Es war definitiv nicht die Woche der deutschen Torhüter. Bereits am Donnerstagabend sorgte ein Patzer von Noah Atubolu für eine Freiburger Last-Minute-Niederlage bei Sporting Braga und auch der darauffolgende Bundesliga-Spieltag brachte keine Besserung. Oliver Baumann zeigte einen sehr fehlerhaften Auftritt gegen den VfB Stuttgart und auch bei Gegenüber Alexander Nübel gab es Licht und Schatten. Derweil erwischte auch Bayern-Keeper Jonas Urbig nicht sein bestes Match gegen Heidenheim und kassierte wie Baumann und Nübel drei Gegentore.
Konträr dazu blieb Moritz Nicolas am Sonntag mit den Gladbachern ohne Gegentreffer und durfte sich über den sicheren Klassenerhalt freuen. Aufgrund der für die Fohlen unter dem Strich trotzdem schwachen Saison, spricht in Deutschland kaum jemand über Nicolas. Dabei ist dieser statistisch betrachtet der beste Keeper in Deutschland - und stellt Oliver Baumann gehörig in den Schatten.
Moritz Nicolas vs. Oliver Baumann im statistischen Vergleich
Wir vergleichen beide Torhüter nach den Daten des Portals Ligainsider. In Klammern steht jeweils die Platzierung im Vergleich zu allen anderen Bundesliga-Keepern mit entsprechender Einsatzzeit.
Moritz Nicolas | Oliver Baumann | |
|---|---|---|
Abgewehrte Schüsse (in %) | 72,3 (2.) | 66,0 (9.) |
Paraden (pro Spiel) | 2,33 (3.) | 2,32 (4.) |
Vereitelte Großchancen (in %) | 49,1 (2.) | 33,3 (16.) |
Spiele zu Null | 12 (2.) | 4 (16.) |
Abgewehrte Elfmeter (in %) | 0,0 | 0,0 |
Fehler vor Schuss/Gegentor pro Spiel (pro Spiel) | 0 (1.) | 0,15 (33. inklusive Feldspieler) |
Notenschnitt | 2,94 (1.) | 3,30 (13.) |
DIe Tabelle zeigt, dass Nicolas - abgesehen von Elfmetern - praktisch in allen Kategorien zu den Top-Torhütern der Bundesliga zählt. In den Kategorien "Abgewehrte Schüsse", "Vereitelte Großchancen" und "Spiele zu Null" ist er zudem der beste deutsche Keeper, da hier mit Kobel oder Gulacsi ausländische Torhüter auf Platz eins sind.
Die statistischen Daten von Oliver Baumann lesen sich hingegen ziemlich durchschnittlich. Insbesondere die Quote in Sachen "Vereitelte Großchancen" ist für eine deutsche Nummer eins schon ein wenig enttäuschend.
Baumann setzt kaum noch wirkliche Glanzpunkte
Doch nicht nur im statistischen Vergleich hat Baumann klar das Nachsehen, auch bei den Kicker-Noten ist er ziemlich hinten dran. Hier belegt er in Sachen Notenschnitt unmittelbar hinter Alexander Nübel und Noah Atubolu Platz elf. Letztmals wurde er am 22. Spieltag besser als mit 3,0 bewertet.
Nicolas ist hingegen auch hier immerhin auf dem vierten Platz und hinter Heuer Fernandes der zweitbeste deutsche Keeper. In der gesamten Rückrunde wurde er nie schlechter als mit 3,5 bewertet und angelte sich gegen Leipzig vor wenigen Wochen sogar die Traum-Note 1,0.
Muss Nagelsmann jetzt auf Nicolas setzen?
Mit seinen starken Leistungen hätte es sich Moritz Nicolas gewiss verdient, beispielsweise als Nummer drei zur WM mitzufahren. Ihn zum jetzigen Zeitpukt zum Stammkeeper zu erklären, wäre jedoch falsch und ist auch vollkommen unrealistisch.
Nicolas hat noch kein A-Länderspiel bestritten und stand nur einmal für die deutsche U21 im Tor. Hinzu kommt, dass er keinerlei internationale Erfahrung abgesehen von sechs Partien in der UEFA Youth League besitzt. Es sind zwei verschiedene Paar Handschuhe, in der Bundesliga gegen den Abstieg zu kämpfen oder auf der großen WM-Bühne die Nummer eins zu sein.
Sollte Baumann die Nummer eins bleiben?
Aus Nagelsmann-Sicht macht es wohl auch wenig Sinn, Oliver Baumann jetzt abzusägen. Wirklich brillant war dieser zuletzt zwar nicht, so richtig viele klare Fehler hat er aber auch nicht gemacht. Im DFB-Tor wirkte er zudem immer ziemlich stabil. Bedenkt man, dass die Konkurrenz um Noah Atubolu und Alexander Nübel auch so ihre Wackler im Spiel haben, sollte kein Wechsel vollzogen werden. Bernd Leno wäre sportlich eine Option, hat sich aber selbst ins Abseits geschossen.
Die Neuer-Diskussionen sind verständlich, da Deutschland aktuell wirklich keinen richtigen Top-Keeper hat, jedoch hat auch der 40-Jährige mit Formschwankungen zu kämpfen und würde womöglich selbst bei einem Nagelsmann-Flehen nicht ins DFB-Team zurückkehren.
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