Kompany mit heftiger Kritik an Mourinho - nach Rassismus-Skandal um Vinicius
Von Franz Krafczyk

Das Traumtor von Vinicius Junior, das am Dienstag zum 1:0-Sieg Real Madrids bei Benfica Lissabon führte, rückte aus unschönen Gründen schnell in den Hintergrund. Nach dem provokanten Jubel des Brasilianers brach im Estádio da Luz ein gewaltiges Chaos aus, in dem Vinicius - mutmaßlich auch von Gegenspieler Gianluca Prestianni - rassistisch beleidigt wurde (90min berichtete).
Obwohl das Playoff-Hinspiel der Champions League nach einer Unterbrechung zu Ende geführt wurde, beherrschte der Vorfall im Nachgang die Schlagzeilen. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sorgte José Mourinho mit seiner Reaktion auf den Skandal rund um Vinicius für Aufsehen. Der Benfica-Trainer spielte den Rassismus-Vorfall regelrecht herunter. "Es war ein großartiges Tor, aber sein Jubel war respektlos. Diese Dinge passieren immer in den Stadien, in denen Vinicius spielt", sagte Mourinho.
Diese Aussagen des Portugiesen sorgten für scharfe Kritik - auch von anderen Trainern wie Vincent Kompany. Auf der Pressekonferenz am Freitag äußerte sich der Coach des FC Bayern in einem minutenlangen Monolog zur Angelegenheit vom Dienstagabend.
"Die Geschichte hat zwei Aspekte. Erstens, was auf dem Platz passiert ist, und zweitens, was mit den Fans geschah. Und dann ist da noch das, was nach dem Spiel geschah. Wir müssen diese beiden Aspekte trennen", ordnete Kompany ein und legte dann los: "Wenn man sich die Szene selbst und Vinis Reaktion ansieht, erkennt man, dass diese Reaktion nicht gespielt war. Man sieht, dass es eine emotionale Reaktion war. Ich sehe keinen Vorteil darin, zum Schiedsrichter zu gehen und ihm all das Leid aufzubürden. In diesem Moment erkannte er, dass es richtig war."
Was Kompany in seiner Ansicht bestätigte, war die Reaktion eines anderen Madrilenen. "Kylian Mbappé ist normalerweise immer diplomatisch, aber er machte deutlich, was er gesehen und gehört hatte. Dann ist da noch der Benfica-Spieler, der seine Worte unter seinem Trikot verbarg. Im Stadion sieht man, wie Leute Affengesten machten, das ist im Video zu sehen", so der Belgier weiter.
Kompany deutlich: "Mourinho hat Vinis Charakter angegriffen"
Das, was nach dem Spiel passierte, sei für Kompany jedoch "noch schlimmer" gewesen: "José Mourinho hat im Grunde Vinis Charakter angegriffen, indem er dessen Torjubel ins Spiel brachte, um dessen Verhalten in diesem Moment zu diskreditieren. Das war ein schwerer Fehler in Sachen Führungsqualitäten", kritisierte der 39-Jährige seinen weltberühmten Trainerkollegen scharf.
Auch die Aussage von Mourinho, Benfica sei aufgrund des Legendenstatus des schwarzen Spielers Eusébio kein rassistischer Verein, stieß Kompany sauer auf. "Wissen Sie, was schwarze Spieler in den 60er Jahren durchmachen mussten? War er bei jedem Auswärtsspiel dabei und hat Eusébios Leiden miterlebt, um ihn heute zu benutzen, um ein Argument gegen Vini Jr. zu untermauern?", ärgerte sich Kompany.
Daraufhin stellte der Bayern-Trainer klar, dass sich seine Kritik lediglich auf die Reaktion von Mourinho bezog, nicht aber auf die Person. "Ich habe hundert Leute getroffen, die mit José Mourinho gearbeitet haben. Ich habe noch nie jemanden etwas Schlechtes über José sagen hören. Alle seine Spieler lieben ihn. Ich verstehe ihn als Person, ich verstehe, dass er für seinen Verein kämpft. Ich weiß, dass er im Grunde ein guter Mensch ist. Ich muss ihn deswegen nicht verurteilen"; sagte Kompany.
Der frühere Abwehrspieler schob jedoch hinterher: "Aber ich weiß auch, was ich selbst erlebt habe. Ich habe es gehört. Ich verstehe, was er getan hat, aber er hat einen Fehler gemacht. Hoffentlich passiert das in Zukunft nicht wieder, und wir können gemeinsam weitermachen."
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