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1. FC Köln: Für den Klassenerhalt müssen auch gegen die Konkurrenz Punkte her

Florian Bajus
Spielt der 1. FC Köln so weiter wie bisher, könnte die Saison im Abstieg münden
Spielt der 1. FC Köln so weiter wie bisher, könnte die Saison im Abstieg münden / Matthias Hangst/Getty Images
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Markus Gisdol rechnet sich vor dem Auswärtsspiel des 1. FC Köln beim FC Bayern keinen Sieg aus, allerdings erinnerte der Cheftrainer an die bisherigen Leistungen der Domstädter gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel. Einzelne Erfolge täuschen jedoch darüber hinweg, dass die biedere Spielweise keine regelmäßigen Punkte verspricht - weshalb es nicht verwunderlich wäre, wenn der FC in der Endabrechnung das rettende Ufer verpassen würde.

Beim 3:1-Erfolg über Arminia Bielefeld am 19. Spieltag hat die Mannschaft des 1. FC Köln gezeigt, dass es auch anders geht - dass sie hoch anlaufen und ihren Gegner früh unter Druck setzen kann, dass sie Torgefahr erzeugen kann und ihre Chancen auch nutzt. Die Partie gegen den direkten Konkurrenten ist im Gesamtbild allerdings eine Ausnahmeerscheinung.

Zumeist setzt Gisdol auf ein tiefes 5-3-2, in dem das Zentrum dicht gemacht wird. Durch diese tiefe und kompakte Staffelung soll ein echtes Bollwerk entstehen, das nach Balleroberungen die mangelnde Sortierung des Gegners mit blitzschnellen Kontern ausnutzen und zum Torerfolg kommen will. Mit Emmanuel Dennis in der Sturmspitze und Ismail Jakobs und Marius Wolf auf den Außenbahnen verfügt der FC tatsächlich über temporeiche Spieler, zudem mit Ondrej Duda über einen Spielgestalter, auch Elvis Rexhbecaj und Salih Özcan sind ballsichere Spieler.

Die Krux liegt aber darin, wie die Kölner nach vorne spielen wollen. Lange Bälle sind meist das Mittel der Wahl, um so die große Distanz zum gegnerischen Tor mit wenigen Passstationen zu überwinden. Dafür braucht es jedoch präzise Zuspiele und eingespielte Spielzüge. Wenn der Ball erobert wird, muss klar sein, wer durchstartet und wohin der Ball gespielt wird. Diese Abstimmung fehlt in den meisten Situationen jedoch ebenso wie die Präzision, weshalb Neuzugang Dennis bisher erfolglos geblieben ist und auf den Derby-Sieg über Borussia Mönchengladbach (2:1), bei dem die Mannschaft ihre einzigen beiden Torchancen genutzt hat und diese auch eher zufällig zustandegekommen sind, zwei ernüchternde Niederlagen gegen Eintracht Frankfurt (0:2) und den VfB Stuttgart (0:1) gefolgt sind.

1. FC Köln: Gisdol wittert eine Chance

An diesem Wochenende (Samstag, 15.30 Uhr) gastieren die Domstädter beim FC Bayern, der sich in der Hinserie mit 2:1 durchgesetzt hat. Auch gegen Bayer Leverkusen (0:4) und im Hinspiel gegen Gladbach (1:3) setzte es Niederlagen für die Gisdol-Elf, ansonsten aber sammelte sie überraschende Punkte gegen Borussia Dortmund (2:1), den VfL Wolfsburg (2:2) und RB Leipzig (0:0).

Es sind diese vier Ergebnisse (der Derby-Sieg inklusive), die Markus Gisdol Hoffnung vor der größten Hürde in der Bundesliga machen: "Wir haben diese Saison gegen Topteams schon gute Leistungen gezeigt", erinnerte der 51-Jährige auf der Spieltagspressekonferenz an jene Erfolge, und "wenn wir die richtige Formation finden, um den Gegner 90 Minuten zu bearbeiten und effektiv nach vorne zu spielen", glaubt Gisdol, "können wir auch in München gut aussehen".

Hinzu komme, dass die Münchner nicht in ihrer Bestform seien, "Bayern hat ein Stück weit gemenschelt zuletzt", sagte Gisdol. Allerdings zollte er dem Gegner aus doppelter Sicht Respekt: "Sie spielen mit ganz, ganz wenig Pause seit Monaten durch. Da ziehe ich den Hut vor." Und: "Man hat im Champions-League-Spiel [4:1 gegen Lazio, Anm. d. Red.] gesehen, dass sie auf den Punkt da sein können."

Der Fokus muss auf den wichtigen Spielen liegen

Er wolle die Mannschaft von Hansi Flick daher "nicht kleiner [reden], als sie sind, sie sind nach wie vor die beste Mannschaft, die ich kenne". Aber Gisdol wittert eine Chance. Die Frage ist nur: Geben diese einzelnen Erfolge, die bis in den November und Dezember vergangenen Jahres zurückgehen, wirklich so viel Selbstvertrauen? Und reichen Punkte gegen die Großen für den Klassenerhalt?

Die entscheidenden Spiele stehen erst noch bevor: Am 24. Spieltag trifft der FC auf den SV Werder, am 28. Spieltag auf Mainz 05, an Spieltag 31 auf den FC Augsburg und im Saisonfinale auf Hertha BSC und Schalke 04. Alle diese Mannschaften stecken in der unteren Tabellenhälfte und sind mehr oder weniger in den Abstiegskampf involviert.

Markus Gisdol hat es noch immer nicht geschafft, der Mannschaft spielerische Lösungen im eigenen Ballbesitz an die Hand zu geben
Markus Gisdol hat es noch immer nicht geschafft, der Mannschaft spielerische Lösungen im eigenen Ballbesitz an die Hand zu geben / Frederic Scheidemann/Getty Images

Es werden kampfbetonte Spiele, in denen es nicht reicht, kompakt zu stehen - denn der Gegner kann sich ebenso gut darauf verlassen, den Kölnern den Ball zu überlassen. In diesem Fall braucht es eine Idee für das Spiel mit dem Ball, ein höheres und kompakteres Positionsspiel mit kürzeren Passwegen und mehr Mut. Andernfalls könnten Gisdol und die Seinen auf den Abstiegsrängen landen, wenn die Hertha unter Pal Dardai anfängt, sich für ihre verbesserten Leistungen zu belohnen, der Mainzer Höhenflug unter Bo Svensson anhält und Bielefeld die eine oder andere Überraschung gelingt.

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