Skip to main content

Krösche-Magie am Ende? Das große Transfer-Zeugnis 2026/27 für Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt hat im Transfersommer 2026 ein sattes Plus erwirtschaftet. Doch ist der Kader auch stark genug?
Markus Krösche hat in diesem Transfersommer nicht gezaubert
Markus Krösche hat in diesem Transfersommer nicht gezaubert | Alex Grimm/GettyImages

Eintracht Frankfurt hat ein turbulentes Jahr hinter sich und konnte sich als Tabellen-Achter der Bundesliga nicht für das internationale Geschäft qualifizieren. Das Chaos aus der Saison hat sich auch ein Stück weit in die Sommer-Transferphase übertragen. Markus Krösche hatte die schwere Aufgabe, mit nicht sonderlich gut gefüllten Kassen die Sorgen der SGE zu lösen. Zwar hat der Eintracht-Kaderplaner in der Vergangenheit häufiger gezaubert, jedoch gab einem der Transfersommer 2026 ziemlich zu denken.

Wir analysieren und bewerten, wie sich die SGE in der abgelaufenen Transferphase geschlagen hat.

Was können die Neuzugänge liefern?

  • Noah Atubolu: SC Freiburg (Leihe + Kaufoption-/Pflicht)
  • Noel Aseko: FC Bayern München (12 Mio. €)
  • Otávio: CF Estrela Amadora (ca. 6 Mio. €)
  • Raphael Onyedika: Club Brügge (ca. 10 Mio. €)
  • Lilian Brassier: Stade Rennes (ca. 9 Mio. €)

Betrachtet man diese Liste, könnte man eigentlich meinen, dass Markus Krösche einen ganz guten Job gemacht hat. Insbesondere der Atubolu-Deal ergibt absolut Sinn. Zwar ist die Höhe der Kaufoption-/Pflicht nicht kommuniziert worden, jedoch hat die Eintracht endlich wieder einen Top-Keeper, auf den man sich verlassen kann.

Der Kauf von Raphael Onyedika ist ebenfalls interessant, zumal dieser für nur neun Millionen Euro kommt, aber reichlich Champions-League-Erfahrung und Potenzial mitbringt. Dem 25-Jährigen ist es durchaus zuzutrauen, der neue Mittelfeld-Leader im Team zu werden – und zwar auf einem hohen Niveau. Noel Aseko ist eine etwas riskantere Wette, jedoch hat der Ex-Bayern-Youngster als Leihspieler in Hannover überzeugt. Bundesliga-Erfahrung besitzt Aseko jedoch noch keine.

In der Abwehr kam zunächst mit Otávio ein eher unbeschriebenes Blatt, ehe man kurz vor dem Transferende mit Lillian Brassier doch noch einen etwas erprobteren Innenverteidiger an Land ziehen konnte. Brassier soll vor allem mit seiner Athletik und Zweikampfstärke helfen.

Wie sehr fallen die Abgänge ins Gewicht?

  • Rasmus Kristensen: FC Midtjylland (6 Mio. €)
  • Nathaniel Brown: Bayern München (50 Mio. €)
  • Aurèle Amenda: Coventry City (18 Mio. €)
  • Jean-Mattéo Bahoya: Leeds United (2 Mio. € Leihgebühr, Kaufpflicht über 25 Mio. €)
  • Hugo Larsson: FC Fulham (Leihe, Kaufpflicht über 20 Mio. €)
  • Arthur Theate: FC Bologna (Leihe, Kaufoption 15 Mio. €)
  • Niels Nkounkou: OGC Nizza (Leihe)
  • Elye Wahi: OGC Nizza (Leihe)
  • Hrvoje Smolčić: Çorum FK (Ablöse unbekannt)
  • Ellyes Skhiri: 1. FC Köln (ablösefrei)
  • Mahmoud Dahoud: vereinslos (ablösefrei)
  • Michy Batshuayi: Abha Club (Ablöse unbekannt)
  • Junior Dina Ebimbe: FC Schalke 04 (Ablöse unbekannt)
  • Noel Futkeu: SV Elversberg (Leihe)
  • Krisztián Lisztes: Ferencváros (Leihe verlängert)
  • Noah Fenyö: Újpest FC (Leihe)
  • Fousseny Doumbia: Energie Cottbus (Leihe)
  • Kaan İnanoğlu: Dynamo Dresden (Leihe)
  • Simon Simoni: FC Luzern (Ablöse unbekannt)

Die Abgänge-Liste ist enorm lang, jedoch muss man natürlich ein bisschen differenzieren. Längst nicht alle Abgänge stellen auch einen Verlust im Profi-Team dar. Besonders heftig wird die Hessen jedoch der Abschied von Nathaniel Brown treffen. Der Linksverteidiger war in einer mäßigen Vorsaison ein echter Lichtblick und ist nicht umsonst zum FC Bayern gewechselt. Rechtsverteidiger Rasmus Kristensen hat die SGE ebenfalls verlassen, jedoch ist der Verlust des Dänen wohl etwas leichter zu kompensieren.

Kurz vor Transferende gingen dann mit Hugo Larsson und Jean-Matteo Bahoya zwei der talentiertesten Frankfurter, wenngleich gerade Bahoya zuletzt etwas stagnierte. Arthur Theate hat in Frankfurt eine sehr starke erste Saison gespielt, ist dann jedoch zu Recht ins Hintertreffen geraten. Ähnliches gilt für Ellyes Skhiri, während der Wahi-Deal von Anfang an ein Missverständnis war.

Für Amenda hat Krösche eine gute Summe herausgehandelt, bedenkt man, dass dieser auch keine so große Rolle inne hatte. Die weiteren Abgänge sollten allesamt nicht mit sonderlich großen Probleme einhergehen.

Konnte die Eintracht ihre Problemstellen lösen?

Genau an dieser Stelle muss man ein ganz dickes Fragezeichen setzen. Eintracht Frankfurt hat mit Brown und Kristensen beide Außenverteidiger verloren und auf beiden Seiten keinen Nachfolger verpflichtet. Die Hoffnungen ruhen nun unter anderem auf Elias Baum, der aber praktisch noch gar keine Bundesliga-Erfahrung hat. Auf der rechten Seite kommen eigentlich nur Notlösungen oder der ebenfalls extrem unerfahrene Keita Kosugi in Frage. Mehr mit dem Risiko kann man praktisch gar nicht spielen.

Das zweite ganz große Problem findet man im Angriff der Hessen. Adi Hütter lässt mit zwei Spitzen spielen, hat aber mit Younes Ebnoutalib und Jonathan Burkardt auch nur zwei Stürmer im Kader. Beide hatten in der Vergangenheit mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Eigentlich wollte die SGE den zuvor geliehenen Kalimuendo fest verpflichten, konnte sich mit Nottingham aber nicht einigen. Es könnte wahrlich fatal werden, dass Krösche am Ende der Transferphase auch keine Alternativ-Lösung parat hatte.

Die Probleme im zentralen Mittelfeld dürfte man mit Onyedika und Aseko schon besser in den Griff bekommen, jedoch muss sich das Duo erst noch einspielen. Gelingt dies nicht wie erhofft, wird auch hier die Luft enorm dünn. Oscar Højlund wäre eine Alternative, konnte sich aber auch noch nicht konstant auf Bundesliga-Niveau präsentieren.

Immerhin: Die größte Schwachstelle wurde am besten gelöst - und zwar jene im Tor. Noah Atublu stellt ein enormes Upgrade im Vergleich zu Zetterer und Kaua Santos dar.

Wie wirtschaftlich war die Transferphase?

Nach all den Abgängen ist es natürlich kein Wunder, dass unter dem Strich ein fettes Plus steht. Dafür haben die 50 Millionen Euro für Brown schon im Alleingang gesorgt. Bei der Bilanz muss man jedoch anmerken, dass noch etwa 55 Millionen Euro für Larsson und Bahoya nach Frankfurt fließen sollen, wenn diese im Sommer 2027 fest wechseln. Auf der anderen Seite wird die Eintracht noch Geld in eine feste Atubolu-Verpflichtung stecken müssen. Unter dem Strich wird das Plus dennoch nochmal erheblich größer.

Einnahmen

Ausgaben

Gesamtbilanz

86,25 Millionen

40,5 Millionen

+45,75 Millionen

Tatsache ist, das Krösche die Neuzugänge allesamt zu vernünftigen Konditionen holen konnte. Insbesondere Onyedika kam zum Schnäppchenpreis. Auch bei den Abgängen wurde zumindest bei Brown und Amenda gut verhandelt.

Das Problem dieser Transferphase ist gewiss nicht der wirtschaftliche Aspekt, sondern die Tatsache, dass schlichtweg zu viele Baustellen offen geblieben sind.

Gesamtfazit:

Kaum einen anderen Bundesliga-Klub muss man ein derart negatives Transferzeugnis ausstellen wie der Eintracht. Ein dickes Transferplus und vereinzelt attraktive Deals wie die Leihe von Atubolu und der Kauf von Onyedika machen die extremen Versäumnisse nicht wett.

Insbesondere muss man verwundert darüber sein, dass Brown und Kristensen so gar nicht ersetzt worden sind. Die nicht geglückte Kalimuendo-Verpflichtung war am Ende symptomatisch für eine schwache Transferphase, in der sich das Team qualitativ enorm verschlechtert hat – von der Torhüter-Position mal abgesehen.

Ohnehin muss man sich die Frage stellen, was in Frankfurt falsch läuft, wo doch eigentlich jedes Jahr ein ordentliches Transferplus herausspringt und die finanzielle Situation trotzdem angespannt zu sein scheint. Mit diesem Transfersommer verabschiedet sich die SGE endgültig von der erweiterten Bundesliga-Spitze und lässt einige Fragen unbeantwortet.

Gesamt-Bewertung Transfersommer: 3/10


Weitere Eintracht-News lesen:

Füg uns bei Google als bevorzugte Quelle hinzu