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Weiterer Corona-Verdacht bei Hertha - wo bleibt die Gleichbehandlung?

Yannik Möller
Bei der Hertha ist auch Pal Dardai betroffen
Bei der Hertha ist auch Pal Dardai betroffen / SOEREN STACHE/Getty Images
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Nach drei Corona-Fällen bei Hertha BSC, bei denen auch Trainer Pal Dardai betroffen war, sollte der Trainings- und Spielbetrieb weiterlaufen können. Nun gibt es offenbar mindestens einen weiteren Verdachtsfall. Angesichts der Quarantäne-Verordnungen in Liga zwei muss man sich fragen, wo die Gleichbehandlung bleibt?


Mit generell steigenden Coronavirus-Fallzahlen in ganz Deutschland werden auf kurz oder lang auch mehr Fußballer, Trainer und Betreuer involviert sein. Brandaktuell zu sehen am Beispiel Hertha BSC: Im Verlauf des Donnerstags wurde bekannt, dass es drei positive Tests gab. Trainer Pal Dardai war betroffen, sein Assistent Admir Hamzagic und Stürmer Dodi Lukebakio. Co-Trainer Andreas Neuendorf musste als direkte Kontaktperson in Quarantäne.

Was ohnehin schon schlimm genug und auch bedrohlich für den Spielplan der Berliner war, scheint sich aber nicht zu entspannen - eher im Gegenteil. Am Abend meldete die Bild, dass es (mindestens) einen weiteren Verdachtsfall unter den Spielern gegeben haben soll.

Angedacht war es ursprünglich, dass sich rund 40 Mann aus der Mannschaft und dem engsten Umfeld bis zum 28. April in Quarantäne begeben. Dafür war extra ein Hotel ausgesucht worden, der Spielbetrieb sollte möglichst nicht gefährdet werden. Das Problem: Dem Bericht zufolge fuhren die Spieler anstatt mit den Bussen dorthin, doch privat nach Hause. Sich mit einem Verdachtsfall gemeinsam zu isolieren, das wäre selbstredend nicht zielführend.

Inzwischen ist auch eine Quarantäne für die gesamte Mannschaft der Hertha ein Thema. Detlef Wagner, seines Zeichens Bezirksstadtrat beim zuständigen Amt für Gesundheit und Soziales zur Bild: "Wenn das so stimmen würde und diese Infektion aus der Mannschaftskette käme, dann ist es vorbei - dann muss die ganze Mannschaft von Hertha BSC für 14 Tage in häusliche Quarantäne." Ganz deutlich: "Dann ist der Spielbetrieb nicht aufrecht zu erhalten."

Hertha BSC
Das Training konnte und durfte die Hertha noch umsetzen (Archivbild) / ANNEGRET HILSE/Getty Images

Eine spezielle Ausnahme, also eine "Lex Hertha", soll es nicht geben. Der einzig denkbare Ausweg wäre, laut Wagner, "dass uns der Spieler glaubhaft erklären würde, dass er sich von außerhalb angesteckt hat und seitdem drei Tage keinen engen Kontakt zur Mannschaft hatte". Das ist an sich schon äußerst problematisch.

Ungleiche Behandlung in der 2. Bundesliga nicht zu verstehen - das Beispiel Holstein Kiel

Was allerdings auch problematisch ist, ist die auffallende Ungleichbehandlung. In der 2. Bundesliga gab es zuletzt ebenfalls Vereine, die von Corona-Fällen betroffen waren. Diese mussten bei gleicher Anzahl positiver Tests, oder sogar weniger, in Team-Quarantäne. Da wurde erst gar nicht lange überlegt, Optionen hin- und hergeschoben. In diesen Fällen wurde direkt gehandelt.

Das Beispiel Holstein Kiel: Am vergangenen Wochenende gab der Klub bekannt, dass es einen zweiten Fall gab. Zuvor war bereits das halbe Team hinter verschlossenen Türen, mit diesem Vorfall mussten sich die Störche zwei Wochen lang verabschieden.

Nun sieht ihr Spielplan wie folgt aus: Samstag, 24. April in der Liga. Am Dienstag darauf ebenfalls. Am Samstag danach steht das DFB-Pokalspiel gegen den BVB an. Dann wieder der Ligabetrieb am Dienstag, erneut am Freitag und am darauffolgenden Montag ebenso. Vom 24. April bis zum 10. Mai muss Kiel also sechs Spiele bestreiten. Ein sehr, sehr enges Programm.

Viel wichtiger aber die Frage: Warum wird im Falle der Hertha eine Team-Quarantäne erst zum leisen Thema, aber noch längst zu keiner Anordnung, wenn es diese aber in anderen Fällen, die entweder genauso oder gar weniger betroffen, direkt umgesetzt und angeordnet wird?

Natürlich ist es seitens der DFL verständlich, dass der Saisonendspurt nun auch noch möglichst zügig und geräuschlos durchgezogen wird. Eine generelle Unterbrechung der Ligen wäre ein außerordentliches Problem. Genauso ist es zu verstehen, dass die jeweils zuständigen Ämter auch unterschiedliche Entscheidungen treffen.

Dennoch muss es bei solchen grundsätzlichen, bedeutsamen und wirkungsvollen Maßnahmen auch mindestens sehr ähnliche, wenn nicht einheitliche Regularien geben. Es ist schlichtweg nicht verständlich, dass eine ganze Mannschaft in Quarantäne muss, während eine andere - mit offenbar größerer Problematik - dieses Schicksal nicht teilt.

Christian Seifert, DFL
Christian Seifert und die DFL wollen die Saison verständlicherweise über die Bühne kriegen / Pool/Getty Images

Nochmals die wichtige Klarstellung: Es geht dabei keinesfalls darum, der DFL möglichst aufzuzeigen, dass das Hygienekonzept nicht greift und dass der Profifußball zumindest unterbrochen werden müsste. Es ist und bleibt ein gutes Konzept, auch in anderen Berufen gibt es Ansteckungen - dafür muss man keine großen Feiern feiern oder groß die Regeln brechen.

Allerdings braucht es ein Verständnis, ein abgestimmtes Vorgehen bei derartigen Vorkommnissen. Mit zweierlei Maß kann dabei nicht gemessen werden, weil die Klubs unter den gleichen Vorgaben und mit dem gleichen Ziel agieren.

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