivalen im Finale des sowjetischen Armeepokals, was die Stimmung zwischen den beiden Klubs weiter anheizte.

Die Feindseligkeiten zwischen den Rivalen fanden ihren unrühmlichen Höhepunkt, als das nationale Pokalfinale im Jahr 1985 komplett eskalierte. Nach zahlreichen strittigen Entscheidungen kam es wiederholt zu Kämpfen auf dem Spielfeld. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Bulgariens erließ daraufhin einen folgenschweren Entschluss, mit dem beide Teams aufgelöst wurden. Demnach mussten sie unter den Namen "Sredets" und "Vitosha" neu gegründet werden. Zudem erhielten sechs Spieler lebenslange Strafen. Ein Jahr später wurde die Entscheidung jedoch aufgehoben.


17. Hamburger SV - SV Werder Bremen

Diego
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Bis zum Jahr 1982 galt das Verhältnis zwischen Bremen-Anhängern und HSV-Fans noch als ganz normal. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als ein Bremen-Fan von einem HSV-Ultra im Vorfeld eines Pokalspieles mit einem Stein am Kopf getroffen wurde und seinen Verletzungen erlag. Seitdem gelten die Nord-Klubs als verfeindet.

Nicht zuletzt war auch der Kung-Fu-Tritt von Tim Wiese gegen Ivica Olić mitverantwortlich dafür, dass sich die Rivalen noch mehr hassten. Seinen Höhepunkt fand die Rivalität im Jahr 2009, als die beiden Klubs innerhalb von 18 Tagen viermal aufeinander trafen. Die Bremer gewannen in der Liga, im Pokal-Halbfinale und setzten sich dank der legendären Papierkugel auch im UEFA-Cup-Halbfinale durch.


16. FC Barcelona - Espanyol Barcelona

FC Barcelona vs RCD Espanyol - La Liga
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Das "Derbi barceloní" gehört zu den eher unausgewogenen Derbys. Im direkten Vergleich liegt der FC Barcelona mit 101:34 vorne. Die historisch begründeten Rivalität hat dies jedoch keinen Abbruch getan. Während der Diktatur von Miguel Primo de Rivera (1923-30) war der FC Barcelona das Symbol des unterdrückten katalanischen Gefühls, wohingegen Espanyol gegenüber der zentralen Autorität gehorsam pflegte.

Diese ideologischen Unterschiede führten vor allem bei den Espanyol-Fans zu einer heftigen Abneigung gegen den Stadtrivalen. Demnach sind auch die heutigen Duelle noch geprägt von Beleidigungen und Ausschreitungen.


15. Manchester United - Manchester City

United, City
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Das erste Manchester-Derby fand bereits im Jahr 1881 statt. Nachdem es lange Zeit eher ruhig zuging, wurden die Derbys in den 1970er Jahren deutlich härter. Nachhaltig geprägt wurde die Rivalität durch einen Zweikampf zwischen Glyn Pardoe und George Best, bei dem Pardoe zwar erst den Ball traf, jedoch anschließend voll in Best hineinrutschte. Der City-Star zog sich einen zweifachen Beinbruch zu und stand kurz vor der Amputation.

Manchester United gilt als absoluter Traditionsklub, während Manchester City trotz der langen Geschichte durch die Katar-Millionen eher als Scheich-Klub bezeichnet wird und sportlich zuletzt sogar die größeren Erfolge einfahren konnte. Sinnbildlich für den sportlichen Machtwechsel steht die Saison 2011/12, in der die "Skyblues" dank Sergio Agüero in letzter Sekunde am Lokal-Rivalen vorbei zogen und den Meisterschaftstitel gewannen.


14. Juventus Turin - FC Turin

Juventus
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Das "Derby della Mole" zwischen Juventus Turin und dem FC Turin lässt sich ein wenig mit dem Münchner Stadtderby FC Bayern - 1860 München vergleichen. Während Juventus Turin in ganz Italien sehr populär ist, stehen die Turiner Stadtbewohner mehrheitlich auf der Seite des FC Turins. Historisch betrachtet war der FC der Verein der alteingesessenen Arbeiterklasse, wohingegen Juve viele Arbeiter aus der Automobilindustrie an sich zog, die aus dem Süden in die Stadt gekommen waren. In den 1940er Jahren war der FC Turin noch der erfolgreichere Verein und machte dem Rivalen einige Titelchancen zunichte.

Das Derby sorgt auch heute noch für viel Brisanz, was unter anderem an den unterschiedlichen politischen Ausrichtungen der Ultra-Gruppierungen festzumachen ist. Die Juve-Ultras sind mehrheitlich rechts gesinnt, wohingegen jene der "Granatoren" mehrheitlich der linken Orientierung angehören. Ausschreitungen sind demnach nicht an der Seltenheit.


13. Rapid Wien - Austria Wien

SK Rapid Wien v FK Austria Wien - tipico Bundesliga
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Das Wiener Derby gehört zu den häufigsten ausgetragenen Derbys in Europa. Rapid Wien wurde 1897 als erster Arbeiter-Fußballverein Österreichs gegründet. Bei der Austria handelt es sich vielmehr um einen bürgerlichen" Verein.

Besonders groß wurde der Kontrast mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938. Während Rapid nur geringe Schäden davontrug, wurden einige Austria-Profis rassistisch vertrieben. Konsequenterweise verschwand Austria zwischenzeitlich in der Bedeutungslosigkeit, wohingegen Rapid in der "Großdeutschen Meisterschaft" überaus erfolgreich unterwegs war.

In der Nachkriegszeit näherten sich die Teams sportlich und gesellschaftspolitisch wieder an. Brisant sind die Derbys jedoch noch immer.


12. Al Ahly - Zamalek SC

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Das Kairoer Derby zwischen Al Ahly und Zamalek SC hat in ganz Afrika Brisanz. Die Rivalen wurden von der CAF zu den beiden wichtigsten afrikanischen Vereinen des 20. Jahrhunderts gewählt. Al Ahly landete vor Zamalek, was natürlich zu einem gewissen Maße an Neid und Missgunst führte. Dabei muss jedoch erwähnt werden, dass Al Ahly mit 40:12 Meisterschaften auch klar in Führung liegt.

Heute gilt al Ahly als Verein des Volkes und Zamalek als der der reichen Bevölkerungsschicht. Die gegenseitigen Aggressionen wurden jedoch 2011 gemildert, als die Ultras beider Vereine den Tahrir-Platz in Kairo belagerten und maßgeblich am von den Demonstranten geforderten Rücktritt des Staatspräsidenten Husni Mubarak beteiligt waren.


11. FC Tottenham - FC Arsenal

Ledley King
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Es ist nur Platz für einen. Beim "North-London-Derby" geht es im Vergleich zum "Friendly Derby" schon wesentlich ruppiger zu. Besonders brisant ist sicherlich die geographische Nähe, nachdem der FC Arsenal im Jahr 1913 aus dem Süden der englischen Hauptstadt in den Norden gezogen war. Die Spurs betrachteten das Highbury, das nur vier Meilen vom eigenen Stadion entfernt lag, als ihr Territorium.

Sechs Jahre später eskalierte die Rivalität, als die Premier League um zwei Plätze aufgestockt werden sollte. Eigentlich sollte der 20. Platz an die Spurs oder Barnsley gehen, jedoch bewarb sich der FC Arsenal, der in der abgelaufenen Saison hinter den Spurs eingekommen war, ebenfalls für den Platz. Die Gunners bekamen den Zuschlag, was natürlich wilde Proteste und Schmiergeld-Vorwürfe nach sich zog. Die historisch gewachsene Rivalität hat bis heute Bestand.


10. Borussia Dortmund - Schalke 04

Erling Haaland
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Zumindest im Ruhrpott ist das Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 das Spiel des Jahres. Doch auch deutschlandweit wird das Aufeinandertreffen als "Mutter der Derbys" bezeichnet.

Den Leuten im Ruhrpott bedeutet der Fußball und ihr Verein alles, was die Brisanz gehörig steigert. Selbst wenn die Klubs sportlich heute Welten trennen, ist das Duell historisch betrachtet meist extrem eng gewesen. Bis heute hat der BVB 53 Derbys gewonnen, S04 43.


9. San Paolo Corinthians - Esportiva Palmeiras

Felipe Melo, Gustavo Gomez
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Im "Paulista Derby" treffen zwei der ältesten Klubs aus Sao Paolo aufeinander. Das erste Duell fand im Jahre 1917 statt, als Palmeiras noch unter ihrem früheren Namen Palestra Italia bekannt war. Dies war ein Hinweis auf die Gemeinschaft hauptsächlich italienischer Einwanderer, die die ursprüngliche Fanszene des brasilianischen Top-Klubs bildeten.

Neben dem Fla-Flu-Derby gehört das Aufeinandertreffen der beiden Klubs zu den absoluten Klassikern in Brasilien. CNN-Angaben zufolge handelt es sich um den neuntgrößten Klassiker der Welt, während zahlreiche weitere Umfragen offenlegten, wie groß die Rivalität zwischen den beiden Fan-Lagern ist. Das Stadt-Derby wurde bereits 365-mal ausgetragen und dennoch liefern sich beide Teams ein Kopf-an-Kopf-Duell, indem Palmeiras mit 130:129 Siegen hauchdünn vorne liegt.


8. AS Rom - Lazio Rom

AS Roma v SS Lazio - Serie A
Paolo Bruno/GettyImages

Das "Derby della Capitale" gehört zu den brisantesten Duellen Europas. Dies liegt vor allem an grundverschiedenen politischen Ausrichtungen der Fan-Gruppierungen. Die AS Rom stammt aus dem politisch Arbeiterviertel Testaccio, wohingegen Lazio im politisch rechten, wohlhabenden Viertel Parioli im Norden beheimatet ist. Obwohl die Fanszene der Roma heutzutage durchmischt ist, ist der Rechtsextremismus bei den Lazio-Anhängern noch immer weit verbreitet und sorgt nicht nur bei den Derbys für unschöne Szenen.

Im Jahr 2005 sorgte Lazio-Kapitän Di Canio für einen Skandal, indem er nach dem Derby in die Kurve der AS-Rom-Anhänger lief und seinen rechten Arm zum "Saluto romana" hob, was in Italien gesetzlich verboten ist.


7. Flamengo - Fluminense

Flamengo v Fluminense - Semifinal Rio de Janeiro State Championship 2011
Buda Mendes/GettyImages

Das "Fla-Flu" ist das größte Derby in Brasilien und wird im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro ausgetragen. Die Rivalität wurde im Jahr 1911 geboren, als eine Gruppe unzufriedener Fluminense-Spieler den Verein verließ und sich Flamengo anschloss, die zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Fußball-Abteilung hatten. Im Jahr 1963 wurde die Partie vor unfassbaren 194.603 Zuschauern ausgetragen, was ein Weltrekord im Klub-Fußball darstellt.

Das Stadt-Derby ist immer eine sehr farbenfrohe Angelegenheit, wenngleich leider auch Gewaltszenen keine Seltenheit sind. Trotzdem merkt man gerade beim Aufeinandertreffen dieser beiden Klubs, dass Fußball für zahlreiche Brasilianer die größte Leidenschaft überhaupt ist.


6. Roter Stern - Partizan Belgrad

Belgrad
OLIVER BUNIC/GettyImages

Das "Ewige Derby" gehört zu den brisantesten Derbys Europas. Die beiden Teams dominierten bereits im ehemaligen Jugoslawien und sind auch heute noch die stärksten Klubs in Serbien. Brisant ist das Aufeinandertreffen unter anderem, weil beide Stadien lediglich ein paar 100 Meter voneinander getrennt liegen.

Die Derbys gehören seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Sportereignissen in Südost-Europa. Das Spiel wurde bereits vor 108.000 Zuschauern im Stadion "Roter Stern" verfolgt und wird von zahlreichen internationalen Sendern gezeigt. Leider kommt es auch immer wieder zu Gewalt, was vor allem auf die in Serbien verbreitete Hooligan-Problematik zurückzuführen ist.


5. Fenerbahçe – Galatasaray

Galatasaray v Fenerbahce - Turkish Super Lig
Anadolu Agency/GettyImages

Das Duell der beiden größten Sportvereinen der Türkei wird auch als "Interkontinentales Derby" bezeichnet, weil die beiden Klubs durch den Bosporus getrennt werden, wodurch Galatasaray in Europa und Fenerbahçe in Asien beheimatet ist.

Die Rivalität beider Klubs ist heutzutage von der Frage geprägt, welcher Verein der größte in der Türkei ist. Diesen Status sehen natürlich alle Anhänger bei ihrem Team. Im direkten Vergleich liegt Fenerbahçe vorne, wohingegen Galatasaray mehr nationale Titel für sich verbuchen kann.


4. Real Madrid - Atlético Madrid

Xabi Alonso, Gonzalo Higuain, Raul Albiol
Denis Doyle/GettyImages

Die Historie des "Derbi Madrileño" ist sehr politisch geprägt. Während der frühen Zeit der "Franco-Diktatur" wurde Atlético mit der Militärluftwaffe in Verbindung gebracht, ehe der Diktator in den 1950er Jahren damit begann, Profit aus Real Madrid schlagen zu wollen.

Anfang der 1970er bezeichneten die Real-Anhänger den Rivalen und seine Spieler als "Indios". Die "Blancos" lehnten es hingegen lange ab, nicht-kaukasische Spieler zu verpflichten. "Solange ich lebe, spielt hier kein Schwarzer oder Weißer mit Schnurrbart", äußerte sich der legendäre Präsident Santiago Bernabeu, der sich unter anderem weigerte, den portugiesischen Star Eusebio zu verpflichten. Seit den 2000er-Jahren ist die Rivalität vorrangig sportlicher Natur, die ihren Höhepunkt im Champions-League-Finale 2016 fand.


3. AC Mailand - Inter Mailand

Marco Materazzi, Rui Costa
Mike Hewitt/GettyImages

Die beiden Mailänder Klubs können beide auf eine äußerst erfolgreiche Vereinshistorie zurückblicken. Das "Derby della Madonnina" zeichnet sich dadurch aus, dass beide Klubs die meiste Zeit über ähnlich stark und erfolgreich unterwegs sind und sich sogar ein Stadion teilen. Inter Mailand wurde im Jahr 1908 als eine Abspaltung der AC Milan gegründet. Eine Fangruppierung des Vereins war erbost darüber, dass bei Milan nur italienische Spieler kicken durften und gründeten den "Football Club Internazionale Milano".

Während sich die politische Gesinnung der Anhänger in den Folgejahren noch ziemlich unterschied, kann hiervon heute keine Rede mehr sein. Die Rivalität ist inzwischen vorrangig sportlicher Natur. Inter hat derzeit 19 Meistertitel auf dem Konto stehen, wohingegen die AC 18-mal gewinnen konnte. Allein diese Statistik sagt eigentlich schon alles aus. Die Derbys sind noch ein farbenfrohes und stimmungsvolles Highlight, bei dem an Pyrotechnik nicht gespart wird. Gewalt-Szenen spielen sich jedoch eher selten ab.


2. Celtic Glasgow - Glasgow Rangers

Scott Brown, Andy Halliday, Scott Bain
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Das legendäre schottische Derby, auch "Old Firm" genannt, ist das älteste und häufigste ausgetragene Derby in Europa. Ganze 424-mal trafen die beiden Rivalen aufeinander, wobei die Rangers 165-mal und Celtic 158-mal gewinnen konnte. Die beiden Klubs sind mit Abstand die erfolgreichsten Vereine in Schottland und stellen den Rest der Liga in sämtlichen Bereichen klar in den Schatten.

Im Rahmen der Derbys kam es zu zwei dramatischen Ereignissen, die jedoch nichts mit der Rivalität selbst zu tun hatten. Im Jahr 1931 starb Celtic-Torhüter John Thomson, nachdem er mit einem Angreifer der Rangers zusammengeprallt war. 40 Jahre später kam es zum "Ibrox-Disaster", als eine Absperrung brach und 65 Menschen im Rahmen einer Massenpanik zu Tode kamen.

Der Begriff "Old Firm" wird heutzutage insbesondere von einigen Celtic-Anhängern angezweifelt, weil die Rangers ihrer Meinung zufolge nach dem Zwangsabstieg im Jahr 2012 neu gegründet wurde und nichts mehr mit dem alten Verein zu tun hat.


1. River Plate - Boca Juniors

River Plate vs Boca Juniors- Argentine Professional League Cup
Anadolu Agency/GettyImages

Der "Superclásico" gehört zweifelsfrei zu den brisantesten Derbys weltweit. Die beiden populärsten Klubs Argentiniens sind in Buenos Aires beheimatet, was natürlich nicht ohne Eskalationspotenzial einhergeht. Dieses wird von beiden Fan-Gruppierungen auch regelmäßig ausgelebt. Beide Klubs haben ihren Uhrsprung im italienischen Einwandererviertel "La Boca", jedoch zog River Plate in den 1930er-Jahren in das Reichenviertel "Núñez" um. Fortan galten die River-Plate-Fans als die Reichen und wurden als "Los Millonarios" bezeichnet, wohingegen die Boca-Fans als die Armen wahrgenommen wurden.

Heute ist die Fan-Szene zwar durchmischt, jedoch kommt es im Rahmen der Duelle noch immer zu hitzigen Auseinandersetzen mit zahlreichen Verletzungen und Todesfällen. Gegenseitige Beleidigungen dürfen dabei leider auch nicht fehlen. Die Bocas werden als "Bosteros" bezeichnet, welche früher den Pferdemist von den Straßen aufsammelten. Die Fans von River Plate heißen "Galinas", zu deutsch Hühner.

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