Dieses Finale wird wohl kaum jemand jemals vergessen. Der Senegal und Marokko standen sich im Endspiel des Afrika Cups gegenüber. Für die Atlaslöwen war es die große Chance, den Titel im eigenen Land zu holen.
Es war von Beginn an eine hitzige Atmosphäre, Tore fielen zunächst allerdings keine. Doch in der 25. Minute der Nachspielzeit hatte Brahim Diaz dann die Chance, sein Land vom Elfmeterpunkt zum Afrikameister zu machen. Der Mittelfeldspieler von Real Madrid scheiterte jedoch mit einem kläglichen Panenka und es ging die Verlängerung.

Dort kam es aus Marokkos Sicht dann wie es kommen musste: Der Senegal machte das goldene Tor und gewann das Spiel mit 1:0, wodurch sich die unbezwingbaren Löwen zum zweiten Mal zum Afrikameister krönten – zumindest bis jetzt. Denn der afrikanische Fußballverband CAF verkündete am Dienstagabend, dass Marokko den Sieg am grünen Tisch zugesprochen bekommt – Grund dafür sei der Spielabbruch vom Senegal in der Nachspielzeit gewesen (90min berichtete).
Manipulationsvorwürfe werden bekräftigt
Es ist eine absolute Skandal-Entscheidung. Schon während des Turniers kamen immer wieder vereinzelte Gerüchte und Berichte über Korruption auf, die mutmaßten, dass Marokko unbedingt ins Finale gebracht werden sollte – diese sind allerdings nicht belegt, das muss man hier auch nochmal deutlich sagen.
Auch im Endspiel hatte man zeitweise den Eindruck, dass der Senegal gegen zwölf Mann spielte, denn der Schiedsrichter ließ eine eine klare Linie vermissen und legte viele Entscheidungen zum Vorteil Senegals aus. Dass Achraf Hakimi & Co. jetzt, rund zwei Monate nach dem Finale, den Sieg zugesprochen bekommen, passt da irgendwie ins Bild.
Eine Farce
Was für mich an dieser Entscheidung so fragwürdig ist, ist neben den Korruptionsvorwürfen vor allem das Verhalten Marokkos. Die Videos, wo marokkanische Ersatzspieler das Handtuch von Senegals Keeper Edouard Mendy klauen wollen, gingen um die Welt. Genau das taten sie in den Runden zuvor auch schon, Konsequenzen gab es allerdings keine.

Stattdessen wurden sie sogar als "Fair-Play-Mannschaft des Turniers" ausgezeichnet – ein durchaus makabrerer Sinn für Humor, den der CAF hier an den Tag legte. Es ist traurig, wie sich Marokko durch Aktionen wie diese die ganzen Sympathien verspielte, die es sich bei der WM 2022 noch verdiente.
Damals drückte ihnen ganz Afrika die Daumen – jetzt war ganz Afrika gegen sie. Und genau das ist es, was mich so stört: Statt die Niederlage anzuerkennen und sich einzugestehen, dass der Senegal einfach in den entscheidenden Momenten besser war, wird auf Teufel komm raus ein Weg gesucht, um doch irgendwie zum Titel zu kommen.
Diesen haben sie jetzt gefunden. Doch es wird außerhalb der Landesgrenzen wenige Menschen geben, die dieses Verhalten nachvollziehen können. Mit sportlicher Fairness hat dieses Verhalten nämlich nichts mehr zu tun – genauso wenig wie die Aktionen der Mannschaft während des Turniers.
Ein verdächtiges Bild
Vor allem, wenn man bedenkt, dass der CAF kurz nach dem Finale eine Disqualifikation vom Senegal noch ablehnte. Was ist also in diesen letzten zwei Monaten passiert, dass sich der Wind so sehr gedreht hat und der Verband jetzt zu Gunsten Marokkos entscheidet?
War der politische Druck, dass Marokko als Gastgeberland den Titel gewinnen sollte, zu groß, sodass der CAF irgendwann eingeknickt ist? Gab es noch weitere äußere Faktoren oder Einflüsse? All das sind Fragen, die jetzt beantwortet werden müssen.
Nimmt man die ganzen Vorkommnisse und – die nicht belegten – Manipulationsvorwürfe in die Gleichung mit auf, dann zeichnet das schon ein verdächtiges Bild, das diese Entscheidung noch einmal in ein anderes Licht rückt.
Senegal gibt nicht klein bei – zum Glück!
"Den Heulsusen könnt ihr noch drei Tore geben."Pathé Ciss (X)
Der Senegal selbst hat unterdessen schon Protest gegen das Urteil angekündigt. "Wir werden Kontakt mit unseren Anwälten aufnehmen und Rechtsmittel einlegen. Wir werden vor nichts zurückschrecken. Das Recht ist auf unserer Seite", sagte Generalsekretär Abdoulaye Seydou Sow im staatlichen Rundfunk RTS. Das Urteil sei eine "Schande für Afrika“.
— Equipe du Sénégal (@GaindeYi) March 17, 2026
Mehrere Spieler posteten just nach der Entscheidung in den sozialen Medien Bilder von der Siegesparade und den Feierlichkeiten von dem Triumph. Pathé Ciss richtete sogar direkt einige Worte an den afrikanischen Verband: "Den Heulsusen könnt ihr noch drei Tore geben", schrieb der Mittelfeldspieler von Rayo Vallecano bei X (ehemals Twitter).
Es ist ein deutliches Zeichen an den CAF und auch Marokko: Kleinbeigeben wird der Senegal in dieser Sache nicht – und das ist ein wichtiges und richtiges Zeichen. Das letzte Wort ist also noch lange nicht gesprochen.
