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Kommentar zum Kleindienst-Interview: Wer im Glashaus sitzt...

Tim Kleindienst kritisierte seine Mitspieler nach dem 3:4 gegen Elversberg in einer beispiellosen Art und Weise – dabei sollte sich der 31-Jährige erst einmal an die eigene Nase fassen.
VonFabian Küpper
Tim Kleindienst hat die Faxen dicke
Tim Kleindienst hat die Faxen dicke | Christian Verheyen/GettyImages

Bei Borussia Mönchengladbach brennt der Baum. 0:3 gegen RB Leipzig, 3:4 gegen die SV Elversberg. Speziell das Spiel gegen den Aufsteiger bereitete dabei große Sorgen, ließ sich die Borussia doch eine 3:1-Führung noch vom Brot nehmen. Früh in der Saison gehen somit schon wieder Alarmglocken an.

Kapitän Tim Kleindienst hatte nach dem Spiel verständlicherweise die Faxen dicke und gab ein Interview, das in Zukunft ziemlich sicher in jedem Saisonrückblick auftauchen dürfte. In beispielloser Manier knöpfte sich der 31-Jährige die eigenen Mitspieler vor und griff dabei vor allem die jungen Spieler wie Wael Mohya oder Mathieu Nguefack an.

"Wir sollten mal schleunigst unseren Fokus so hochfahren, dass er auch 90 Minuten hält", erklärte Kleindienst und stellte anschließend die Talente an den Pranger: "Keine Ahnung, woran es liegt. Weniger TikTok gucken oder was weiß ich, ist mir eigentlich wurscht, was sie machen."

Er ergänzte: "Dass die Fehler machen, ist normal, aber nach dem zweiten, dritten, vierten Mal sollte es aufhören. Da muss man innerhalb des Spiels auch mal lernen."

Ein fatales Signal an die jungen Spieler

So verständlich wie Kleindienst Wutausbruch nach dem Spiel war, so falsch und überzogen war er. Was für ein Bild wird vermittelt, wenn der Kapitän nach einer Niederlage die Schuld öffentlich auf die jungen Spieler abwälzt, die im Falle von Nguefack gerade ihre ersten Schritte in der Bundesliga machen?

Spieler wie Kleindienst sollten sie vielmehr an die Hand nehmen anstatt sie so beispiellos vor den Bus zu werfen. Die Situation ist für die Talente schließlich auch nicht leicht. Zumal zur Wahrheit auch dazugehört: Von der gesamten Mannschaft ging nach dem Spiel nur der 17-jährige Mohya in die Kurve – alle anderen drückten sich oder wurden weggeschickt, auch Kleindienst.

Wael Mohya
Wael Mohya war gegen Elversberg sehr engagiert | Christian Verheyen/GettyImages

Kleindeinst sollte kleine Brötchen backen

Ohnehin sollte der 31-Jährige eher kleine Brötchen backen, wenn er mit dem Finger auf andere zeigt, um sie für ihre Leistung zu kritisieren. Auch der Kapitän lieferte kein gutes Spiel ab, handelte beim Einwurf vor dem 2:1 sogar unsportlich, da er selbst den Ball ins Aus gespielt hatte.

Kleindienst blieb die größte Zeit des Spiels wirkungslos, hatte insgesamt nur sechs Ballkontakte im gegnerischen Strafraum und 35 insgesamt, wobei er von seinen fünf Schüssen nur einen überhaupt aufs Tor brachte.

Zudem ist es schwach, jungen Spielern durch die Blume die Konzentration abzusprechen und davon zu sprechen, weniger TikTok zu benutzen, wenn Kleindienst doch selbst zeitweise als Streamer auf Twitch aktiv war. Das war im Februar und März 2025, also genau zu einer Phase in der Kleindienst fit war und die Saison gerade in die heiße Phase ging. Dementsprechend sollte Kleindienst vorsichtig sein, wenn er mit solchen Anschuldigungen um sich wirft.

Sander ist mehr Kapitän als Kleindienst

Philipp Sander
Philipp Sander zeigte nach dem Spiel Kapitänsqualitäten | Christian Verheyen/GettyImages

Wie man mit dieser Situation richtig umgeht, zeigte Philipp Sander. Der 26-Jährige, der selbst ebenfalls kein gutes Spiel ablieferte, erklärte: "Allen jungen Spielern, die heute auf dem Platz standen, mache ich trotzdem ein Kompliment. Sie sind mutig aufgetreten. Ich bin stolz auf jeden Einzelnen. Fehler gehören dazu, es ist Teil des Lernprozesses. Wir als Ältere, als Führungsspieler, sind gefordert."

Genau so spricht ein Kapitän – und nicht wie Kleindienst, der in puncto Kritik die Fehler zuerst bei den anderen sucht und nicht bei sich selbst.


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