Vini Jr. erneut rassistisch beleidigt: Er kämpft – wir schauen nur zu

Vini Jr. wurde gegen Benfica erneut rassistisch beleidigt. Dass ihm daran eine Schuld zugesprochen wird, ist vor allem eins: affig. Zudem ist es ein fatales Signal. Ein Kommentar.
Vini Jr. stand gegen Benfica Lissabon im Mittelpunkt
Vini Jr. stand gegen Benfica Lissabon im Mittelpunkt / DeFodi Images/GettyImages
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"Ich will nur Fußball spielen." Diesen Satz sagte Vinicius Junior mit Tränen in den Augen und brüchiger Stimme im März 2024 auf einer Pressekonferenz. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mehrmals Opfer rassistischer Beleidigungen geworden.

Die Liste an Vorfällen ist lang – viel zu lang, wenn man bedenkt, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Am eindrücklichsten ist den meisten Fußball-Fans wohl der Vorfall in Valencia im Mai 2023 geblieben. Damals wurde Vini von gegnerischen "Fans" so lange beleidigt, bis ihm die Sicherungen durchbrannten. Dafür wurde er sogar des Platzes verwiesen, wenngleich die Sperre im Nachhinein annulliert wurde.

Vinicius Junior
Beim schicksalshaften Spiel in Valencia wurde Vini dauerhaft beleidigt / NurPhoto/GettyImages

"Ich verliere mehr und mehr die Lust am Spielen", sagte er auf jener Pressekonferenz noch und ergänzte: "Aber ich werde weiter kämpfen." Beim Champions-League-Playoff-Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid ist es jetzt erneut zu solch einem Vorfall gekommen.

Vini erneut rassistisch beleidigt

Doch was war passiert? Nach seinem Führungstreffer, inklusive provokantem Jubel an der Eckfahne, murmelte Benficas Gianluca Prestianni Vini am Mittelkreis etwas zu. Dabei hielt er sich das Trikot vor das Gesicht, damit man nicht erkennen konnte, was er sagt. Vinicius war daraufhin außer sich, und der Schiedsrichter unterbrach das Spiel für zehn Minuten.

"Ich will seinen Namen nicht einmal sagen. Er hat Vinicius einen Affen genannt. Fünfmal. Er soll nie wieder in der Champions League spielen dürfen. Heute hat der Fußball alle seine Werte verloren", sagte Kylian Mbappé im Anschluss.

Vinícius Júnior, Gianluca Prestianni
Hier beleidigt Prestianni den Brasilianer / Sports Press Photo/GettyImages

Und der Franzose hat einen Punkt. Wo kommen wir als Gesellschaft hin, wenn offener Rassismus weiterhin ein fester Bestandteil des Fußballs ist, und sich Spieler jetzt nicht mehr nur vor "Fans", sondern auch vor gegnerischen Spielern fürchten müssen?

Fatales Signal und ein armseliges Verhalten

An dieser Stelle möchte ich auch einmal deutlich betonen: Jeder, der Vini an dieser Aktion eine Teilschuld oder sogar die komplette Schuld zuspricht, sendet ein fatales Signal. Ich meine, wo sind wir falsch abgebogen, dass Opfer von Rassismus jetzt auch noch dafür verantwortlich gemacht werden?

Genau diese Schiene ist José Mourinho gefahren. "Wenn es in so vielen Stadien passiert, immer mit demselben, dann ist etwas falsch", mutmaßte The Special One nach der Partie und deutete an, dass der Brasilianer selbst dafür verantwortlich ist. Und das ist Quatsch.

José Mourinho (re. irritierte mit seinen Kommentaren nach dem Spiel
José Mourinho (re.) irritierte mit seinen Kommentaren nach dem Spiel / Octavio Passos - UEFA/GettyImages

Ja, Vini provoziert gerne. Ja, seine Torjubel und vor allem seine Schauspieleinlagen sind sehr nervig und letzteres schadet dem Fußball. Und ja, das kann und sollte man auch kritisieren. Aber das ist noch lange kein Grund, ihn rassistisch zu beleidigen und ihm seine menschlichen Werte abzusprechen.

Es ist immer noch nur Fußball. Es ist immer noch nur ein Spiel. Und dass einige sogenannte "Fans" ihren Frust und ihre Wut an einem Spieler auslassen, nur, weil er provoziert und ihnen sein Spielstil nicht passt, ist vor allem eins: armselig.

Allein gegen den Rest der Welt

Man muss sich einfach mal in Vinicius hineinversetzen. In einen 25-Jährigen, der seit mindestens fünf Jahren regelmäßig mit Rassismus oder geschmacklosen Aktionen gegen sich zu tun hat – erinnert sei hier an die Puppe mit Vini-Trikot, die Atlético-Fans vor einem Derby von einer Brücke hängen ließen. Ich möchte mal sehen, wie damit jemand umgeht, der Vini Schuld an all diesen Vorfällen gibt. Ich möchte sehen, wie jeder mit so etwas umgeht.

Diese drei Atlético-Anhänger ließen zusammen mit einem vierten Komplizen eine Puppe im Vini-Trikot von einer Brücke hängen
Diese drei Atlético-Anhänger ließen zusammen mit einem vierten Komplizen eine Puppe im Vini-Trikot von einer Brücke hängen / Europa Press News/GettyImages

Und genau hier liegt vielleicht auch der Grund, weshalb sich der Brasilianer denkt: Ich alleine gegen alle. Vini will sich nicht klein machen lassen, will sich nicht ändern, weil dann die Rassisten gewonnen hätten. Deshalb macht er weiter und knickt nicht ein – und das ist gut so.

Prestianni muss hart bestraft werden

Im gleichen Atemzug muss man zudem die spanische Liga und auch die Vereine an den Pranger stellen. Vini wurde wiederholt Opfer von Rassismus, wirkliche Konsequenzen gab es allerdings nicht. Das sorgt für Nachahmungstäter, ganz nach dem Motto: "Ich habe ja sowieso nichts zu befürchten."

Insofern hoffe ich, dass die UEFA bei Gianluca Prestianni hart durchgreift. Denn wenn man ehrlich ist: Wenn er etwas Normales zu Vini gesagt hat, warum sollte er sich dann das Trikot vor den Mund halten, damit keiner sieht, was er wirklich sagt? Daher bin ich hier komplett bei Mbappé: Er sollte nie wieder Champions League spielen.

Vini verdient (mehr) Respekt

"Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich ein Hemd über den Mund ziehen, um zu zeigen, wie schwach sie sind."

Vinicius Jr. (Instagram)

Es ist einfach traurig, dass wir im Jahr 2026 immer noch Rassismus im Fußball haben – und das nicht mehr nur von den Fans, sondern auch von den Spielern. Und es ist noch viel trauriger, dass Vini Jr. teilweise selbst die Schuld für diese Ausschreitungen gegeben wird.

Vinicius Junior
Vini Jr. lässt sich nicht unterkriegen, sondern macht weiter / Soccrates Images/GettyImages

Der erneute Zwischenfall sagt viel über unsere Gesellschaft aus, zeigt gleichzeitig aber auch, dass Vini Jr. (mehr) Respekt verdient hat – trotz all der berechtigten Kritik. Denn letztendlich macht er genau das, was er auf der Pressekonferenz im März 2024 versprach: Er kämpft weiter und lässt sich nicht unterkriegen. Und wenn jemand Respekt verdient, dann derjenige, der trotz allem weitermacht.

Letzten Endes ist es so, wie Vini Jr. selbst sagt: "Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich ein Hemd über den Mund ziehen, um zu zeigen, wie schwach sie sind."


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