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Neuer nötig für deutschen WM-Coup! Diesen Beweis ist Baumann schuldig geblieben

Die Indizien verdichten sich, dass Manuel Neuer für die WM doch noch ein Thema werden könnte. Sollte Julian Nagelsmann den Routinier zurückholen?
Die Torhüter-Diskussion ist noch immer nicht erledigt.
Die Torhüter-Diskussion ist noch immer nicht erledigt. | picture alliance/GettyImages

Eigentlich wurden reichlich Bemühungen unternommen, Oliver Baumann als Stammkeeper der Nationalmannschaft zu stärken. So betonte Julian Nagelsmann im Rahmen der letzten Länderspiele, dass dieser "die Nummer eins" sei und attestierte ihm einen "hervorragenden Job". Derweil stellte Manuel Neuer mehrmals klar, dass das Thema Nationalmannschaft für ihn erledigt sei.

Letztlich haben es aber weder die Aussagen von Nagelsmann noch jene von Neuer geschafft, dass endlich Ruhe in die Debatte kehrt. Tatsächlich soll eine Rückkehr der langjährigen Nummer eins unter anderem laut kicker-Angaben konkreter denn je diskutiert werden (90min berichtete).

Nicht wenige sehen es als ungerecht gegenüber Baumann, dass dieser trotz guter Auftritte in der WM-Qualifikation öffentlich und womöglich auch intern noch immer in Frage gestellt wird.

Baumann konnte Zweifel nie endgültig ausräumen

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Baumann hat es nie geschafft, dieses Fass ein für alle Mal zu schließen. Der Hoffenheimer konnte nicht endgültig beweisen, dass er mehr ist als ein grundsolider und sicherer Rückhalt, der über gutes Bundesliga-Niveau verfügt. Baumann ist in zahlreichen Statistiken wie "Gehaltene Bälle" oder "Großchancen vereitelt" eher durchschnittlich unterwegs. Ähnlich sehen auch seine Bewertungen aus.

Beim Portal Ligainsider hat er den zwölftbesten Notendurchschnitt aller Bundesliga-Keeper, beim kicker den zehntbesten. Insbesondere in den letzten Monaten konnte Baumann kaum mal so richtig positiv aufzeigen. Beim kicker wurde er in den letzten zwölf Partien nur einmal besser als mit 3,0 bewertet. Hinzu kamen wacklige Auftritte in wichtigen Spielen gegen Stuttgart und Leipzig, die er in der Hinrunde noch nicht verzeichnete. Auf diese Weise hat er seinen Nummer-eins-Status nicht weiter festigen können.

Diskussionen um eine Torwart-Legende wie Manuel Neuer hätte man nur dann verstummen lassen können, wenn Baumann in den letzten Monaten absolute Top-Leistungen gezeigt hätte.

Folgerichtig ist die Verlockung groß, Neuer doch dazu zu bitten, ein Comeback in der Nationalmannschaft zu starten. Sollte Nagelsmann diesen Schritt gehen, gibt es eigentlich kein Zurück mehr. Alles andere, als Neuer als Nummer eins zurückzuholen, ergibt wenig Sinn.

Neuer mit größeren Leistungsschwankungen als Baumann

Stellt sich nur die Frage, ob Neuer überhaupt besser als Baumann ist. Darüber lässt sich jedenfalls streiten, zumal der Bayern-Keeper nicht mehr in seiner Prime ist und durchaus eine gewisse Fehleranfälligkeit besitzt. Festzustellen war dies unter anderem im Rückspiel gegen Real Madrid, als der 40-Jährige in der ersten Minute mit einem kapitalen Fehlpass ein Gegentor verursachte.

Baumann ist im Vergleich zu Neuer inzwischen der solidere Torhüter. Dies zeigen auch die Ligainsider-Statistiken. Dem Hoffenheimer unterlaufen 0,15 Fehler vor einem gegnerischen Schuss oder Torerfolg pro 90 Minuten, bei Neuer beträgt die Quote 0,33.

Sieht man sich jedoch die Statistik bezüglich parierter Großchancen an, zeichnet sich ein anderes Bild ab. Neuer liegt bei 42,1 Prozent vereitelter Großchancen, Baumann hingegen nur bei 34,7 Prozent.

Für Nagelsmann wäre die Entscheidung zwischen Neuer und Baumann also auch eine zwischen Sicherheit und Risiko. Neuer ist es eher zuzutrauen, an einem Sahnetag - wie etwa im Hinspiel gegen Real oder im Rückspiel gegen Paris - zum Matchwinner zu werden. Mit Baumann im Tor bleibt der Puls im Durchschnitt vermutlich niedriger, jedoch kann man von ihm auch nicht erwarten, dass er Deutschland "im Alleingang" rettet.

Deutschland vor Achtelfinal-Kracher gegen Frankreich?

Möchte Deutschland bei der WM wirklich etwas reißen, ist aber vermutlich eine Ausnahme-Torhüterleistung nötig. Der Blick auf den Turnierbaum besagt, dass es bei einem erwartungsgemäßen Verlauf im Achtelfinale zum Duell zwischen Deutschland und Frankreich kommt. Dies passiert jedenfalls, wenn beide ihre Gruppen und ihr Sechzehntelfinale gewinnen.

Die gegnerischen Offensivkräfte hießen dann unter anderem Michael Olise, Ousmane Dembélé und Kylian Mbappé. Der Vorteil von Neuer liegt darin, dass er die französischen Stürmer deutlich besser kennt als Baumann, da er diesen schon häufig in Top-Matches gegenübergestanden ist oder im Fall von Olise mit ihm in einer Mannschaft spielt. Ähnlich würde es auch im Duell mit den Stürmern anderer Top-Nationen aussehen. Neuer ist in internationalen Top-Spielen weitaus erfahrener als Baumann und bringt eine ganz andere Aura mit auf den Platz.

Vorteil Neuer: Deutschland muss Risiken eingehen

Ja, die Gefahr, dass Neuer vielleicht trotzdem gerade in einem großen Spiel patzt, ist gegeben, jedoch ist das DFB-Team in einer Position, in der es das Risiko eingehen muss. Angesichts der zahlreichen Problemen im Kader - sei es die Außenverteidiger-Position oder die Mittelstürmer-Frage - wäre es ohnehin überraschend, wenn ein weltmeisterlicher Lauf gelingt. Mit Neuer würde man diesen Prozentsatz zumindest leicht nach oben schrauben.

Eine Neuer-Rückkehr würde mit einem enormen medialen Echo einhergehen, jedoch hat man dieses auch aktuell schon. Die vielen Diskussionen setzen Baumann schon jetzt unter Druck. Sollte er als Nummer eins zur WM fahren, würde schon ein Fehler reichen, um die "Hätte man nur Neuer zurückgeholt"-Stimmen laut werden zu lassen.

Nagelsmann steht kurz vor der Kaderbekanntgabe vor einem Dilemma. Die leichte Formdelle von Oliver Baumann und die zum Teil starken Neuer-Performances würden ein spätes Umdenken gerade so rechtfertigen. Für Deutschland wäre eine Neuer-Rückkehr - sofern er das selbst möchte - wohl unter dem Strich die bessere Variante.


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