Nach Kuntz-Rücktritt: Wer hält beim HSV die Hebel in der Hand?
Von Dominik Hager

Eine hundertprozentige Ticket-Auslastung, die reisefreudigsten Fans der Liga und rekordverdächtige Trikotverkaufszahlen: Der Hamburger SV boomt und hat auch sportlich in der Hinrunde für einen Aufsteiger durchaus ordentliche Leistungen gebracht. Eigentlich könnte an der Elbe alles ganz ruhig sein. Doch dann gab es pünktlich zum Jahreswechsel einen größeren Knall: Sportvorstand Stefan Kuntz hat seinen Vertrag zum 31. Dezember aufgelöst und reißt eine große Lücke in den Verein.
Aufsichtsrats-Chef Michael Papenfuß zeigte sich trotz der unvorhergesehenen Situation entspannt. "Wir sind mit Eric Huwer als Vorstand und einer starken Führungsriege sehr gut aufgestellt", erklärte er laut Bild zuversichtlich. Zwar werden die Verantwortlichen früher oder später einen Kuntz-Nachfolger präsentieren müssen, jedoch möchten sie sich bei der Suche wohl die nötige Zeit lassen.
Huwer und Costa lenken die Geschicke beim HSV
In dieser Position ist der HSV unter anderem, weil Finanzvorstand Eric Huwer als starker Mann gilt und in den letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht hat. Huwer hat die wirtschaftliche Situation im Griff. Zudem sei laut Bild-Bericht Claus Costa schon zu Kuntz-Zeiten als Sportdirektor für die Kaderplanung weitgehend in der Verantwortung gewesen. Sollten die Hamburger im Winter also auf dem Transfermarkt nachlegen wollen, gibt es durchaus noch eine Doppelspitze, die die Hebel in der Hand halten kann.
Aufgrund der starken Transferphase im Sommer gibt es aber gar nicht so viel zu tun. Zwar sah die Kaderplanung lange nicht sonderlich glücklich aus, jedoch konnten die Leih-Deals mit Luka Vuskovic und Fabio Vieira sowie der Kauf von Albert Sambi Lokonga die Wende bringen. Lediglich den Selke-Abgang konnte Costa durch die Poulsen-Verpflichtung nicht kompensieren, weshalb im Winter neben einem Linksaußen noch ein Stürmer gesucht wird.
Costas Vertrag wurde erst kürzlich bis zum Sommer 2028 verlängert. Gut möglich, dass er nach dem Kuntz-Abschied noch mächtiger wird, zumal er als enorm fleißig und verlässlich angesehen wird.
Nicht alle trauern Kuntz hinterher
Kuntz hingegen hatte schon vor seinem Rückzug nicht mehr von allen Seiten den nötigen Rückhalt. Grund dafür waren einige unklare Aktionen des Ex-Sportvorstands. Beispielsweise zog er 2024 eine Job-Zusage an Bruno Labbadia per WhatsApp wieder zurück. Derweil soll er auch an einer möglichen Alternative für Costa gearbeitet haben. Zudem hat Kuntz wohl im Selke-Poker unter vier Augen andere Zahlen genannt als im schriftlichen Vertragsangebot aufgeführt wurden. Letztlich verabschiedete sich der Stürmer in die Türkei.
Klar ist aber auch, dass man die Verdienste von Kuntz nicht einfach wegwischen kann. Immerhin hat er den Klub nach siebenjährige Abstinenz zurück ins Oberhaus geführt. "Natürlich wird er fehlen, er hat uns mit seiner Erfahrung sehr geholfen", bedauerte auch Coach Merlin Polzin, der allerdings den Blick auch gleich wieder nach vorne richtete. "Ich bin mir sicher, dass wir gut aufgestellt sind und wissen, was auf uns zukommt", machte er deutlich.
Beim HSV wird also mit ziemlicher Sicherheit jetzt auch kein Chaos ausbrechen, welches sich auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirken würde. Die Rothosen rangieren aktuell auf dem 13. Platz und haben vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz.
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