Kroos will Playoffs in der Bundesliga: Pro & Kontra der Idee

Toni Kroos hat sich als Fan von möglichen Playoff-Spielen in der Bundesliga geoutet. Doch wie viel Sinn macht der Vorschlag des Weltmeisters aus dem Jahr 2014 wirklich?
Toni Kroos spricht sich für Playoffs in der Bundesliga aus
Toni Kroos spricht sich für Playoffs in der Bundesliga aus / picture alliance/GettyImages
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Der Meisterschaftskampf in der Bundesliga ist in aller Regel nicht unbedingt der spannendste. Dies liegt insbesondere an der dominanten Rolle der Bayern, die seit den beiden Meisterschaften von Dortmund in den Jahren 2011 und 2012 abgesehen von einer Ausnahme immer den Titel geholt haben.

Folgerichtig gibt es immer wieder Diskussionen, ob die Bundesliga nicht mit einem Playoff-System besser und spannender wäre. Toni Kroos sprach sich in seinem Podcast jüngst dafür aus, dass es am Saisonende ähnlich wie in der NBA Playoffs mit den besten acht Mannschaften geben sollte.

Doch was wären eigentlich die Vor- und Nachteile dieser Idee?

Pro: Mehr verschiedene Meister erhöhen die Attraktivität der Liga

Für einen Wettbewerb ist es nie gut, wenn am Ende praktisch immer der gleiche Sieger auf dem Ergebnis-Tableau steht. Ähnlich wie in Frankreich Paris Saint-Germain, hat der FC Bayern einen klaren, wenn auch selbst erarbeiteten wirtschaftlichen Vorsprung und dementsprechend auch fast ein Dauer-Abonnement auf den Titel.

Durch Playoff steigt die Wahrscheinlichkeit stark an, dass es auch mal einen anderen Meister gibt. Die Liga würde im Ausland dadurch an Prestige gewinnen; die Konkurrenzsituation zwischen Bayern und Dortmund zu Beginn der 2010er Jahre hat der Bundesliga schließlich auch gut getan.

Für Spieler aus dem Ausland, die nicht gerade zum FC Bayern, aber zu Teams wie Dortmund oder Leverkusen wechseln möchten, könnte ein Meisterkampf dieser Art auch einen Anreiz darstellen.

Kontra: Das beste Team des Jahres wird evtl. um den verdienten Lohn gebracht

Der Fußball besteht eigentlich ohnehin nur aus Pokal-Wettbewerben, die K.o.-Spiele beinhalten oder sogar in Gänze aus diesen bestehen. Egal ob der DFB-Pokal, die Champions League, Europa League und Conference League oder auch die EM- und WM-Endrunden: Immer kommt es zu K.o.-Duellen.

Die Bundesliga stellt hierzu einen nötigen Gegenpol dar. Hier gewinnt eben nicht unbedingt derjenige, der in einzelnen wichtigen Duellen das Momentum auf seiner Seite hat, sondern derjenige, der über die gesamte Saison hinweg die beste Leistung gezeigt hat. Genau das ist ja der Sinn des Ligasystems. Die Meisterschaft ist der fairste und verdienteste Titel, den man sich im Fußball sichern kann. Wer ein ganzes Jahr stark gespielt hat, sollte nicht durch einzelne Spiele um den Lohn gebracht werden.

Pro: Spannung bis zum Ende

Für die Spannung ist es natürlich äußerst problematisch, wenn der Meister schon mehrere Wochen oder gar über einen Monat vorher feststeht. Da kann man schon verstehen, wenn der ein oder andere neutrale Beobachter mächtig gelangweilt ist. Mit einem Playoff-System hätte man einen enormen Spannungsbogen vor dem Saisonende.

Wie Toni Kroos richtig gesagt hat, brennen Fans auf K.o.-Spiele. Hier geht es um Tod oder Gladiolen und die Dramatik erreicht ihren Höhepunkt. Erst ganz zum Ende steht fest, wer sich im Meisterschaftsrennen wirklich durchgesetzt hat.

Kontra: Langeweile in der regulären Saison

So spannend Playoffs auch sein mögen, es sei allerdings auch gesagt, dass im selben Zuge die reguläre Saison entwertet werden würde. Wirkliche Spannung würde für einige Teams schon gar nicht erst aufkommen. Man sieht ja auch in der NBA, wie viel Belastungs-Management in der regulären Saison betrieben wird und sich einige Stars und Teams in vielen Matches nicht reinhängen, weil sie eben eine Niederlage verkraften können. Erst in den Playoffs geht es dann richtig zur Sache. Ähnlich würde es auch in der Bundesliga aussehen.

Damit verlieren zahlreiche Liga-Spiele einfach ihren Reiz und ihre Klasse. Einige Pleiten würden mit Gleichmut hingenommen werden. Gewissermaßen ist es auch nicht fair, wenn Top-Klubs dann gegen ausgewählte Teams nur mit dem zweiten Anzug auflaufen.

Der FC Bayern wird schon kritisiert, wenn er als feststehender Meister manchmal die Zügel schleifen lässt. Hängt man nun Playoffs an die Saison dran, wird das nur noch schlimmer. Auch der Kampf um die internationalen Plätze würde an Brisanz verlieren, weil die Positionen ja eh nicht in Stein gemeißelt wären. Spannung besteht eigentlich nur an den Positionen, wo es um den Einzug in die Playoffs geht.

Pro: Top-Klubs treffen häufiger aufeinander

Es ist natürlich absolut klar, dass Duelle zwischen Bayern und Dortmund einen größeren Reiz haben als Bayern gegen Heidenheim. Sollte es zu Playoffs kommen, würde das dazu sorgen, dass die Top-Teams häufiger aufeinandertreffen. Auf diese Weise kann man auch mit den Rivalitäten der betroffenen Klubs spielen.

Spannender und hochklassiger Fußball wäre jedenfalls garantiert, wenn es häufiger Duelle zwischen Vereinen mit einer ähnlichen Leistungsstärke geben würde.

Kontra: Man müsste den gesamten Spielplan über Bord werfen

Aktuell ist die Sache ganz einfach: Eine Saison hat 34 Spiele, was nicht zu viel und auch nicht zu wenig ist. Hängt man nun aber noch Playoffs hinten dran, wird die Saison für die Top-Teams zu lang. Wie auch Toni Kroos in seiner Argumentation erklärte, müsste man die Ligaphase kürzen.

Doch wie genau soll das funktionieren? Möchte man einen fairen Wettbewerb haben, müssen alle 18 Teams gegen die gleichen Gegner spielen. Man hat also nur die Möglichkeit, 34 Ligaspiele oder 17 Ligaspiele auszutragen.

Verringert man die Zahl jedoch auf 17, ist das nicht nur ziemlich wenig, sondern auch nicht ganz gerecht. Jedes Team würde nur entweder auswärts oder daheim auf einen bestimmten Gegner treffen. Abgesehen davon, hätten manche Teams neun Heimspiele und andere nur acht.

Rein theoretisch könnte man das Playoff-System natürlich so gestalten, dass alle Plätze ausgespielt werden und somit am Ende auch die Teams aus der unteren Tabellenhälfte am Ende auf rund 34 Saisonspiele kommen. Doch auch dieses System hat erhebliche Schwächen.

Gerade für die Teams aus der unteren Playoff-Hälfte wird es irgendwann elendig langweilig, mehrere Male hintereinander gegen ein anderes Team um beispielsweise Platz elf oder 13 zu spielen. Der Fokus wird so noch mehr auf die großen und weniger auf die kleinen Teams gelenkt.

Abgesehen davon müsste man die Liga-Größe auf 16 umstellen, um einen vernünftigen Plan entwerfen zu können. Bei 18 Teams müsste man die letzten beiden fix absteigen lassen, was aber dazu führt, dass diese viel weniger Spiele und damit weniger TV-Einnahmen haben. Die Spieler wären zudem ein halbes Jahr arbeitslos. Hinzu käme, dass die Playoffs der Ränge noch langweiliger werden. Eine Alternative wäre das nicht.

Fazit:

Natürlich würden Playoffs die Spannung um die Meisterschaft erhöhen und für einige spektakuläre Spiele gegen Saisonende sorgen, jedoch sind die Argumente gegen die Playoffs gewichtiger. Es hat schon seinen Sinn, das es auch einen Wettbewerb gibt, in dem die Konstanz über ein ganzes Jahr entscheidend ist und außerdem müsste man die Liga auf 16 Teams verkleinern, um ein stimmiges System zu entwickeln, bei dem alle Vereine in etwa gleich viele Spiele erhalten.

Zudem haben es auch die kleineren Teams verdient, nicht nach einem halben Jahr vom Radar zu verschwinden, sondern sollten auch mehrmals die Chance haben, gegen Top-Teams zu spielen. Ansonsten wird die Schere zwischen Groß und Klein am Ende nur größer.


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