Die Debatte um Deniz Undav war das Aufreger-Thema schlechthin bei der letzten Länderspielphase. Zunächst durfte der Stürmer trotz seiner gigantischen Quote gegen die Schweiz gar nicht ran, ehe er dann als Joker gegen Ghana den späten Siegtreffer erzielte. Julian Nagelsmann fand daraufhin jedoch öffentlich vielmehr kritische als lobende Worte, was dem Bundestrainer öffentlich ziemlich um die Ohren flog.
Beispiel gefällig? "Wenn er vorher 70 Minuten marschiert, weiß ich nicht, ob er ihn reinmacht. Es war schon ein langer Schritt, der nach 70 Minuten - auch im Hinblick auf den Sommer bei 42 Grad - für ihn schwierig sein kann", so eine der problematischen Nagelsmann-Aussagen über Undav, dem er bis zu seinem Treffer einen schwachen Auftritt attestierte.
Nagelsmann zeigt sich selbstkritisch: "Ein unnötiger Satz"
"War blöd von mir, tut mir leid."Nagelsmann über seine Undav-Kritik
Der Bundestrainer hat jedoch schnell eingesehen, dass er mit der ein oder anderen kritischen Aussage ein wenig über das Ziel hinausgeschossen hat. "Es war ein unnötiger Satz, für den ich mich auch direkt am nächsten Tag bei Deniz entschuldigt habe. Das hat er Gott sei Dank angenommen und es ist auch alles in bester Ordnung zwischen uns", erklärte Nagelsmann im Interview mit Johannes B. Kerner in der Talk-Reihe "Bestbesetzung" bei Magenta TV.
Einen Anschub zum Gespräch mit Undav bekam Nagelsmann im Übrigen von seiner Frau Lena Wurzenberger. "Sie ist ein Mensch, der mich super reflektiert, der mir natürlich auch ins Gesicht sagt, wenn irgendwas nicht gut war. Beispiel Deniz Undav. Ich habe ihr gesagt, ich werte ihn anrufen und dann hat sie gesagt: Ja, das rate ich dir auch", führte Nagelsmann aus.
Die ständige Debatte um die Situation von Undav in der Nationalmannschaft scheint Nagelsmann zuletzt ordentlich zu schaffen gemacht zu haben. "Ich habe mich in dem Moment einfach ein bisschen triggern lassen von sehr vielen Nachfragen zu ein und demselben Thema. Es war nicht richtig und war auch in der Schärfe für die Öffentlichkeit viel zu forsch. Und da habe ich gesagt: 'War blöd von mir, tut mir leid'", zeigte er sich selbstkritisch.
Nagelsmann spricht erneut über die Undav-Rolle
"An dieser Rolle kann sich immer auch etwas ändern."Julian Nagelsmann
Ein Kernpunkt der Debatte bei Undav war dessen Rolle, die Nagelsmann ihm zugeschrieben haben soll. Also eine Rolle des Jokers, der keine Chance hat, an dieser noch etwas zu rütteln. Im Interview mit B. Kerner ordnete er auch dieses Thema nochmal ein. "Im März war der Stand, dass er Herausforderer ist und dass er als Joker eine gute Rolle spielen kann. Das hat er getan. An dieser Rolle kann sich immer auch etwas ändern. Aber das betrifft nicht nur Deniz, sondern alle Spieler", beschrieb der Bundestrainer.
Nach dem Ghana-Spiel hatte Nagelsmann noch gesagt, dass es unwahrscheinlich sei, dass sich an der Rolle von Undav bis zur WM noch etwas ändert. Auch wenn der Bundestrainer jetzt leicht zurückrudert: Man muss davon ausgehen, dass Undav bei der WM lediglich eine Joker-Rolle übernehmen wird.
