Der FC Bayern hat eine sagenhafte Saison gespielt und war auch auf international mit dem Einzug ins Champions-League-Halbfinale ganz vorne mit dabei. Zu den Stammspielern der Bayern gehörten mit Manuel Neuer, Jonathan Tah, Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlovic und Serge Gnabry sowie später Jamal Musiala mehrere deutsche Nationalspieler.
Umso größer ist die Verwunderung darüber, wie eine Nationalmannschaft mit so vielen Spielern einer absoluten Top-Vereinsmannschaft bei der WM 2026 derart untergehen kann.
Dabei muss auch erwähnt werden, dass die Bayern-Stars im DFB-Dress keineswegs eine bessere Leistung gezeigt haben als ihre Mitspieler aus anderen Vereinen. Im Gegenteil: Zu den Lichtblicken gehörten eher Felix Nmecha und Nathaniel Brown, welcher jetzt zu den Münchnern wechselt.
Kane, Olise, Diaz und Co. brillieren
Man kann jedoch nicht sagen, dass alle Bayern-Spieler bei der WM schwach performen. Harry Kane hat England praktisch im Alleingang ins Achtelfinale geschossen und wird von einer ganzen Nation als Retter betrachtet. Der Mittelstürmer hat schon fünfmal getroffen und das Duell mit der DR Kongo gedreht.
Michael Olise ist bei den Franzosen zwar noch ohne Treffer, fungiert aber dennoch als Dreh- und Angelpunkt der Offensive, zeigt regelmäßig fast schon magische Szenen und ist mit fünf Assists der beste Vorbereiter des Turniers. Landsmann Dayot Upamecano ist wie in München der Fels in der Brandung und sorgt mit seiner Athletik dafür, dass Frankreich gegen schnelle Gegenzüge gewappnet ist.
Luis Diaz war zwar bei Kolumbien noch nicht ganz so auffällig, hat jedoch auch schon getroffen, ein Tor vorbereitet und mit seinem Team vor Portugal die Gruppe gewonnen.
Sind die DFB-Stars beim FC Bayern nur Mitläufer?
Nun muss man sich die Frage stellen, ob die deutschen Nationalspieler beim FC Bayern wirklich Leistungsträger sind oder die Münchner vielmehr von den ausländischen Stars profitieren und die einheimischen Spieler nur mitschwimmen.
Wir nehmen die deutschen Bayern-Profis genauer ins Visier. Serge Gnabry, Jonas Urbig und Lennart Karl bleiben außen vor, selbiges gilt für Nathaniel Brown, der ja erst zur kommenden Saison beim FC Bayern spielen wird. Ebenso Leon Goretzka, der die Münchner verlassen hat.
1. Manuel Neuer

Manuel Neuer war sowohl im DFB-Team als auch beim FC Bayern über viele Jahre hinweg ein absoluter Erfolgsgarant. Neuer war eine tragende Säule bei den Champions-League-Titeln und beim Weltmeistertitel 2014. Diese Zeiten sind aber lange vorbei.
Der inzwischen 40-Jährige gehört beim FCB nicht mehr zu den absoluten Leistungsträgern. An guten Tagen war er zwar in der abgelaufenen Saison spielentscheidend, an schwächeren Tagen jedoch ein Sicherheitsrisiko. Demnach hält sich die Performance in etwa in der Waage.
Letztlich lag es auch nicht an Neuer, dass Deutschland früh ausgeschieden ist, jedoch war auch sein Turnier unglücklich. Man kann sich aber relativ sicher sein, dass die Bayern mit einem ausländischen Keeper oder Jonas Urbig nicht großartig schlechter aufgestellt wären. Berücksichtigt man Neuers Alter, ist das ja ganz normal.
2. Jonathan Tah

Jonathan Tah war bei der WM tendenziell noch einer der besseren Deutschen, wenngleich sein verschossener Elfmeter letztlich das Aus besiegelte. Der 30-Jährige hat beim FC Bayern eine sehr starke Saison gespielt.
Natürlich könnte man jetzt sagen, dass Tah davon profitiert hat, mit Dayot Upamecano einen sehr starken Nebenmann gehabt zu haben, der mit seiner Athletik schlichtweg in sehr viele Zweikämpfe kommt und damit viel von der Defensivarbeit abdeckt. Ganz so einfach ist es aber nicht. Upamecano hat schließlich nicht umsonst seine beste Saison in München hinter sich.
Der Franzose hat ebenso von Tah profitiert wie umgekehrt. Der deutsche Nationalspieler verkörpert enorm viel Ruhe und ist ein Leader-Typ, der in der Lage ist, Ansagen zu machen und seine Mitspieler zu koordinieren. Dies ist genau der Punkt, in dem Upamecano Luft nach oben hat. Die Rolle von Tah beim FCB ist also ambivalent. Zum einen profitiert er von seinen Kollegen, insbesondere von Upamecano, auf der anderen Seite macht er diese auch besser und verleiht dem Team Stabilität.
3. Aleksandar Pavlovic

Bei keinem Spieler klaffte eine solche Performance-Diskrepanz wie bei Aleksandar Pavlovic. Der Mittelfeld-Youngster spielte beim FC Bayern eigentlich eine sehr starke Saison, enttäuschte bei der WM aber komplett.
Der Münchner gewann kaum Zweikämpfe und war mit seiner Rolle im Mittelfeld überfordert. Bei ihm kann man schon anmerken, dass er beim FC Bayern eher von den Stars um sich herum profitiert. Mit Joshua Kimmich hat er einen sehr erfahrenen Nebenmann, an dem er sich orientieren kann. Zudem reicht es häufig aus, einfach nur die Bälle zu verteilen, ohne selbst die zündenden Ideen zu haben. Dafür stehen Olise, Diaz und Co. auf dem Platz.
Im DFB-Team wäre vielleicht hier und da mehr Eigeninitiative gefragt. Pavlovic erinnert gewissermaßen ein wenig an den jungen Julian Weigl. Dieser wurde auch als ganz großes Talent angesehen, weil er in einem starken BVB-Team die Bälle gekonnt verteilte. Lief es im Verein nicht mehr so, fiel es mehr ins Gewicht, dass es ihm an Athletik und Zweikampfhärte fehlt. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass Pavlovic beim FC Bayern durchaus schon gezeigt hat, dass er Zweikämpfe führen und gewinnen kann.
War die WM also nur ein Ausrutscher? Das ist schwer zu sagen. Pavlovic profitiert schon von der starken Bayern-Mannschaft und dem vielen Ballbesitz, ist aber definitiv auch ein besserer Spieler, als man anhand der WM-Auftritte annehmen könnte. Austauschbar ist er gewissermaßen dennoch.
4. Joshua Kimmich

Sieht man sich den Kimmich im Verein an, könnte man ihm durchaus das Prädikat Weltklasse verleihen. Davon ist in der Nationalmannschaft wenig übrig geblieben.
Der Vergleich ist allerdings auch schwierig, weil er unter Nagelsmann eine völlig andere Rolle einnehmen musste. Im Grunde ist es bei Kimmich ähnlich wie bei Tah. Natürlich profitiert er von den außergewöhnlichen Offensivkönnern im Verein, die seine Zuspiele auch anders verwerten können. Kimmich selbst ist aber kein typischer Spielentscheider. Dies müssen in der Regel andere für ihn tun.
Trotzdem ist der 31-Jährige im Verein ein ganz wichtiger Spieler. Dies erkennt man schon daran, dass Pavlovic an seiner Seite viel besser funktioniert hat als im DFB-Team. Kimmich ist ein unermüdlicher Leader und Antreiber und bringt im Herzen des Bayern-Spiels wichtige Komponenten für den Erfolg mit.
Olise, Kane und Co. können Spiele nicht alleine gewinnen, sondern benötigen Akteure, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen, das Spiel antreiben und auf dem Platz viel kommunizieren. Den Wert von Kimmich für den FC Bayern darf man auf keinen Fall unterschätzen, wenngleich andere Spieler oft die Entscheider und individuell noch einen Ticken besser sind.
5. Jamal Musiala

Olise, Diaz und Co. sind genau das, was Jamal Musiala eigentlich werden sollte. Dies ist aus bekannten Gründen derzeit aber noch nicht der Fall. Musiala war im Vorfeld der WM ein Sorgenkind und ist dieses auch geblieben.
Beim FC Bayern konnte er sich noch ein wenig besser verstecken, weil andere Offensivkräfte die Kohlen aus dem Feuer geholt haben und Musiala kein Matchwinner sein musste. Beim DFB-Team wäre Musiala selbst gefragt gewesen, Spiele mit seinem individuellen Können zu entscheiden. Dafür war er nicht in der Lage, wenngleich er beim Aus gegen Paraguay als Joker der vielleicht beste Feldspieler im deutschen Team war.
Womöglich ist das ja ein positives Zeichen für die Zukunft. Musiala war beim FC Bayern schon ein Unterschiedsspieler und kann auch wieder ein solcher werden. Bis dahin muss er aber noch einige Schritte gehen. Stand jetzt ist Musiala in der Bayern-Offensive eher ein Mitläufer und kein klarer Leistungsträger. Womöglich benötigt es hier aber einfach nur Geduld.
Fazit
Die deutschen Spieler sind beim FC Bayern zwar durchaus wichtig, entscheiden aber die absoluten Top-Spiele in der Regel nicht. Die absoluten Stars der Mannschaft sind Harry Kane, Michael Olise und mit Abstrichen Dayot Upamecano und Luis Diaz. Sie sind es, die gegen Real Madrid, PSG und Co. den Unterschied ausmachen müssen. Genau solche Mitspieler hatten Kimmich und Co. im DFB-Team nicht an ihrer Seite. Es fehlte an den klaren Matchwinnern.
Die deutschen Spieler verleihen dem FC Bayern eher das Fundament, welches aber dann auch Olise, Kane und Co. dazu einlädt, glänzen zu können. Aus dieser Perspektive benötigen sich beide gegenseitig. Hierbei sei aber angemerkt, dass es auch internationale Spieler, wie Konrad Laimer, Josip Stanisic oder Alphonso Davies gibt, die wichtig für den Verein, aber keine absoluten Stars sind.
In Bezug auf die deutschen Spieler sind Joshua Kimmich in erster Linie und Jonathan Tah in zweiter Linie die wichtigsten Bayern-Stars. Aleksandar Pavlovic, Manuel Neuer und Jamal Musiala (in seiner aktuellen Form) sind eher diejenigen, die austauschbar wären. Letzterer kann aber natürlich schon bald wieder zum Kreise der absoluten Leistungsträger zählen.
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